Über die politische Verantwortung der Kirche
Külliye Moschee – Foto: La-Liana / pixelio.de

Welche Stellung hat die Kirche heutzutage in der Gesellschaft? Darf sie zu bestimmten Themen Stellung beziehen oder sollte sie besser vor sich hindümpeln? Inwiefern kann sie überhaupt in politische Strukturen eingreifen?

Einer unserer letzten Artikel brachte mich zum Nachdenken. Dort ging es um den bevorstehenden Bau einer Moschee in Leipzig, der von einigen Menschen mit Blockaden verhindert werden sollte. In Leipzig meldete sich die Kirche, genauer Pfarrerin Britta Tadiken und Pfarrer Christian Wolff, zu Wort und nahm eine durchaus politische Stellung ein – sie unterstützen den Bau der Moschee, obwohl es sich nicht um die von ihnen vertretene Glaubensrichtung handelt. Die Autorin des Artikels stellt sich die Frage, ob es nicht viel eher Aufgabe der Stadt sein sollte, sich darum zu kümmern – warum sollte sich die Kirche dann da einmischen?

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Külliye Moschee – Foto: La-Liana / pixelio.de

Ich sage: Wenn sich die Stadt nicht darum kümmern kann und/oder will, dann muss die Kirche eingreifen! Die Kirche hat nämlich eine große politische Verantwortung inne, die sie auch nutzen muss. Immer mehr Menschen beklagen – vermutlich auch zu Recht – dass sie in der Politik eh nichts mitbestimmen können; meiner Meinung nach kann die Kirche hier das richtige Organ sein, um sich niedrigschwellig politisch zu engagieren. Die Kirche muss ein Profil haben, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Gerade in solchen Augenblicken, wenn andere Gruppen an ihrer persönlichen Religionsausübung gehindert werden – auch wenn es nicht die eigene ist – kann man gut ansetzen und das kirchliche Profil unter Beweis stellen. Darüber hinaus ist eine große Toleranz zu anderen Religionen begrüßenswert, gerade in Städten, wo häufig Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen. Ich finde es also toll, wie sich die Kirche in Leipzig einsetzt.

Marienkirche Berlin – Foto: Heye Jensen

Marienkirche Berlin – Foto: Heye Jensen

Ich möchte meine These noch mit weiteren, entfernteren Beispielen unterstützen: Schaut mal nach Berlin in die Gethsemane-Kirche, sie war ein Sammelpunkt für die oppositionelle DDR-Friedensbewegung. Außerdem hat Max zur Überwachungsaffäre auch ein paar Gedanken aufgeschrieben – auch hier hat die Kirche eine politische Verantwortung, wenn es um das Seelsorgegeheimnis geht.

Wenn andere tatenlos zusehen, ist es genau der richtige Zeitpunkt zu handeln.

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