Pränatale Diagnostik auf Trisomie 21 – warum ich kritisch bin
DNA. Grafik: Gemeinfrei

Was ist pränatale Diagnostik

Zunächst mal: Es geht hier um pränatale Diagnostik, d.h. um Untersuchungen des Kindes im Mutterbauch – nicht um die auch viel diskutierte präimplantale Diagnostik.

Pränatale Diagnostik, das sind Untersuchungen, die zusätzlich zu den normalen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden – zum Beispiel, wenn der Ultraschall auffällige Befunde ergibt oder es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt.

Pränatale Diagnostik und Trisomie 21

Ob ein ungeborenes Kind Trisomie 21 (Downsyndrom) hat, konnte man bisher entweder durch eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Choriozottenbiopsie (Untersuchung des Mutterkuchens) herausfinden. Beide Untersuchungen sind invasiv und damit mit einem Fehlgeburten-Risiko (0,5-1%) verbunden. Seit einem guten Jahr gibt es in Deutschland auch einen neuen Test, den „Praenatest“ der Firma lifecodexx. Es ist ein Bluttest – der Mutter des Kindes wird Blut entnommen, das heißt es ergeben sich keinerlei Risiken für das Kind. Momentan ist der Praenatest noch eine Privatleistung und kostet ca. 1250 €. In Einzelfällen sind die Kosten aber offenbar schon von der Krankenkasse übernommen worden und zur Zeit wird diskutiert, ob das nicht generell so sein sollte.

Befürworter des Tests sagen…

Super! Dieser Test ist sicher für das Kind – ist also schonender und rettet Leben – und bringt ein ziemlich sicheres Ergebnis. Außerdem kann der Test zu einem sehr frühen Zeitpunkt durchgeführt werden. Wer nach dem Test weiß, dass er ein behindertes Kind erwartet und es abtreiben möchte, kann das zu einem frühen Zeitpunkt tun. Eine Spätabtreibung (also eine Abtreibung durch vorzeitige Einleitung der Geburt, bei der das Kind dann meist stirbt), die traumatisch sein kann und auch risikoreich ist, wird dadurch vermieden.

Aber…?

Ist ein solcher Test wirklich „schonender“? Für ein gesundes Kind sicherlich, denn das Risiko der Fehlgeburt schwindet. Für ein ein Kind, das tatsächlich an Trisomie 21 leidet, ist die Wahrscheinlichkeit aber größer, als behindertes Kind „entdeckt“ und abgetrieben zu werden.

Der Sinn von Pränataldiagnostik?

Natürlich will jede schwangere Frau wissen, ob ihr Kind gesund ist oder nicht – ganz unabhängig davon, ob sie es im Falle einer Behinderung abtreiben möchte. Der ursprüngliche Sinn von pränataler Diagnostik ist aber vor allem, dass man Krankheiten frühzeitig erkennt, damit Heilung und Therapie u.U. schon im Mutterbauch oder spätestens mit der Geburt einsetzen können. Trisomie 21 ist aber nicht heilbar. Und da muss die Frage gestellt werden, ob es dann nicht eher um Selektion geht, um ein Aussortieren von behinderten Kindern.

Abtreibung – Wann und warum?

Abtreibung aus medizinischer Indikation – da ging es auch ursprünglich vor allem darum, das Leben der Mutter zu schützen oder Eltern und Kind großes Leid zu ersparen bei einer schweren Krankheit, bei der das Kind höchstens wenige Tage überleben würde.

All das ist bei Trisomie 21 nicht der Fall – viele Menschen leben relativ gut mit dieser Behinderung, die meisten sind glücklich. Ich bin keine grundsätzliche Abtreibungsgegnerin, aber das scheint mir auch wiederum eine Form von Selektion zu sein. Und zunehmend wohl die logische Konsequenz nach einem positivem Testergebnis.

Langfristige Folgen

Eigentlich müsste es immer mehr Menschen mit Trisomie 21 geben – das Risiko steigt mit zunehmendem Alter der Schwangeren und Schwangere sind in unserem Land ja bekanntlich immer älter. Aber schon jetzt werden etwa 90 % der Kinder mit Trisomie 21 abgetrieben. Wenn neue Tests, wie der Praenatest, hinzukommen, kann man sich ausrechnen, wie viele Menschen mit Trisomie 21 es noch geben wird, wenn unsere Generation alt ist.

Etabliert sich so ein Test – und das würde er bei Kostenübernahme durch die Krankenkassen mit Sicherheit – kann man davon ausgehen, dass er zur Routineuntersuchung wird. Frauen, die ihn nicht durchführen, würden dann schnell als verantwortungslos gelten. Von da aus ist es nur noch ein Schritt dahin, dass man als Frau mit einem positven Testergebnis unter Druck gesetzt wird, dieses Kind dann auch abzutreiben. So steigt der Rechtfertigungsdruck für Eltern, die sich für ein behindertes Kind entscheiden. Nach dem Motto: „Sowas ist doch heutzutage nicht mehr nötig“.

Das ist – ich weiß – alles relativ spekulativ. Doch den Druck, ein behindertes Kind abzutreiben, empfinden manche Frauen tatsächlich auch schon heute: Monika Hey, eine Frau, die selbst ein behindertes Kind abgetrieben hat, sagt in einem FAZ-Interview „Aus dem Zwang, ein ungewolltes Kind auszutragen, ist der Zwang geworden, sich den Methoden der Pränataldiagnostik auszusetzen und sich gegen diese Kinder zu entscheiden“.

Es scheint mir, dass wir das Recht auf Leben zunehmend an den Gesundheitszustand eines Menschen knüpfen. Es gibt eine Tendenz, Leben abzuwerten und gegebenenfalls sogar als „menschenunwürdig“/„lebensunwert“ anzusehen, sobald es krank oder schwach ist.

In meinen Augen ist das nicht vereinbar mit einer christlichen Grundhaltung, die Menschenwürde jedem Menschen unabhängig von seinem Gesundheitszustand, Geschlecht und Alter zuspricht.

Fazit

Ich möchte niemanden verurteilen, der einfach einen sicheren Test durchführt, weil er wissen möchte, ob sein Kind gesund ist oder nicht. Das eigentliche Problem ist wohl weniger der Test an sich, als wie wir mit dem Ergebnis umgehen. Ich möchte auch nicht den moralischen Zeigefinger schwingen vor Menschen, die sich nicht zutrauen, ein behindertes Kind großzuziehen und sich deshalb für eine Abtreibung entscheiden. Wer weiß, wie meine eigene Entscheidung in einer solchen Situation aussähe.

Aber ich denke, wir als Einzelpersonen, wir als Kirche und wir als Gesellschaft müssen bei diesem Thema hochsensibel bleiben. Eine Selektion behinderter Menschen können wir nicht hinnehmen, ebenso wenig wie eine Stigmatisierung von Eltern, die so „unvernünftig“ sind, ein behindertes Kind zu bekommen. Es muss immer klar sein: Ich darf Untersuchungen NICHT durchführen lassen. Und auf ein positives Ergebnis eines Tests gibt es ganz unterschiedliche Antwortmöglichkeiten.“Annahme des Schicksals“ und „das beste draus machen“ ist so eine. Unpopulär geworden, ich weiß. Vielleicht trotzdem nicht die schlechteste.

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.