Moment mal: Reformen in der Katholischen Kirche?

Mein Freund Tom erklärt mir enthusiastisch, Papst Franziskus würde alles verändern. Er habe ja gleich gesagt, dass dieser Papst eine große Wende bringen wird.

Ich frage Tom, wie er darauf kommt.Ob ich noch nichts von „Evangelia gaudium“ gehört hätte? Dem „spektakulären Reformprogramm“, wie evangelisch.de schreibt?

Was für „spektakuläre Reformen“ kann man denn von der katholischen Kirche erwarten? Sollen plötzlich Frauen ordiniert werden?, frage ich. Nein, dagegen hätte er sich tatsächlich ausgesprochen, aber er ist für eine Reform des Papstamtes selbst. In seinem Schreiben würde deutlich, dass der Papst tatsächlich auch nur ein Mensch ist. Findet Tom. Auch Laien sollten mehr Gehör bekommen und das Bischofsamt etwas dezentralisiert werden.

Und wie ist das mit wiederverheiratet Geschiedenen, da gibt es doch bestimmt Reformbedarf?

Tom zögert kurz. Sie sollten wohl eventuell zur Eucharistie wieder zugelassen werden. Denn das Sakrament sei „nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen“. Aber so konkret hätte das keiner gesagt. Man müsse schon ein bisschen Interpretieren.

Außerdem, berichtet Tom weiter, soll die Kirche sich mehr der Armen annehmen. Papst Franziskus schreibt dazu:

„Mir ist eine ,verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“

Diese Mahnung war zu erwarten. Sie ist förmlich im Namen des Papstes programmiert.

Ich nicke bedächtig. Toms Begeisterung kann ich (noch?) nicht teilen. Die Reformvorschläge klingen gut, der Papst scheint frischen Wind auf den heiligen Stuhl zu bringen. Ich bleibe dennoch skeptisch.

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