Moment mal: Wenn die Fantasie mal wieder mit uns durchgeht

Ich sitze mit einer Freundin in der Fakultät. Eigentlich haben wir uns hier verabredet, um jeweils an unseren Hausarbeiten weiterzukommen, aber wie das dann oft so ist, landet man früher oder später doch wieder auf Facebook. Dort chatten wir dann auch gerne mal miteinander, obwohl wir direkt nebeneinander sitzen. Eine dieser Konversationen möchte ich an dieser Stelle mal widergeben.

Vorher muss erläuternd gesagt werden, dass Hannah mir im Foyer erzählte, sie denke, sie sei ein alter rostiger Roboter: Nachdem sie ein Fiepen in ihrem Ohr hatte, dehnte sie ihren Hals, was dazu führte, dass es im Genick knackte, das Fiepen aber auch wieder weg war.

Nun also zum Chat:

[…]

Hannah: damals, als die Welt noch in Ordnung war und im Herbst die Blätter bunter und nicht so braun waren.

Ich: Fahr mal mit der Linie 5 in Richtung Leutershausen. Die Weinberge in Schriesheim sind unheimlich schön in sattem gelb.

Hannah: Früher waren die noch gelber.

Hannah: Damals, als der Kaiser noch lebte.

Hannah: In der guten alten Zeit.

Ich: Du spinnst ja,

Ich: die Bilder sind einfach vergilbt. :)

Hannah: Die Bilder sind schwarz weiß.

Hannah: Nur meine Erinnerung…

Ich: Oh. du hast also zu Zeiten des Kaisers gelebt?

Hannah: Sag ich doch – alter verrosteter Roboter.

Ich: Aus welcher Welt kommst du, denn dann musst du ja zusätzlich noch außerirdisch sein. Zu Zeiten des Kaisers gab es doch die Technologie für KI noch gar nicht. Selbst eine Uhrwerkmechanik hätte das nicht hin bekommen, außerdem müsste dich dann ja jetzt auch immer jmd aufziehen. ;)

Hannah: Das waren die geheimen Geheimprogramme des Kaiserreichs.

Hannah: Die waren ihrer Zeit weit voraus.

Hannah: Ich bin ein Prototyp.

Hannah: Leider ist der Erfinder bei einem Hausbrand verstorben und alle Dokumente über die Technik mit ihm.

Ich: Ich wollte grad fragen: entweder müsste es dann ja noch mehr von dir geben, oder du bist als missglücktes Experiment eingestuft worden. Aber dass der Erfinder mit den Plänen einem Feuer zum Opfer gefallen ist, klingt plausibel.

Hannah: Finde ich auch.

Hannah: Wahlweise könnte ich auch böse geworden sein und ihn umgebracht und die Dokumente zerstört haben.

Hannah: Aber der Hausbrand gefällt mir besser.

Ich: Ein Mord würde ja das missglückte Experiment unterstreichen; als eine Verzweiflungstat von dir, weil er dich wieder auseinander bauen wollte. Aber dann hättest du ja noch viel mehr töten müssen, die von dir wussten. Also ist der Brand wohl wirklich besser.

Hannah: Von mir wusste sonst nur noch der Kaiser,

Hannah: aber der… äh… war anderweitig beschäftigt,

Hannah: Blankoschecks für kriegerische Unterstützung und so.

Hannah: Wäre mein Erfinder nicht verbrannt, wären wir sicher die ersten auf dem Mond gewesen.

Hannah: Ich würde heute schon auf dem Mars spazieren gehen.

Ich: glaubst du ernsthaft? Ich denke, du kannst eher froh sein, dass der Kaiser dich nicht für seine kriegerischen Zwecke missbraucht hat.

Hannah: Er hat den Anschaltknopf nicht gefunden.

Ich: Du hast den doch verarscht. Anschaltknopf?!

Hannah: Meinst du ich hatte Lust in den Krieg zu ziehen?

Hannah: Da verstaub ich lieber auf dem Dachboden.

Ich: Verständlich. Außerdem bist du als KI ja auch ein eigenständig denkendes Wesen und er kann nicht einfach über dich bestimmen, wie es ihm recht ist. Da gibt es ja auch mehr als eine Star Trek Folge zu. ;)

Hannah: :-D Genau… aber ich mochte ihn schon den ollen Willi,

Ich: den ollen.

Ich: Ich habe Hunger. :(

[…]

Hannah: Mein Handy ist grad, glaub ich verreckt…

Ich: Das haben Handys manchmal so an sich. Vor allem wenn sie so alt sind, oder noch älter als so alte verrostete Roboter.

Hannah: Es lebt!

Hannah: Es hat einen eigenen Willen!

Hannah: Hilfe!

Ich: Hast du deine KI auf das Handy übertragen? Hol sie dir wieder!

Hannah: Mist,

Hannah: jetzt hat das Handy Macht über mich.

Hannah: So, ich geh jetzt essen.

Später beim Kaffee saßen wir grinsend zusammen, weil wir zu der Erkenntnis gekommen waren, dass unsere Hirne auf Hochtouren arbeiten. Auch wenn es den Anschein hat, dass es sich in eine uns unverständliche Richtung wendet, so haben wir doch beide im Anschluss noch konstruktiv arbeiten können – also, als wir dann vom Essen wieder zurück waren.

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