Moment mal: Kirche als gelebte Trinität

Während dieser Kommentar erscheint, verteidige ich gerade meine Bachelor-Thesis. Trinität und Gottesbeziehung ist mein Thema. Als ich an der Vorbereitung für mein Colloquium saß, fand ich auf evangelisch.de einen Artikel, in dem katholische Laien mehr Mitspracherecht bei Bischofwahlen fordern. Hatte ich nicht gerade im Zuge meiner Bachelor-Thesis konstatiert, dass es in einer Gemeinde keine Hierarchie geben dürfe?Eigentlich ist es ganz logisch. Die drei Personen der Trinität, Vater, Sohn und Heiliger Geist, sind keiner Hierarchie unterworfen. Der Vater herrscht nicht über den Sohn und der Sohn nicht über den Geist. Das wäre die altbekannte Häresie des Suboridnatianismus. Die wurde schon im Konzil zu Nizäa 325 n. Chr. als Irrlehre abgetan. Sie sind also gleichberechtigt.

So. Mit den Worten Jürgen Moltmanns gesprochen, ist der Mensch durch den Heiligen Geist in den trinitarischen Prozess mit hineingenommen. Wir sind in der Trinität und die Trinität in uns. Ein klassisches Beispiel dafür wäre das Hohepriesterliche Gebet Jesu, in dem er für die Gemeinschaft unter den Jüngern betet:

„Auf das sie alle eins seien, gleichwie du Vater in mir und ich in dir, dass sie auch in uns seien, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17,21)

Damit benötigt die charismatische Gemeinschaft keinen Einheitsgaranten in einem Episkopat. Sie hat Einheit in der Gemeinschaft mit und in der Trinität. Sie ist gelebte Trinität. Die Kirche ist nicht nur Ort der Einwohnung des Heiligen Geistes, sondern der gesamten Trinität.

Leonardo Boff nennt das „perichoretisches Kirchenmodell“. Es unterstellt alle Ämter dem Gebot der Gemeinschaft. Von Paulus kennen wir das Gemeindemodell des einen Leibs mit den vielen Gliedern, die durch die geschenkten Gaben des Geistes definiert sind. Demnach müsste jemand, der z.B. die Gabe der Leitung hat, sie zwar ausführen, aber ohne sich herrschaftlich über den anderen zu stellen.

Klingt paradiesisch, nicht? Keiner stellt sich über den anderen, alle haben sich lieb und nehmen einander an, einfach so wie sie sind … traumhaft. Das erinnert mich an das „Priestertum aller Gläubigen“, das bei uns immer so hoch gehalten wird. Wenn wir das tatsächlich umsetzen würden, mit allen Konsequenzen … Konsequenzen … Da holt uns dann die Realität wieder ein. Aber mehr Mitbestimmungsrecht bei unseren katholischen Geschwistern (nicht nur bei Bischofswahlen!) wäre meiner Meinung nach schon mal ein Schritt in die richtige Richtung!

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4 Kommentare anzeigen

  1. Das klingt spannend, wird die Bachelorarbeit veröffentlicht oder könntest du sie mir schicken?
    Hast du auch über den großkirchlichen Tellerrand hinausgeschaut in Gemeindemodelle, in denen Partizipation der Gemeinde und nichthierarchische Strukturen eine größere Rolle spielt, etwa bei den Quäkern, oder den Mennoniten?

    • CorinnaCorinna Sperlich

      Hey :)
      Das Thema meiner BA war eigentlich „Trinität und Gottesbieziehung. Eine systematisch-theologische Untersuchung über die Rolle des trinitarischen Denkens für den christlichen Glauben“. Dh. Es geht tatsächlich nur ca. ein Viertel meiner Arbeit um das Perichoretische Kirchenmodell bzw. die soziale Trinitätslehre. Da war dann nicht genug Platz noch empririsch auf Quäker etc zu schauen – was ich aber durchaus sehr spannende finde! Es ist eine gute Möglichkeit dran zu bleiben und weiter zu forschen ;)

      Falls Du trotzdem noch Interesse hast meine Arbeit (in Abschnitten^^) mal zu lesen, kann ich sie Dir bestimmt zukommen lassen. :)

  2. David

    Hallo! Sehr gut geschrieben! Könnte ich den Teil deiner BA Arbeit haben bei dem es um das perichoretische kirchenmodell geht?
    LG
    David :)

    • CorinnaCorinna Sperlich

      Sehr gern :)
      Vielleicht sollte ich das Kapitel als Artikel demnächst einfach hier veröffentlichen und verlinken. Du kannst mir aber auch Deine Mailadresse geben, dann schicke ich es Dir zu.

      LG :)

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