Lux lucet in tenebris – Eine kurze Geschichte der Waldenser
Das Wappen der Waldenser. Foto: Thea Sumalvico

Italien, ein katholisch durchtränktes Land. Doch man höre und staune – auch hier gibt es Protestanten. Und die sind viel älter als Luther.

Die Anfänge

Die Waldensertäler – Heimat der Waldenser und eine Reise wert. Foto: Thea Sumalvico

Die Waldensertäler – Heimat der Waldenser und eine Reise wert. Foto: Thea Sumalvico

Alles begann mit einem reichen Kaufmann namens Valdes, der im 12. Jahrhundert in Lyon lebte. Nach einem Bekehrungserlebnis entschied er sich für ein Leben in Armut. Er begann zu predigen und Teile des Neuen Testaments zu übersetzen. Viele Menschen, Frauen und Männer gleichermaßen, schlossen sich ihm an und begannen, ihren Besitz aufzugeben, umherzuziehen und zu predigen. Sie kritisierten Missstände in der Kirche, sahen sich aber selbstverständlich als ein Teil von ihr an.

Eine Bibelübersetzung, Predigt durch Laien und Frauen – all das war natürlich für den Papst nicht akzeptabel. Nach einigem Hin und Her wurde Valdes exkommuniziert, er und seine Anhänger mussten Lyon verlassen. Damit begann dann eine Jahrhunderte lange Geschichte der Verfolgung seiner Anhänger – Der Waldenser.

Trotzdem verbreiteten sich die Waldenser in Frankreich, Nordspanien, Süddeutschland und Oberitalien. Zeitweise konnten sie sogar in Norddeutschland und Polen Anhänger gewinnen.

Verfolgungen

Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Waldenser immer wieder durch die Inquisition verfolgt, gefoltert und ermordet. Ihr Wohl und Wehe hing außerdem stark von lokalen Machthabern ab, immer wieder mussten sie ins Exil gehen. Sie wurden im Laufe des Mittelalters zurückgedrängt und überlebten vor allem in engen, unzugänglichen Tälern in den italienischen Alpen in der Region Piemont. In diesen Tälern sind auch heute noch viele Waldenser zu Hause, es ist die einzige Region in Italien, in der sie einen entscheidenden Teil der Bevölkerung ausmachen.

Waldenserkirche in Torre Pellice. Foto: Thea Sumalvico

Waldenserkirche in Torre Pellice. Foto: Thea Sumalvico

Das Gemeindeleben fand in dieser Zeit vor allem im Untergrund statt. Wer heute die Waldensertäler besucht, kann zum Beispiel in eine Höhle kriechen, in der die Waldenser ihre Gottesdienste gefeiert haben. Was heute romantisch wirkt, war damals eine bittere Realität.

Anschluss an die Reformation

Als die Reformation sich ausbreitete, entschlossen sich die Waldenser Anfang des 16. Jahrhunderts, sich der Reformation calvinistischer Prägung anzuschließen. Ihre Strukturen änderten sich damit radikal – sie waren keine reine Bewegung innerhalb der katholischen Kirche mehr, sondern sie waren eine eigenständige Kirche geworden. Damit ging vieles zu Ende – zum Beispiel die gleichberechtigte Predigttätigkeit von Frauen; andererseits waren die Waldenser nun auch greifbarer und erhielten Aufmerksamkeit und Unterstützung durch evangelische Kirchen und Herrscher. Die Verfolgungen endeten aber natürlich keineswegs.

Waldenser in Deutschland

Im 17. Jahrhundert wurden erneut viele Waldenser vertrieben; sie flohen unter anderem nach Hessen und Württemberg. Dort gründeten sie eigene Gemeinden, die später Teil der Landeskirchen wurden und die es noch heute gibt. Überraschend: Bei ihrer Ansiedlung in Deutschland brachten die Waldenser die damals noch unbekannte Kartoffel mit in diese Gegenden Deutschlands.

Endlich geduldet!

1848 war es endlich soweit: Die Verfolgung der Waldenser endete mit einem Patent des Königs von Sardinien-Piemont, in dem ihnen die Bürgerrechte zugestanden wurden. Die Waldenser konnten endlich Kirchen bauen und ihre Religion öffentlich und ohne Angst ausleben.

Trotzdem gab es, auch aus wirtschaftlichen Gründen, am Anfang des 20. Jahrhunderts noch einmal eine Auswanderungswelle, diesmal nach Lateinamerika, wo es heute noch waldensische Gemeinden gibt.

Waldenser Heute

Das Wappen der Waldenser. Foto: Thea Sumalvico

Das Wappen der Waldenser. Foto: Thea Sumalvico

Die Waldenser leben heute vor allem in den Waldensertälern, aber auch in größeren Städten gibt es Waldensergemeinden und in Rom eine Fakultät der Waldenser. Durch ihre vielen caritativen Einrichtungen sind die Waldenser auch in der katholischen Bevölkerung Italiens bekannt und geschätzt.

Lux lucet in tenebris – Ein Licht leuchtet in der Finsternis – so lautet die Inschrift auf dem Wappen der Waldenser. Ein Zeichen dafür, dass sie Gottes Nähe auch in schwersten Zeiten als ein Licht gespürt haben. Doch auch sie sind eine kleine Kerze, die trotz aller Schatten und Winde nie aufgehört hat zu leuchten und weiter leuchtet.

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3 Kommentare anzeigen

  1. Christopher

    sehr cooler Bericht, gut zu lesen und vor allem Informativ. Danke

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