Meine 5 Überlebenstipps für den Jakobsweg
Foto: Lina Neeb
Zwei Zitronen am Cruz de Ferro. Foto: Lina Neeb

Zwei Zitronen am Cruz de Ferro. Foto: Lina Neeb

Was ich in den über 300 Kilometern von León nach Santiago de Compostela gelernt habe und angehenden Pilgern und Pilgerinnen empfehlen möchte.

1. Auf keinen Fall in den Sommermonaten pilgern!

Dass das spanische Wetter sein Temperament hat, brauche ich nicht auszuführen. Diese Jahreszeit hat aber noch weitere Nachteile als nur die unerträgliche Hitze. Denn in der Hochsaison des Jakobswegs machen einem zusätzlich die Massen an UrlaubspilgerInnen und Busladungen von TouristInnen zu schaffen. Da ist Aufstehen vor 6 und den ganzen Tag strammes Laufen angesagt, um sich am Etappenende einen Schlafplatz in den günstigeren Herbergen zu sichern. Wir machten unsere Tour eher zufällig Anfang März und viele der erfahreneren PilgerInnen beglückwünschten uns später zu dieser Entscheidung. Mir hat der Frühling zudem meine liebste Erfahrung auf dem Weg beschert: Zeitgleich mit uns liefen etwa 10 bis 15 weitere PilgerInnen dieselben Etappen. Dadurch dass unsere Zahl so überschaubar blieb und wir alle abends in den beliebtesten Herbergen unterkommen konnten, wurden wir schon bald eine eingeschworene und fürsorgliche Gemeinschaft.

2. Gemeinsames Laufen nicht erzwingen!

Mein bester Freund und ich ahnten schon vor Antritt des Weges, dass dieses Abenteuer eine Herausforderung für unsere jahrelange Freundschaft werden würde. Doch für beinahe den ersten Streit zwischen uns sollten nicht existentielle Lebenskrisen sorgen, sondern unsere sehr verschiedenen Laufgeschwindigkeiten. Er läuft zügig, ausdauernd, gerne lange Strecken; Anhalten macht ihn matt. Ich bin eine Bummlerin, habe keine gute Kondition, brauche ordentliche Pausen und gerne mal den halben Tag für eine Etappe. Als wir uns das endlich eingestanden und passende LaufpartnerInnen fanden, war die abendliche Wiedersehensfreude umso größer.

3. Die Jakobswegausgabe von „Rother Wanderführer“ als Wegbegleiter!

Auch diese eher zufällig getroffene Wahl des Reiseführers „Spanischer Jakobsweg – Von den Pyrenäen bis Santiago de Compostela“ von Cordula Rabe sollte sich als Glücksgriff herausstellen. Auf dem Weg war er bei vielen bekannt und beliebt. Ein Franzose, der, als wir ihn kennen lernten, schon mehrere hundert Kilometer hinter sich hatte, ließ für ihn sogar seinen ursprünglichen Wanderführer zurück. Diese Version überzeugt besonders durch die Höhenprofile mit ungefähren Zeitangaben wie auch die steckbriefartigen Informationen zu Weg und Ziel der Etappen zusätzlich zu den gängigen Landkartenausschnitten. Er ist in mehreren Sprachen erhältlich.

4. Blasenpflaster und Erste-Hilfe-Ausrüstung nicht vergessen!

Ziemlich naiv von mir mit einem Erste-Hilfe-Set, das aus einem Pflaster bestand, loszustürzen. Die golfballgroßen Blasen ließen mich das auch für die Dauer unserer Pilgerschaft nicht vergessen. Als ich mir dann noch eine Zerrung am Knöchel holte, war es Fügung oder großes Glück, dass ich mich mit einer gut ausgerüsteten Pflegerin angefreundet hatte. Ohne ihre Salbenverbände wären die letzten 100 Kilometer kaum zu schaffen gewesen.

5. Nicht an der Ausrüstung sparen!

Ähnlich blauäugig war ich wohl bei der Wahl meiner „Pilgerwerkzeuge“. Ein leichter aber stabiler Wanderrucksack mit Nierengurt beugt Rückenschmerzen vor, genau wie gut eingelaufene, knöchelhohe Wanderschuhe Blasen und Verstauchungen. Bei steilem Gelände oder leichten Verletzungen ist man auch für zusammenklappbare Wanderstöcke, wie man sie vom Nordic Walking kennt und vielleicht bisher nicht ganz so ernst nahm, sehr dankbar. Zwar sehen mein Freund und ich auf dem Bild in unseren Regencapes beide aus wie im Regen wandelnde Zitronen, doch schon nach einmaliger Benutzung machte sich bemerkbar, dass seines aus dem Outdoor-Shop kam und meines ein Werbegeschenk von pizza.de war.

Und der wichtigste Tipp von allen: UNBEDINGT MACHEN!

Der Jakobsweg war eine unbeschreibliche Erfahrung, einmalig, unvergesslich, wunderbar. Denn trotz all meiner Wehwehchen war für mich der schmerzvollste Moment der, als wir unser ersehntes Ziel erreicht hatten und mir bewusst wurde, dass unser Abenteuer nun zu Ende war.

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