„Luther 2017“ – Ein Grund zum Feiern! Auch für Katholiken?

Mitten in der Lutherdekade wirft das von vielen Protestanten sehnsüchtig erwartete Reformationsjubiläum bereits längst seinen Schatten voraus. Dieses Jahr steht unter dem Motto der „Toleranz“. So bietet es sich unter diesem Gesichtspunkt einmal an, den Blick auf die Ökumene zu richten und zu überlegen, was das Reformationsjubiläum 2017 für Christen anderer Konfessionen, vornehmlich Katholiken, bedeutet bzw. bedeuten kann.

Zunächst einmal sollte man sich vergegenwärtigen, dass der Thesenanschlag Luthers im Jahr 1517 schlussendlich zur Spaltung der bisher „einen, heiligen, katholischen“ Kirche geführt hat. So bleibt es nicht verwunderlich, dass Vertreter der Katholischen Kirche den Anfragen und Einladungen der evangelischen Kirchen zur gemeinsamen Feier des Reformationsjubiläums bisher eher reserviert, zum Teil sogar abweisend gegenüber eingestellt waren.

Was 2017 gefeiert wird ist das 500-jährige Jubiläum des Thesenanschlags eines kleinen Mönches an die Klosterkirche zu Wittenberg, der die Welt grundlegend verändern sollte. Genau hier tun sich aus ökumenischer Perspektive mehrere Probleme auf.

Man sollte sich zunächst vor Augen führen, dass in der katholischen Kirche die Verehrung der Heiligen und Märtyrer einen hohen Stellenwert besitzt und in der Lehre fest verankert ist. Kirchen werden nach Heiligen benannt, deren Festtage begangen, oft in Verbindung mit den Pfarrfesten.

Menschen, die vom Lehramt heiliggesprochen werden, haben ihren Glauben beispielhaft gelebt und werden deshalb von den katholischen Christen als besondere Vorbilder verehrt.
Leider liest man oft, dass die evangelischen Kirchen die Heiligen abgeschafft hätten. Dies ist jedoch nicht der Fall, man braucht nur in Art. 21 des Augsburger Bekenntnisses zu schauen, um eines besseren belehrt zu werden:

„Über die Verehrung der Heiligen wird von den Unsern gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit unser Glaube dadurch gestärkt wird, dass wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren […] ist. […] Aus der Heiligen Schrift lässt sich aber nicht  beweisen, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll.“

Die EKD hat dem Jubiläum die große Überschrift „Luther 2017“ gegeben und ein Porträt Luthers als Logo hinzugefügt. Dies kann katholische Christen schnell an ihre Heiligen denken lassen, die in ihren Kirchen oft und in vielerlei Gestalt bildlich dargestellt werden. Leider war Luther aber, bei allen Verdiensten, die er für Theologie, Bildung und Kultur erworben hat, alles andere als ein Heiliger.

Gut, die „Heiligen“ der Katholischen Kirche waren auch nicht immer perfekt (und zum Teil noch nicht mal reale Personen!), aber gerade die evangelische Kirche, die sachlicher und aufgeklärter erscheint sollte aufpassen, dem beim Reformationsjubiläum im Hinblick auf die Person Luthers Rechnung zu tragen.

Die Überschrift „Luther 2017“ kann leider leicht falsch verstanden und von Katholiken sogar als Provokation aufgefasst werden. Gefeiert werden sollte schwerpunktmäßig wirklich die Reformation und nicht die Person Luther, um den Ansprüchen der Ökumene gerecht zu werden.

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