Moment mal: Formt das Studium die Religion?

In Hamburg hat der Vorsitzende eines Islamverbandes gefordert, dass es dem Staat nicht erlaubt sein sollte, in Inhalte des universitären Islamstudiums hineinzureden. Ich glaube nicht, dass sie sich beschweren können.

Als ich die entsprechende Meldung auf evangelisch.de las, musste ich stutzen. Der Artikel zitiert Mustafa Yoldas, den Vorsitzenden des Hamburger Islamverbandes Schura mit den Worten, der Staat wolle „einen ihm genehmen Islam formen“.

Die Bundesfachschaft für Evangelische Theologie, der SETh, kämpft im Moment dafür, die sogennante Konfessionklausel abzuschaffen. Das Ziel dieser Bemühungen ist das glatte Gegenteil dessen, was diese Islamverbände fordern. Es würde im Grunde den kirchlichen Einfluss auf das Theologiestudium schwächen. (Und damit die staatlichen Interessen stärken.)[1]

Stimmt es, dass durch Kontrolle des Evangelischen Theologiestudiums der Staat die christliche Religion „formen“ könnte? Natürlich ist das Quatsch. Denn an der Universität wird nicht über Glaubensinhalte entschieden. Das Theologiestudium ist keine Glaubensausbildung, keine Frömmigkeitserziehung. Der Anspruch der Theologie ist ein rein wissenschaftlicher.[2]

Erst neulich habe ich mich positiv für das universitäre Islamstudium in Deutschland ausgesprochen. Aber ich wüsste nicht, warum die Islamische Theologie nicht an den gleichen Maßstab gemessen werden sollte wie wir. Jeder ist frei, seine Theologie frei von staatlichen Einflüssen zu betreiben, aber nicht an staatlich subventionierten Lehrstühlen. Wer an einer staatlichen Universität lehren möchte, muss nach deren Spielregeln spielen.


  1. Dieser Sachverhalt spiegelt sich auch in den Reaktionen auf die Vorstöße des SETh. Die meisten Kirchenvertreter lehnen unsere Vorschläge vehement ab, wohingegen viele Professorinnen und Professoren unserem Anliegen gegenüber offen sind.  ↩
  2. Eine These, über die man sich sicher trefflich streiten kann.  ↩
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Ein Kommentar

  1. Ich denke, Du verwechselst hier zwei Ebenen. Einmal das Staatskirchenrecht und einmal das, was die Kirchen (oder Glaubensgemeinschaften) damit machen. So hat die katholische Kirche ganz klar Einfluß auf die Fakultäten. Wir Protestanten tun so, als sei das bei uns nicht der Fall, aber im Zweifel sieht es dann doch anders aus (Lüdemann).
    Wie dem auch sei: Staatlicherseits gibt es eben durchaus die Möglichkeit für Glaubensgemeinschaften, in die Fakultäten reinzuregieren. Mit gutem Grund, denn der Staat hat letztendlich keine Kompetenz in Glaubensfragen.
    Daß wir als Protestanten eher dazu neigen, die Fakultäten in Ruhe zu lassen (von kirchlicher Seite aus) ist unsere eigene Entscheidung (und ich vermute der SeTh richtet seine Forderung auch an die Kirchen und nicht an den Staat).

    Wenn nun die Islamverbände fordern, den gleichen Zugriff auf die Fakultäten zu haben, die ihre Geistlichen ausbilden, wie meinetwegen die Katholiken, dann ist das für mich nur fair. Ich fand diese Konstruktion, islamische Theologie ohne verantwortende Glaubensgemeinschaft dahinter sowieso von anfang an Fragwürdig.
    Man stelle sich vor der Staat Saudi Arabien schaffe einen Studiengang Evangelische Theologie an der Uni Riad und legt gleichzeitig das Kurrikulum fest, wobei eine handvoll handverlesener Protestanten beraten dürfen, aber nicht mehr. Wär auch komisch.
    Wie die Muslime ihre Theologie organisieren muß deren Sache sein, und wenn sie die gleichen Freiheiten fordern, die auch andere haben, dann muß das möglich sein. Ganz einfach, weil das Staatskirchenrecht das zuläßt.
    Wenn nun die Muslime aus eigenem Antrieb entscheiden, der Wissenschaft ihre Freiheit zu lassen, vielleicht sogar die Konfessionsklausel abzuschaffen (wenn ich recht informiert bin haben zum Beispiel die Katholiken in Mainz diese Klausel gar nicht, um mal wieder ein Beispiel aufzugreifen), dann find ich das gut. Aber ich bin kein Muslim, und deshalb geht es mich nichts an. Und so wie sie uns die Freiheit lassen, unsere Fakultäten zu ordnen sollten wir es auch ihnen zugestehen.

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