Moment mal: Warum es besser ist, ein männlicher Pastor zu sein

Die Evangelische Kirche in Deutschland bekennt sich zur Frauenordination, einige halten sie gar für einen Kernbestandteil lutherischer Kirchenkultur. Dabei gibt es die Frauenordination auch in Deutschland noch gar nicht so lange. Und, wer ist schon so blöd und outet sich öffentlich als Gegner der Ordination von Frauen? Oder würde bestreiten, dass Frauen ebenso gute Theologen sein können wie Männer? Eben, schon jetzt studieren deutlich mehr Frauen als Männer Theologie und mischen sich auch ein.

Erik Parker (@ParkerErik) ist selbst lutherischer Pastor in Kanada, verheiratet mit einer Pastorin und hat auf seinem Blog mit ihr gemeinsam insgesamt 22 Gründe dafür aufgeschrieben (hier und hier), dass männliche Pastoren besser dran sind. Wie er bin ich der Meinung, dass männliche Pastoren nicht besser sind, aber es ein männlicher Pastor zu Zeiten besser hat: mit weniger Vorurteilen zu kämpfen hat und nicht unter struktureller Benachteiligung leiden muss.

Sicher wird nicht jede(r) solche Situationen schon erlebt haben und natürlich sollen sich Frauen auch in Kirche und Theologie nicht als Opfer sehen. Diskriminierung auf Grund des Geschlechts oder der Sexualität ist aber auch in unseren Kirchen nicht ausgestorben. Zur weiteren Diskussion können die Thesen von Erik Parker anregen. Hier eine kleine Auswahl der Gründe „Warum es besser ist, ein männlicher Pastor zu sein“ in deutscher Übersetzung (die Originale sind unbedingt lesenswert!):

1. Niemand definiert meinen Dienst (Anm.: als männlicher Pastor) über mein Geschlecht. Niemand sagt je „wow, ein männlicher Pastor“ oder „ein Mann im Pfarramt, mutig von Ihnen“ oder „Pfarrer, so sehen sie gar nicht aus“. Ich kann immer einfach Pastor sein. Ich muss nicht mit dem (ungerechtfertigten) Schock anderer leben, dass ich mein Geschlecht habe und Pastor bin.

2. Die Leute sind an Pfarrer meines Geschlechts gewöhnt. Es gibt keine christliche Konfession, die sich der Ordination und Indienststellung männlicher Theologen unsicher ist; keine Gemeindeglieder, die denken, es wäre ok etwas wie „Nie werde ich mich von einem Mann beerdigen lassen!“ zu sagen. Ich muss keine Fragen danach ertragen, ob ich Mutterschutz nehmen werde und wie lange oder was passieren wird, wenn ich einmal Kinder habe.

3. Die Leute denken zwei Mal nach, bevor sie sich mit mir streiten. Niemals bin ich auf Grund meines Geschlechts zweite Wahl, niemand bevormundet mich auf Grund meines Geschlechts. Ich muss nicht darunter leiden „junger Mann“ oder „Bruder“ genannt zu werden, um meinen Standpunkt nebenbei zu entwerten. Und die Leute nennen mich nicht „Zicke“ oder „Spalter“ wenn ich mit ihnen nicht übereinstimme. Ich kann mich über schlechtes Benehmen beschweren, ohne als „schwierig“ zu gelten. Es wird toleriert oder sogar erwartet, dass ich Wut zeige oder zornig bin.

4. Ich muss mich nicht um meine Sicherheit sorgen. Ich denke nicht zwei Mal darüber nach, wenn ich alleine in einer Kirche bin. Wenn ein Mann mich um ein Gespräch unter vier Augen bittet, denke ich nicht an meine Sicherheit oder an seine Motive. Männer versuchen nicht mich zu umarmen (oder mich zu begrabschen).

5. Niemand hält mich für die Gemeindesekretärin oder die Frau des Pfarrers.

6. Ein Mann zu sein ist in der Kirche nach wie vor die Norm. Es gibt keine Kurse über „Männer-Angelegenheiten“ an Universitäten oder Ehrenamtsakademien. Es gibt keine post-moderne männliche Theologie, männliche Pastoren werden nicht angefragt, über ihre Erfahrungen als Mann im Pfarramt zu sprechen.

7. Ich könnte dem „Alte-Männer-Club“ beitreten – wenn ich wollte. Die Führungsschicht der Kirchen ist nach wie vor mehrheitlich männlich dominiert und es gibt keine gläsernen Decken für Männer in den Kirchenorganisationen. Niemand entschuldigt sich anschließend „alles wäre doch lustig oder ironisch gemeint gewesen“, wenn Witze über mein Geschlecht gemacht werden.

8. Niemand wird mir je sagen, wie professionell / beeindruckend / anders ich im Talar aussehe. Ich sehe nicht lächerlich aus, weil die Standard-Kluft für meinen Beruf für mein Geschlecht gemacht wurde, und ich sehe nicht wie ein Cross-Dresser aus, wenn ich Kleidung für Geistliche trage.

9. Mein Stil, meine Garderobe und mein Auftreten stehen nicht unter permanenter Beobachtung der Öffentlichkeit. Ich werde niemals mehr Kommentare über meine Schuhe, meine Frisur, meine Fingernägel oder mein Makeup bekommen als über meine Predigten, die ich jeden Sonntag halte. Wie ich mich kleide war nie Thema in einer Diskussion eines Gemeindekreises oder Kirchenvorstands. Tatsächlich ist meine körperliche Darreichungsform nicht die erste Eigenschaft, die Leute benutzen, um mich anderen Menschen zu beschreiben. Niemand sagt mir jemals, dass ich schöne Beine habe.

10. Ich werde zum Männerfrühstück ebenso eingeladen wie zum Frauenkreis. Niemand findet es komisch, wenn ich zum Männerfrühstück auftauche und es ist auch nicht komisch, dass ich im Frauenkreis spreche. Komisch.

11. Die meisten Leute würden in der Öffentlichkeit nicht über mein Familienleben urteilen. Meine Fähigkeiten als Ehemann oder Familienvater, meine Work-/Life-Balance wird nicht diskutiert, bloß weil mein Geschlecht für die Kindererziehung vorgesehen ist. Aber wenn ich mich Kindern zugewandt verhalte, werde ich für meine Nahbarkeit gelobt, weil sie nicht per se von mir erwartet wird.

Und schließlich, der wichtigste Grund, warum es besser ist ein männlicher Pastor zu sein:

12. Niemand wird mir je sagen, dass Gott mich auf Grund meines Geschlechts nicht in das Pfarramt ruft. Ich bin nicht ausgeschlossen von jeder Rolle in der Kirche, einfach weil mir ein biologischer Münzwurf das falsche Geschlecht zugewiesen hat. Mir wird man nie erzählen, dass mein Geschlecht der Grund für alle Sünden der Welt ist und ich deshalb andere nicht im Glauben anleiten kann. Mein Geschlecht bestimmt mich nicht zum „Schweigen“ in der Gemeinde oder zur „Ehrerbietung“ meinem Partner gegenüber. Mir wird niemand erzählen, dass die Bibel „ganz klar erklärt“, dass ich kein Pastor sein kann, einfach weil „es so geschrieben steht“.

Dieses letzte Argument ist natürlich das ultimative männliche Privileg in der Kirche. Für liberale und progressive Christen ist es eines der großen Probleme, dass sie mit der weltweiten Kirche haben. Auch für mich, außer dass ich mich selbst als liberal, progressiv und orthodox und apostolisch und in der Tradition der Kirche sehe. Denn radikale Gleichheit ist die Theologie von Jesus und Paulus. Das Patriarchat ist Ballast des ersten Jahrhunderts. Ballast, den auch im 21. Jahrhundert Männer Frauen auflasten. Es ist ein bequemer Weg des Machterhalts für Männer in der Kirche, zu behaupten, die Bibel verböte Frauen das Pfarramt.

mit freundlicher Erlaubnis von @nakedpastor, nakedpastor.com

mit freundlicher Erlaubnis von @nakedpastor, nakedpastor.com

All die Vorteile die es hat, ein männlicher Pastor zu sein, sind nur deshalb Vorteile, weil Frauen unter ihrem Gegenteil leiden. Viele meiner Kolleginnen haben mit diesen Beeinträchtigungen, Beleidigungen und Frustrationen jeden Tag zu kämpfen, weil sie die Realität in unseren Kirchen ist. Das ärgert mich sehr. Ich bete dafür, dass der Tag kommt, an dem diese Vorteile Realtität für alle Pastoren sind, egal welchen Geschlechts.

Was denkt Ihr? Stimmt das? Gibt es noch mehr Vorteile ein männlicher Pastor zu sein, oder Nachteile für Frauen im Pfarramt?

(I want to thank Erik Parker for his permission to translate his ideas into German. Hopefully they will enrich the discussion in Germany as they have already done in the U.S.. Thanks and God bless.)

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11 Kommentare anzeigen

  1. Der Skeptiker

    Wo jetzt genau der Spass bei der Sache ist, frage ich mich. Wenn Frauen deiner Meinung nach auch in der evangelischen Kirche diskriminiert werden, stellen sich mir zwei Fragen: 1. Warum machst du da Scherze drüber? 2. Warum beschweren sich die Frauen nicht selbst?

    Wenn das Thema weiterhin verharmlost wird und die Betroffenen selbst nichts dagegen tun, dann wird sich überhaupt nichts ändern. Und so sind sie ja auch, die Kirchen, wer dort noch mitmacht ist so konservativ, dass er die Diskriminierung überhaupt nicht mehr bemerkt. Zeit für einen neuen Exodus!.!!

    • Es gibt durchaus auch eine Art von Scherz, der eine Sache nicht verniedlicht, sondern die Untragbarkeit einer Sache schmerzhaft deutlich macht: Satire.

      In diesem Zusammenhang sehe ich auch diesen Artikel: Er macht auf eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit aufmerksam. Er will uns wachrütteln – vor allem Leute, die für die Ungleichbehandlung der Geschlechter im Pfarrberuf nicht sensibilisiert sind.

      Aber es gibt dafür halt noch Hoffnung; deshalb schreiben wir. Ein Exodus (eine Abspaltung von der Kirche) wäre nur ein davonlaufen vor den eigentlichen Problemen.

  2. Tobias

    „Er macht auf eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit aufmerksam.“

    Ich habe den Eindruck, der Autor dieser Zeilen leidet unter einer völligen ethischen Desorientierung!

    Weil Frauen und Männer nicht immer und überall völlig gleichgestellt sind, ist das eine „ungeheuerliche Ungerechtigkeit“?

    War es auch eine „ungeheuerliche Ungerechtigkeit“, dass die zwölf Apoeste nur Männer waren?

    Ist es eine „ungeheuerliche Ungerechtigkeit“, dass ich als Mann noch Wehrdienst/Ersatzdienst leisten musste und Frauen nicht?

    Ist eine „ungeheuerliche Ungerechtigkeit“, dass Frauen Kinder gebären und ich nicht?

    Was für eine Vorstellung von Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit steckt dahinter, dass jede Ungleichheit sofort
    „ungeheuerliche Ungerechtigkeit“ dargestellt wird?

    Ist es nicht eine „ungeheuerliche Ungerechtigkeit“ das Gott die einen schön, gesund, intelligent etc. gemacht hat und andere nicht?

    Wie sähe eine Gesllschaft aus, wo es all diese „ungeheuerliche Ungerechtigkeiten“ nicht gäbe?

    Leider sind weite Teile der Theologie-Professoren und der Theologie-Studenten von einem Ungeist befallen, der derartiges Vorstellung als ganz normal erscheinen lässt.

    Eine Einstellung, die Dankbarkeit zeigt dafür, dass man ein Geschöpf Gottes ist und dass man lebt, völlig gleich wie Gott einen geschaffen hat und an welchen Platz er einen gestellt hat, scheint dem Autor völlig zu fehlen.

    Ich erlebe täglich in meinem Theologiestudium, auf welchen Abwege sich Leute begeben, die sich für Christen halten und kann nur noch den Kopf schütteln.

    • Danke für diesen Kommentar. Du hast sehr recht und ich kann deinen Einwand sehr gut nachvollziehen. „Ungeheuer“ war wohl auch etwas übertrieben. Allerdings würde ich schon unterscheiden zwischen „Ungerechtigkeit“, die wir hinnehmen müssen (Das Männer keine Kinder bekommen können) und Ungerechtigkeiten, die wir Menschen selbst konstruiert haben. Und da gehört die Behandlung von Frauen im Berufsleben dazu!

    • „War es auch eine “ungeheuerliche Ungerechtigkeit”, dass die zwölf Apostel nur Männer waren?“

      Ehrlich. Überhaupt nicht ungerecht, dass die Jüngerinnen da unter den Tisch gefallen sind. Mhm, woran könnte das liegen?

      [Ironie off]

      Danke für das schöne Beispiel. Es war keine Ungerechtigkeit, es ist eine.

      • Menso Alting

        Da wendet aber jemand das Pipi-Langstrumpf-Prinzip auf die Bibel an. Selbst bei historisch-kritischer Auslegung kann man sich nicht alles so hinbiegen, wie es einem gefällt.

        Was Du machst ist schlicht nichts anderes, als aus einer zeitgeistlichen Perspektive Tatsache hinzudenken.

        • Ich denke, es ist unbestreitbar, dass Frauen in der Jesusbewegung und im frühen Christentum eine wichtige, gleichberechtigte Rolle spielten. Zahlreiche Nennungen in den Paulusbriefen zeugen davon. Desto weiter wir aber in der Kirchengeschichte gehen – schon bei den Pastoralbriefen – umso mehr treten Frauen in den Hintergrund oder werden abgewertet. Das ist nach meiner bescheidenen Kenntnis Stand der Forschung.

          Ich sehe hier kein „Hinbiegen“ der Vergangenheit aus zeitgeschichtlicher Perspektive mittels der historisch-kritischen Auslegung, derer ich mich natürlich mit großer Selbstverständlichkeit und Freude bediene.

  3. Tim

    Die Beispiele sprechen ja auch alle nicht von einer systematischen Schlechterstellung von Frauen im Pfarramt, wohl aber von einer Ungleichbehandlung in der Wahrnehmung. Zwar gibt es dienstrechtlich weitgehend gleiche Rechte für Pfarrerinnen und Pfarrer, dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass im Alltag für Pfarrerinnen (wie auch für Managerinnen, Ärztinnen, Ingenieurinnen etc.) ihr Geschlecht immer wieder eine Rolle spielt und sie auch nach ihrem Geschlecht bewertet werden, während ihre männlichen Kollegen damit nie Probleme haben.

  4. Saboteur

    Einige Punkte können aber auch männliche Pastoren treffen:
    3. Mit „Junger Bruder“ kann eben auch der Standpunkt des jungen Pastors in Zweifel gezogen werden.
    4. Aber ich muss ggf. aufpassen, wenn mich eine Frau um ein Gespräch bittet.
    9. Doch, das kann vorkommen. Da passt die Farbe der Krawatte / des Anzugs nicht, und schon…
    11. Doch. Und es wird darüber geredet, ob es denn richtig ist, wenn ich mich nachmittags mit meinen Kindern auf dem Spielplatz sehen lasse. Da habe ich doch zu arbeiten.

    „Das Patriarchat ist Ballast des ersten Jahrhunderts. Ballast, den auch im 21. Jahrhundert Männer Frauen auflasten. Es ist ein bequemer Weg des Machterhalts für Männer in der Kirche, zu behaupten, die Bibel verböte Frauen das Pfarramt.“
    Manche Frauen basteln sich diesen Ballast selbst. Und in Zeiten, in denen in jeder Stellenanzeige steht: „Frauen werden bei gleicher Voraussetzung bevorzugt angestellt“ kann die Geschlechterverteilung in kirchlichen Ämtern nicht mehr unbedingt ein Zeichen des reflexhaften Machterhaltvollzuges sein. Dieses Problem wird sich evtl. im Laufe der Zeit durch natürliche Auslese ändern.
    Oder es ist kein Problem, dazu müsste man statistisch untersuchen, wie viele Bewerbungen von Frauen es im Vergleich zu Männern auf besagte Ämter gibt. Sind das dann sehr viel weniger, kann es daran liegen, dass die anderen Bewerbungen verbrannt werden. Oder daran, dass sich schlicht weniger Frauen bewerben. Wie Schade.

  5. juliane

    Vielen Dank für diesen Artikel. Wo sind die Frauen, die in den Kommentaren mitdiskutieren?
    Auch wenn ich als Frau im Pastorenberuf nicht alles so erlebt habe, wie es in diesem Artikel geschildert wurde, entdecke ich mich in vielem wieder.
    Das Fiese ist, dass vieles so subtil geschieht, dass selbst, wenn man es benennen würde, man doch wieder nur in diese Schublade „überempfindliche Frau“ gesteckt werden würde.
    In dem Artikel fehlt übrigens der Neid und das Angegriffensein der anderen Frauen, die die Pastorin mit ihrer Leitungsrolle provoziert, weil sie ja das Kuschen und Unterordnen in Frage stellt. Es fehlt, dass wir aufgrund unseres Geschlechts oft nicht ganz für voll genommen werden. Angeflirtet werden.
    Ich habe mich irgendwann entschieden, nicht gegen diese Vorurteile zu kämpfen, weil ich sonst wohl nichts anderes mehr gemacht hätte. Aber leben musste ich damit.

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