Das theologische Quartett zur Orientierungshilfe der EKD – Kommentar und Bericht
Foto|2013|hcb
Foto|2013|hcb
Foto|2013|hcb

Ein Kommentar zum Symposion der EKD: Ein Ratsvorsitzender plus ein Moderator plus vier Referierende ergeben drei Stunden Vorlesung?

Ihr habt die einschlägigen Berichte der kirchennahen und kirchenfernen Medien über das Symposion gelesen. Wenn nicht, tut es. Die unterscheiden sich nicht und sind alle im neutralen Bericht nicht verkehrt (wer es aus der Feder von Studierenden lesen will, sei auf den Kurzbericht im Anhang verwiesen). Nicht erwähnt werden zumeist evangelikale Zwischenrufe, die von der Moderation mehr oder weniger erfolgreich umschifft wurden, leckere Verköstigung sowie konservative Ergüsse über Qualität der Erotik und was wir dem Islam entgegensetzen müssten. Alles für Studis zwar pures Gold aber Instant-Spaß.

Die Handvoll von uns, die trotz fehlender Einladung kamen (Auf Nachfrage des SeTh an die Pressestelle EKD nach Plätzen wurde auf die Öffentlichkeit der Veranstaltung verwiesen, als die Einladung an Kirchenämter und Professores wohl schon raus waren!?), kam teilweise aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus und stellt fest: Kurzweilige, dreistündige Vorlesung mit einem kleinen Rundumblick über deutsche Theologieprofessores.

In der Fragerunde im Anschluss kamen nun noch Bischöfe weitere Professores und eine Pfarrerin zu Wort. Frau Prof. Gerbers Impulsreferat ist zuzustimmen. Sprache, Perspektive sowie handfeste Exegese waren Studi-gerecht.

Die von ihr zum Schluss gestellte Frage, warum eigentlich alle Kritiker in der Aufwertung von bestimmten Formen des Zusammenlebens eine Abwertung der (heterosexuellen) „Ehe“ sehen, bleibt unbeantwortet.

Ferner muss man mitleidig eingestehen, ein wissenschaftlicher Ruf kann nicht davor bewahren, im letzten Jahrtausend stehen geblieben zu sein: Für Herrn Härle mögen Genderdebatte, Normativität und interreligiöser Dialog irgendwie „neue Ufer“ sein.

Die Einrahmung der Veranstaltung durch den Ratsvorsitzenden Schneider kann man diplomatisch nennen, die An- und Abmoderation mutig Stellung beziehend. Zur leckeren Suppe im Anschluss gab es en passant für den Kindertisch tatsächlich doch noch zwei Kommentare. Der erste von Herrn Härle, der unsere Frage, ob man nicht das Ende von Diskriminierungen und den Erhalt des Eheideals erreiche, indem man den Ehebegriff erweitere, mit einem klaren Nein beantwortet. Das sei fatal. Ein auftretendes Problem sei das fehlende lebensspendende Moment. Ein Nullargument. Der zweite prägende Kommentar, der im Kopf bleibt, kam vom Ratsvorsitzenden. Wir sollten die Studienzeit genießen, wir wären nie wieder so frei.

Ratsvorsitzender Schneider hat in dieser Debatte tatsächlich viel Feuer auf sich gezogen und wahrnehmbar bedankt hat sich dafür bisher kaum jemand. Danke dafür! Denn die Orientierungshilfe, für die er sich verbürgt bleibt in seinem Vorstoß und Anliegen dringend notwendig. Wir warten gespannt auf die Schlüsse, die die theologische Kammer der EKD für die Orientierungshilfe aus diesem Symposion ziehen wird. Aber mehr eigentlich aus Freude am Diskurs. Das Thema selbst ist für Theologiestudierende von heute unspannend:

Theologie heißt Streiten über Gott. Und das ist bei diesem Symposion passiert. Wir sollten aber an einer Theologie von morgen arbeiten und uns über eine Kirche von morgen streiten. Nur so ist Orientieren letztlich auch sinnvoll. Theologie sollte gesellschaftliche Emanzipationsleistungen würdigen und nicht kritisch beäugen. Und dass in Zukunft alle standesamtlich verheirateten Menschen kirchlich getraut werden, die sich bekennend unter den Segen Gottes stellen möchten, ist für uns keine spannende Frage mehr sondern selbstverständlich. Die Streitfrage der Homosexualität in Ehe, Familie und Kirche ist für uns kalter Kaffee und eben ziemlich letztes Jahrtausend, aber danke für die „Einladung“. Die Suppe war lecker.

 

Bericht

Das theologische Podium, zu dem der Rat der EKD am Samstag, den 28.09.2013 eingeladen hat, hatte das Ziel, die Debatte um die Orientierungshilfe wissenschaftlich zu fundieren. Das Podium zum Thema „Ehe und Familie“ wurde mit Referierenden aus ST und NT besetzt und vom Leiter der theologischen Kammer der EKD moderiert.

Im 150 Personen starken Publikum war allerhand evangelische Prominenz und eigentlich nur wenig kirchliche Basis. Schnell wurde klar: Hier geht’s um was, hier soll wissenschaftlich gearbeitet, die anschließende Fragerunde aber bewusst knapp gehalten werden.

Ratsvorsitzender Schneider hat in der Begrüßung das Thema als „dran“ hervorgehoben und die als Reaktion auf die Orientierungshilfe stattfindende Debatte begrüßt, sie aber bis zu diesem Zeitpunkt als zum Teil diffamierend wahrgenommen.

Herr Prof. Markschies (KG Berlin) weist in seiner Anmoderation zunächst auf Fragen hin. U.a. auf die Frage, ob nicht vielleicht auch schon im Entscheidungsprozess zur Frauenordinierung hinter dem Zeitgeist der Heilige Geist steckte: „Ich frage ja nur.“

Herr Prof. Härle antwortet direkt mit „Ich frage eben nicht nur“ und eröffnet das erste Impulsreferat. Damit beginnt das Podium und es soll an dieser Stelle an die Impulsreferate direkt verwiesen werden, nachlesbar im Netz unter:

http://www.ekd.de/EKD-Texte/orientierungshilfe-familie/symposium.html

Zum Abschluss des Podiums bemerkt Markschies, die EKD müsse bis zum Reformationsjubiläum 2017 ganz dringend über evangelisches Schriftverständnis nachdenken. Das Symposion wurde aufgenommen und soll von der ad-hoc-Kommission, die auch Verfasserin der Orientierungshilfe ist, aufgearbeitet werden.

Schlagwörter: , ,

2 Kommentare anzeigen

  1. Schleiermacher

    Hauptsache mal wieder gut gegessen.

  2. Schleiermacher

    Der Wind hat sich gedreht, es ist zu spät
    Und warum?
    Nur für den Kick – für den Augenblick?
    Und warum?
    Nur ein Stück – von dem falschen Glück?
    Und warum?
    Nur für den Kick – für den Augenblick?

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.