Lesenswert #5

Auf Lesenswert sammelt Max Melzer regelmäßig lesenswerte Texte zu theologischen, kirchlichen oder universitären Themen. Wenn ihr irgendwo einen guten Artikel gelesen habt, schickt den Link an lesenswert@theologiestudierende.de!

Es gibt wenig gute Pfarrerwitze

Der Cartoonist und Pfarrer von kirchengeschichten schreibt Pfarrerwitze und kommt auch auf die allgemeine Darstellungen von Pfarrern und Pfarrerinnen im deutschen Fernsehen zu sprechen:

„Aber nun zurück zu den Witzen: Es gibt wenige gute. Die, die einigermaßen wirklichkeitsnah sind (und das ist ja nun doch Kennzeichen guter Satire), sind meist nur Insidern verständlich.“

Sehr gut beobachtet. Auch sehr unterhaltsam dazu ist sein Realitätscheck zu Fernsehpfarrern. Am Ende verrät er auch seinen persönlichen Lieblingswitz.

Spannende Unterhaltung mit Buchwerbung

Scharfsinnig seziert Gerd Häfner auf Lectio Brevior die rhetorischen Maschen hinter (theologischen) Klappentexten:

„Das Adjektiv hat eine starke soziale Ader, denn häufig tritt es gemeinsam mit anderen Vertretern seiner Art auf. Dies kann in bloßen Reihungen geschehen. Gut verträgt sich unser Wort z.B. mit magisch, bewegend, amüsant, überraschend, wunderbar, anrührend […]. Es mag aber auch die »ebenso … wie«-Konstruktion: ebenso unterhaltsam wie spannend, ebenso spannend wie aufschlussreich, oder, mit ganz besonders feiner Nuancierung, ebenso dramatisch wie spannend.“

Die Verlage (auch die „renomierten“) geben sich nicht besonders viel Mühe bei ihren Werbetexten. So entstehen dann Stilblüten wie „Der brandneue Kommentar zum spannendsten Evangelium des Neuen Testaments“.

Der Gottesdienst ist keine Talkshow

Der Leipziger Liturgieforscher Christian Lehnert im Interview mit Martin Rothe auf evangelisch.de über Kirche und Gottesdienst:

„Wir sollten uns nur vor der Versuchung […] hüten, Gotteserfahrungen selbst fabrizieren zu wollen. Sie spiegelt sich in der häufigen Forderung, Gottesdienste müssten Erlebnisqualität haben, müssten umwerfend gut inszeniert sein. Nein! Ich glaube, die Wahrheit des Christentums wird heute in den kleinen, ganz normalen, traditionellen Gottesdiensten gelebt und verantwortet.“

Interessant finde ich Lehnerts Ansicht, Liturgie brauche eine „heilsame Unverständlichkeit und Unverfügbarkeit“. Liturgie ist keine Show, sondern ein mystisches Geschehen, das weniger intellektuell anspricht als intuitv.

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Ein Kommentar

  1. Wolfgang Hennig

    Hallo Herr Melzer,
    ich bin jetzt 62 J. alt, aber mystisches Geschehen habe ich weder
    im Gottesdienst erlebt, noch gewußt, bis jetzt, daß es das sein soll.
    Interressant. Und was genau soll es bewirken? Welche Art Intuition
    soll „ausgelöst“ werden? Ich bin gespannt…:-)

    Mit freundlichem Gruß
    Wolfgang Hennig

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