Moment mal: Volltheologen

Das Verhältnis in der Theologie zwischen denen, die auf Lehramt studieren und denen, die ein Diplom oder Kirchliches Examen anstreben ist nicht immer einfach. Man erwischt sich dabei, „die Anderen“ nicht ganz ernst zu nehmen. Ein typisches Symptom: Die fragwürdige Fremdbezeichnung „Volltheologen“.

So werden immer häufiger Leute genannt, die Theologie nicht auf Lehramt studieren. Die Fachschaft der Uni München definiert „Volltheologe“ in ihrem Begriffslexikon so:

„so werden die Theologiestudenten bezeichnet, die Theologie ohne Nebenfächer auf Pfarramt oder Magister studieren. (Im Gegensatz zu den Lehramts- oder Magisterstudenten, die noch weitere Fächer studieren und somit weniger Veranstaltungen als die Pfarramtsstudenten besuchen.)“

Ich hoffe doch, dass der Grad eines Theologen nicht an der Anzahl der besuchten Lehrveranstaltungen festzumachen ist. Da kenne ich einige, die sonst eher als Viertel- oder Fünfteltheologen einzustufen wären…

Halb-Theologen?

volltheologeNehmen wir mal an, „Volltheologe“ wäre eine sinnvolle Bezeichnung. Wie nennen wir dann die „Lehramts- oder Magisterstudenten“? Sind das dann Halb-TheologenLeer-Theologen? Selbst die „offizielle“ Bezeichnung Nicht-Volltheologen kann ich nicht-voll ernst nehmen.

Können wir uns einfach darauf einigen, dieses Wort nicht mehr zu verwenden? Es trifft nicht zu und ist herablassend. Es gibt keine halben Theologen. Volle Theologen kenne ich zwar, aber nur aus so mancher Kneipentour. Und die waren zu gleichen Teilen Lehramt, Diplom und Examen…

8 Kommentare anzeigen

  1. hm…
    und wie ist das dann bei den theologinnen und theologen, die eine halbe stelle nur haben, oder eine 75%ige stelle?

    • Das ist eine wichtige Frage. Solche Leute sind dann halb angestellte Theologen. Die Anzahl der Wochenstunden sagt doch nichts aus über den Grad oder die Qualität der theologischen Ausbildung (Eine Einstufung, die „Volltheologe“ impliziert)!

  2. Ja sehr gut! „Volltheologe“ sollte nicht mehr als bildungstechnischer Begriff benutzt werden!
    „Laien-Theologin“ oder „-theologe“ hinkt übrigens genauso – egal ob diesem „Kleriker“ oder „Profi“ gegenübergesetzt oder gar vorgesetzt wird.
    Ich schlage vor, den vollen Theologen jeweils die nüchternen an die Seite zu stellen.

  3. Manuel

    So ein Käse, etabliert hat sich diese Bezeichnung gemeinsam mit der Bezeichnung des „Volljuristen“, deshalb ist es völlig legitim diesen Begriff weiterzuführen. Irrelevant ist es daher von „Halb-Theologen“ zu reden (die genau genommen Theologen z.B. nach der Zwischenprüfung wären). Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Voll-Theologie meint ein Studium, das einzig und allein auf das Fach Theologie beschränkt ist. Ich finde der Artikel geht am Thema vorbei und erfasst die Grundbegriffe nicht richtig!

    • Paul

      Danke! – Ich habe keine Lehrämtler bei den staatlichen Prüfungen für die DREI toten Sprachen gesehen. Und auch Bibelkunde und die Zwischenprüfung seien noch zu erwähnen. Das volle Theologiestudium ist um längen umfangreicher und schwerer, als „Reli“ auf L „X“. Auch das Examen (gerade der Kirche), bei der es KEINE Themeneinschränkungen gibt, sei herzlichst zur Berücksichtigung nahegelegt.

  4. Christoph

    Beschäftigen sich Studierende der ev. Religionslehre mit Theologie? Ja! Wenn ich Theologie studiere, sei es mit dem Ziel Pfarrexamen, sei es mit dem Ziel Lehramt, so bin ich in beiden Fällen Volltheologe! Ich sehe durchaus die Unterschiede in beiden Studiengängen, finde die Bezeichnung aber nicht unproblematisch. „Volltheologe“ impliziert für mich irgendwie, dass ich es mir mit der Theologie ernster ist, als mit einem „Halben-Lehramtstheologen“ und das würde ich so nicht unterschreiben. Vielleicht ist die ausführliche Bschreibung am besten: Ich studiere Theologie mit dem Ziel Lehramt / mit dem Ziel Pfarrexamen.

  5. Christopher

    Vielleicht sollte man nur jene als Volltheologen bezeichnen, die man als Theologen für voll nehmen darf?! Da würde der Abschluss bestenfalls eine statistisch noch zu erfassende Tendenz für das Zutreffen dieser Bezeichnung ausdrücken.
    Aber mal im Ernst: „Volltheologe“ ist ein wunderbar knackig kurzer Begriff im Gegensatz zu „Student mit einer allein auf die theologischen Fächer bezogenen Abschlussprüfung“. Ich hätte das nie als Ehrentitel aufgefasst. Falls jemand dieses aber doch tun sollte und sich selbst außer Stande sehen sollte, seine Einstellung zu diesem Begriff zu ändern und sich selbst dadurch in irgendeiner Weise herabgesetzt fühlt, bin ich gern bereit, ihm gegenüber auf diese Vokabel zu verzichten.

    • J

      Ich finde, ‚Volltheologe‘ oder ‚Vollphilologe‘ klingt wie ‚Vollidiot‘.
      Das sage ich, der evangelische Theologie aufs Examen hin studiert. Meiner Erfahrung nach benutzt das in Berlin niemand als Selbstbezeichnung, nur in Abgrenzung. („Nein, ich bin doch kein Volltheologe …“)
      [Chris, warum haben wir uns noch nie über den Begriff unterhalten? Wäre sicher bereichernd für mich gewesen …]

      Selbst, wenn ich ihn benutzte, müsste ich die Erklärung, dass das Theologiestudium aufs Examen eigentlich ‚mehrere Fächer plus tote Sprachen über mindestens 5 Jahre‘ bedeutet, nachschieben. Der Begriff leistet also die Verkürzung, die Manuel und Paul darin finden, in meinem Bekanntenkreis nicht.

      Für alternative Vorschläge bin ich offen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.