Moment mal: Oh, du fröhliche Weihnachtszeit

Ja, ich weiß. Das Thema der stressigen Adventszeit ist inzwischen ganz schön abgedroschen und eigentlich will man nichts mehr darüber hören, geschweige denn darüber lesen. Aber ich will an dieser Stelle nicht über den stressigen Advent reden, sondern über die Weihnachtsfeiertage.

Ich habe das Gefühl in diesem Jahr häufen sich die Klagen darüber, dass das Weihnachtsfest an sich stressig geworden ist. Die einen beklagen sich über den engen Zeitplan an Heiligabend, die anderen über die Verpflichtungen an den einzelnen Feiertagen. Ich habe ein Gespräch überhört, bei dem sich zwei Frauen über Heiligabend unterhielten und eine der anderen erzählte, dass sie dieses Jahr weder einen Weihnachtsbaum aufstelle, noch etwas großartiges zu Essen koche, den Stress gebe sie sich nicht, auch das ganze Kekse backen und Geschenke einpacken brauche sie dieses Jahr nicht. Ihre Gesprächspartnerin bestätigte ihre Freundin mit den Worten, dass sie das ja auch nicht mehr brauche, wenn die Kinder aus dem Haus seien und nicht bei ihr feiern.

Dann die Sache mit den Verpflichtungen: Heiligabend mit den Eltern, erster Feiertag mit den einen Großeltern, zweiter Feiertag mit den anderen Großeltern, dann kommen noch Tanten und Patentanten und was weiß ich noch alles mit dazu. Mit Partner verdoppelt sich das dann alles nochmal und als Scheidungskind oder mit Kindern aus einer vergangenen Beziehung wird es nochmal mehr. Alle wollen Weihnachten besucht werden, man will niemanden nicht besuchen, weil derjenige sich dann vernachlässigt fühlen könnte. Aber dann heißt es: am ersten Feiertag muss ich zu den Eltern meines Mannes, am zweiten Feiertag muss ich zu meinen Großeltern, Heiligabend muss ich meine Eltern einladen …

Zurück zu dem Gespräch zwischen den zwei Frauen. Ich weiß nicht, was mich in dem Moment mehr betrübte, der Gedanke, ohne Weihnachtsbaum und großartigem Essen zu feiern, oder der Gedanke, an Weihnachten allein sein zu müssen. Wenn man alles weg lässt und sich nur darauf freut endlich mal allein sein zu dürfen, ist die Gefahr dann nicht groß, dass Weihnachten wird, wie jeder andere Tag auch und man den Grund dieses Festes vergisst? Und macht nicht das gerade die Freude des Advents aus? Vorbereitungen für Weihnachten zu treffen, Geschenke kaufen und einzupacken, Weihnachtsbaum kaufen und schmücken, Kekse backen, Teig probieren. Ist das nicht gerade die Freude, dass man an Weihnachten die Ruhe und den Frieden hat das alles zu genießen?

Die Tage darauf häuften sich die Klagen über die Verpflichtungen an Weihnachten und ich konnte ansatzweise nachempfinden, was es heißt an Weihnachten nur auf Achse zu sein, da ich es die vergangenen zwei Jahre mitgemacht hatte – ansatzweise: Nach dem Nachtgottesdienst war es mir nicht gegönnt mit meiner Familie noch mit einem Glas Sekt anzustoßen, weil ich in der Nacht noch zu meinem damaligen Freund gefahren bin, damit wir am nächsten morgen gemeinsam in den Gottesdienst gehen konnten. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde dann erstmal die Scheune geschmückt und Tische gedeckt, weil die ganze Familie meines Freundes mit Großmüttern und Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins kamen, damit wir dort gemeinsam Weihnachten und den Geburtstag des Bruders feiern konnten, was dann abends wieder aufgeräumt werden durfte. Am nächsten Tag sind wir dann gemeinsam früh wieder zurück zu mir gefahren, wo es Brunch mit Großmutter und Patentante gab, bevor es zum Hüttenzauber zu meinen Großeltern mit Tanten, Onkels, Cousinen und Cousin ging. Volles Programm und spätestens am Frühstückstisch am 27. merkte ich, dass ich was verpasst hatte, als ich das erste Mal bewusst das Weihnachtsoratorium aus den Lautsprechern jauchzen und frohlocken hörte.

Als mir das alles dieses Jahr wieder klar wurde, konnte ich der Frau gut nachempfinden. Ich habe mich auf einmal gefragt, ob man nicht gerade ohne Weihnachtsbaum und großartigem Essen noch besser dem Grund der Weihnacht gedenken kann und dankbar sein kann.

Kann es nicht einen Mittelweg geben? In Ruhe und Frieden mal die Füße hoch legen zu können und in Ruhe bei einem Gläschen Wein dem Weihnachtsoratorium lauschen zu können, im Hintergrund darf auch gerne die Eisenbahn rauschen und gerne betrachte ich dabei auch einen schön geschmückten Weihnachtsbaum. Aber müssen wir an Weihnachten unseren Verpflichtungen nachkommen? Haben wir die im Alltag nicht schon genug?

Auf den Hüttenzauber freue ich mich. Der ist ein Event. Ich sehe meine Cousinen und Cousins wieder, die inzwischen quer durch Europa verteilt sind (naja, Deutschland und Österreich), wir machen eine (Schnee-)Wanderung, trinken Glühwein, singen Weihnachtslieder und erzählen einander Weihnachtsgeschichten. Für mich ist Weihnachten nicht müssen, sondern dürfen und Freude daran haben.

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