Lesenswert #6 Hölle, Islam und Inhaltsverzeichnisse

Auf Lesenswert sammelt Max Melzer regelmäßig lesenswerte Texte zu theologischen, kirchlichen oder universitären Themen. Wenn ihr irgendwo einen guten Artikel gelesen habt, schickt den Link an lesenswert@theologiestudierende.de!

Sehnsucht nach der Höllenpredigt?

Der katholische Theologe Gerd Häfner kommentiert auf lectiobrevior.de scharfzüngig die Debatte um die Thematisierung der Hölle in der Katechese:

Nun wird der Kardinal aus dem Katechismus belehrt,

»dass die Hölle eben kein Bild ist sondern eine bittere Realität, und dass sie ewig dauert (KKK 1035).«

In der zitierten Aussage des Kardinals geht es allerdings nicht um den Gegensatz von Bild und Realität, sondern darum, dass die Aussicht auf Heil und Gericht in vergangener kirchlicher Verkündigung häufig falsch eingesetzt wurde, nämlich so, dass von der freimachenden Kraft des Evangeliums nicht viel übrig blieb.

Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass die Hölle in einer Familienkatechese nicht thematisiert werden müsse, dass das Thema aber noch nicht erledigt sei. Diskussionen über Himmel, Hölle und Allversöhnung findet man im evangelischen Bereich kaum. Und dabei scheinen mir diese Themen noch lange nicht geklärt. Jeder scheint einfach still für sich zu glauben, was ihm oder ihr gefällt …

Wishes

Der Autor und überzeugte Atheist Matt Gemmell rechnet überraschend ehrlich mit der „superstition“ seiner Kindheit ab:

“You can make a wish, but it’ll only come true if you don’t tell anyone.”
That’s what my mum always told me when she found a stray eyelash on my cheek. It was a compelling idea, and the element of secrecy made it all the more alluring.

Ein gefühlvoller, sehr persönlicher Artikel, der Fragen stellt, die uns alle schon mal beschäftigt haben. Der Glaube ist doch ein großer Trost und ein Leben im Atheismus bedeutet manchmal auch ein Leben in Dunkelheit.

„Die Theologie selbst ist Aufklärung“

Ulrich Ziegler hat für Deutschlandradio Kultur ein interessantes Interview mit dem Professor für Islamische Theologie Milad Karimi geführt. Sie kommen auch auf das universitäre Islamstudium in Deutschland zu sprechen:

Ich habe Studenten, das sind junge Menschen. Die tragen Kopftuch. Die tragen kein Kopftuch. Die haben einen Bart. Die haben keinen Bart. Sie sind da und sie wollen was über ihre Religion erfahren. Sie wollen nicht nur glauben, was sehr schön ist, sie wollen auch Verantwortung für den Glauben übernehmen. Und wenn es mir gelingen würde, ihnen gerade den Glauben ein stückweit durchsichtig zu machen, ihnen zu zeigen, es gibt unterschiedliche Lesarten eines bestimmten Verses. Es gab eine reiche Tradition im Islam. Man kann nicht nur einseitig eine Sache sehen. Man kann es auch im Kontext der Zeit sehen. Man muss heute den Koran anders verstehen als vor 1.400 Jahren. Das ist etwas Organisches, was es in der Tradition gegeben hat. Und das beflügelt die Studenten in Deutschland.

Das Interview gibt mir das Gefühl, dass eine wissenschaftliche, staatlich geförderte Beschäftigung mit dem Islam eine ganz wunderbare und gewinnbringende Sache sein kann – sowohl auf einer theologischen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene.

Judging people that use the table of contents in their Bible

John Acuff in einer unterhaltsamen Satire auf stuffchristianslike:

Don’t, don’t try to explain yourself. I thought you loved God. I thought that when we weren’t at church together you were off somewhere reading your Bible, but clearly that was a mistake on my part. How long has this been going on, this, ugh, I don’t even like how the words feel in my mouth, this “using the table of contents to find books of the Bible?”

Sehr witzig.

Schlagwörter: , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.