Moment mal: Who is perfect?

Auf Facebook ging vor kurzem ein Video durch die Profile. „Perfekte“ Schaufensterpuppen wurden durch echte Nachbildungen von Menschen mit Behinderungen ersetzt. Statt der 90-60-90 Puppe stand nun eine zierliche Person mit einer seitlich gekrümmten Wirbelsäule in einem weihnachtlichen Glitzerfummel im Schaufenster und erstaunte Passanten. Viele Facebookfreunde kommentierten: „Wow-Gänsehaut! Super“, „Super Klasse, mein Herz hat’s berührt,“ „Ein willkommener Mutmacher!“ oder „WAHNSINN“. Viele haben wenigstens ihr „like“ gesetzt. Das Video nennt sich „Because who is perfect?“. Eine weihnachtliche Aktion auf dem Weg zur Inklusion. Eine Freundin von mir meinte sogar, auf dem Weg zur Normalität. Es sei eine Aktion die wach rüttelt und zum Nachdenken anregt. Das stimmt. Nachgedacht habe ich seit dem tatsächlich. Ich habe mich gefragt, warum meine Reaktion auf das wieder keine Gänsehaut war.

Ich habe mich gefragt, ob es den Menschen nicht peinlich ist, dass ihre Behinderung so zur Schau gestellt wird? Ist es nicht beschämend, wenn dann Passanten lachen und mit dem Finger auf die Schaufensterpuppe zeigen? Oder, wenn sie versuchen sie nachzumachen, wie es am Ende des Videos zu sehen ist?

Und dann habe ich mich gefragt, ob das nicht der Punkt ist, weswegen der Inklusionsgedanken nur so schleppend vorangeht? Warum wir – warum ich immer noch nach unten schaue oder verzweifelt einen Weg suche, die Person mir gegenüber zwar anzugucken, aber sie nicht merken zu lassen, dass ich eigentlich auf ihre anders geformten Beine starre?

Klar, alle Menschen sind Ebenbild Gottes. Vor Gott sind wir alle gleich. In Jesus Christus hat Gott das Leben zu etwas Göttlichem gemacht. Jedes Leben. Gott wurde Mensch. Die Inkarnation Gottes – das feiern wir doch morgen. An Heilig Abend. Klar, dass weiß ich. Was ist schon perfekt. Kein Mensch ist perfekter als ein andere. Alles bekannt.

Aber das sind alles nur Sätze, die ohne Inhalt bleiben, wenn sie nicht umgesetzt werden. Wie passend, dass diese Aktion zu Weihnachten durchgeführt wurde. Zu Weihnachten, wo der Mensch in der Trinität gefeiert wird. Wo der Mensch im Mittelpunkt ist.

Am Ende des Videos sieht man lauter strahlende Gesichter. Menschen, die ihr Abbild glücklich betrachten. Nicht peinlich berührt. Nicht melancholisch oder traurig. Sondern lachend und staunend. Davon lasse ich mich berühren. Davon lasse ich mich wach rütteln. Nicht nur zu Weihnachten.

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