Kirche für Moschee

In Leipzig wird der Bau einer Moschee geplant. Nicht wenige Leipziger erregen sich, als stünde die nächste Völkerschlacht vor der Tür. Und die Kirche bekennt Farbe.

Angst vor der Moschee

Im Leipziger Norden soll eine Moschee gebaut werden. Eine richtige Moschee, mit Minarett und Kuppel – die erste Moschee in Sachsen überhaupt, die auch nach einer aussieht. Diese Nachricht sorgt in Leipzig schon seit Wochen für Diskussionen – eine Bürgerinitiative gegen den Moscheebau ist entstanden und Anfang November veranstalteten NPD und Bürgerinitiative gemeinsam eine Demonstration. Die Angst ist groß – Angst vor dem Fremden, gar vor Überfremdung. Und das in einer Großstadt, in der der Ausländeranteil im deutschen Vergleich extrem gering ist. Die Angst wird nicht selten mit Sachargumenten bedeckt. Anwohner fürchten Emission, Parkplatzmangel und Lärm, berichtet zeit.de.

Pfarrer beziehen Stellung

Einige Kirchen in Leipzig haben Stellung bezogen; sie unterstützen den Bau der Moschee. Als erstes meldeten sich die beiden allzeit politischen Pfarrer der Thomaskirche, Britta Tadiken und Christian Wolff, in einem offenen Brief zu Wort, in dem sie schreiben, dass der Bau einer Moschee ein völlig normaler Vorgang ist in einem Land, in dem Religionsfreiheit gewährleistet ist. Das dies für einige muslimische Länder nicht gilt und Christen diskriminiert und verfolgt werden, dürfe nicht dazu führen, dass wir die Religionsfreiheit in unserem Land einschränken und anfangen genau das zu tun, was wir dort kritisieren. In einem Brief an die Gemeinden rief auch Leipzigs Superintendent Henker zum Gegenprotest gegen die Demonstration der NPD auf. Am Tag der Demonstration gab es Mahnwachen und Friedensgebete in den beiden Kirchen des Stadtteils, in dem die Moschee gebaut werden soll. Ein Bürgergesprächsabend zum Bau der Moschee fand ebenfalls in einer der Kirchen statt.

Kirche pro Moschee?

Ich freue mich über diese klare Positionierung der Kirche. Doch es gibt auch Zweifel daran, ob nun ausgerechnet die Kirche sich einsetzen soll für den Bau eines Gotteshauses einer fremden Religionsgemeinschaft und ob Kirche so politisch sein sollte. Religionsfreiheit, das ist ein Wert unseres Grundgesetzes, kein per se christlicher Wert. Ist es nicht viel mehr Aufgabe der Stadt als Aufgabe der Kirche, für den Bau der Moschee zu werben und dafür zu sorgen, dass der Gemeinde dabei keine Steine in den Weg gelegt werden?

Ich denke: Sicher, der Staat, die Stadt können und müssen Rahmenbedingungen schaffen für ein friedliches Miteinander, für Religions- und Meinungsfreiheit. Aber damit dieses auch funktioniert, muss sich im Bewusstsein der Bevölkerung etwas ändern. Ängste müssen abgebaut werden. Wir brauchen echte, innere Toleranz. Wir brauchen Sensibilität, auch historischer Art: Ist nicht vieles, was jetzt über den Islam gesagt wird, was an ihm gefürchtet wird, in Deutschland nicht schon einmal in Bezug auf eine andere Religionsgemeinschaft gedacht und gesagt worden?

Das alles kann die Politik nicht allein leisten. Auch Kirche kann das mit Sicherheit nicht, nicht von heute auf morgen und im mehrheitlich konfessionslosen Sachsen erst recht nicht. Aber sie kann ihren Teil dazu beitragen und damit auch zeigen, dass sie weiterhin eine Kraft ist, sein will, die in der Gesellschaft Einfluss hat. Kirche muss auch immer wieder zeigen, dass Religion nicht nur Differenzen schafft, sondern diese auch abbauen und Frieden stiften kann. Und wenn nur einer der Moscheegegner durch die Position der Kirche ins Nachdenken gerät, dann ist das schon ein Erfolg.

Siehe auch:

http://www.mdr.de/sachsen/moschee-leipzig112_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html

http://www.lvz-online.de/leipzig/citynews/anonymer-moschee-protest-in-leipzig-initiatoren-fuerchten/r-citynews-a-212142.html

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6 Kommentare anzeigen

  1. Wolfgang Hennig

    Das Drama aller Zeiten hat eigentlich nur ein einziges Thema gehabt: die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu leben.
    Gerhard Bronner

  2. Wenn sich der Staat nicht darum kümmert, dann MUSS es die Kirche tun. Ich finde es sehr gut, dass auch die christliche Kirche sich um Religionsfreiheit kümmern möchte, wenn es von der Stadt aus offenbar Probleme gibt.

  3. Ich habe da mal ein wenig zu kritteln.

    Erstens: Warum sollte sich Religionsfreiheit nicht auch christlich begründen lassen? Wie wäre es mit dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen? Ich habe da erst ein sehr gutes Buch drüber gelesen. (Ich glaube, eine Rezension erscheint hier bald ;))

    Zweitens: Ich finde die Überschrift ein bisschen viel des Guten. Sie suggeriert ja einen Ersatz der Kirche durch die Moschee, neben anderen Bedeutungen, das ist schon klar. Trotzdem. Wie aus einer kleinen, unabsichtlichen Meldung ein Riesentheater werden kann, steht hier: http://nudw.de/2013/11/st-martin-angeblich-umbenannt/

    Gruß
    Philipp

  4. Wo einer Religion die Freiheit in Frage gestellt wird, kann das auch mit einer anderen Religion geschehen. Schon von daher hat die Kirche ein großes eigenes Interesse, hier Wort zu ergreifen.
    Dann ist die Religionsfreiheit hierzulande und überhaupt nicht zum geringen Teil auf einen gewissen Martin Luther und sein „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ und alles, was danach kam, zurückzuführen. Aus dem Grund hat die evangelische Kirche (zumal in Sachsen) hier auch eine Tradition.
    Zuletzt und am Wichtigsten ist die Nächstenliebe eine Konsequenz des Evangeliums, insofern kann die Kirche auch nicht anders, als hier Partei zu ergreifen, denn sie gehört mit anderen zu den zivilen Kräften im Land. Nicht der Staat oder die Stadt hat etwas zu tun, das sind nur Verwaltungen, die für Ordnung sorgen sollen. Was inhaltlich in Ordnung ist, muß die Gesellschaft ausbaldovern, und hier hat die Kirche ein Verantwortung, gemäß ihrer Botschaft zu sprechen und zu handeln.

  5. caner

    @benny

    Dann lies doch mal was Luther über den Islam schrieb du kannst auch mal Jesus(oder Buddha)mit Mohammed vergleichen.
    Stichworte:
    Sklaverei
    Kinders..
    Sodomie
    Raubzüge
    Angriffskriege
    Meuchelmord
    Massenmord an Gefangenen
    Aufruf zur Vertreibung aller Andersgläubigen
    Schutzgeld(oder Tod)

  6. Tobias

    Ist orthodoxer Islam etwas, was mit dem Begriff „Religion“ zutreffend beschrieben werden kann?

    In Deutschland ist, abgesehen von den Aleviten und ihren Verbänden, fast überall orthodoxer Islam vorherrschend, nicht nur in den verschiedensten Verbänden und Moschee-Gemeinden, auch der Diskurs über den Islam bis in die Unis hinein ist von den Vorstellungen des orthodoxen Islams geprägt, auch wenn unser Establishment händeringend versucht einen „Reform-Islam“, was immer das auch sein mag, herbeizureden.

    Unter orthodoxem Islam verstehe ich das bestehende Sunnitentum der vier Rechtsschulen und drei Aqa’id sowie vergleichbare, auf klassischer Schari’a aufbauende Systeme, etwa die Zaidiyya oder auch weite Teile der Imamiyya.

    Dieser orthodoxe Islam hat einen klaren Herrschaftsanspruch auch in weltlichen Dingen und zwar dadurch, dass er dem Modell folgt, das Mohammed vorgegeben hat, der nicht nur Religionsgründer, sonder auch Staatsgründer, Staatsmann, Gesetzgeber in Straf-, Zivil- und Staatsrecht war. Darüberhinaus hat Mohammed eine Vielzahl von Eroberungskriegen geführt um seinen Herrschaftsbereich auszudehnen.

    Dieses Modell, Islam als allumfassende Regelungsmacht, die alle Bereich des Lebens durchdringt, ist bis heute zumindest das normative Modell des orthodoxen Islam, auch wenn dieser Anspruch oft nicht erfüllt werden kann.

    In etlichen Staaten, etwa in Saudi-Arabien, den Golfstaaten, im Iran, In Pakistan und anderen ist dieser Anspruch aber ganz oder zumindest in erheblichen Teilen umgesetzt.

    Dies ist auch keineswegs „Islamismus“, der mit dem Islam nichts zu tun hat, sondern einfach die Umsetzung des klassischen Normensystems. Darüberhinaus ist dieses Modell seit den 1970er Jahren so gut wie überall in der islamischen Welt im Vormarsch.

    Deshalb ist orthodoxer Islam mehr als nur „Religion“, er ist eine Weltanschauung mit einem umfassenden weltweiten Herrschaftsanspruch. Ziel ist dabei die gesamte Welt unter die Herrschaft der Schari’a zu bringen.

    Diese Weltanschauung, die eben mehr ist als nur „Religion“, sondern ein inhumane Herrschaftsideologie, die sich die Welt untertan machen will, einfach zu tolerieren oder gar zu fordern, wil es bei uns ja „Religionsfreiheit“ gibt, ist entweder völlig naiv und wirklichkeitsblind oder schlimmer, man versucht den Islam ab Rammbock gegen das bestehende System (das Schweinesystem der 68er) zu instrumentalisieren.

    Wie ernsthafte Christen, die nicht völlig naiv sind, derlei fördern und unterstützen können, ist mir völlig schleierhaft.

    Wie es Christen unter der Herrschaft des System Islam geht, kann man sehr gut an den Beispielen wie Pakistan, Irak, Syrien, Nordnigeria und vielen andren islamischen Ländern sehen. Für weitere Informationen ist z.B. Open Doors sehr hilfreich

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