Die Online-Wahl der EKKW – und das Problem dabei

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hatte im August auf ihrer Homepage bekanntgegeben, dass die erste Online-Wahl der Kirchenvorstände eröffnet wurde. Da konnte man also in der Landeskirche zur Wahl seine Stimme neben der klassischen Urnen- und Briefwahl auch über den heimischen Browser abgeben.

Mit diesem Angebot sollen laut Prälatin Marita Natt besonders jüngere Kirchenmitglieder für die Wahl gewonnen werden. Schließlich besteht das Wahlrecht in der EKKW schon für Jugendliche ab 14 Jahren. In dieser Altersgruppe sei das „Vernetzt-sein“ über das Internet selbstverständlich (Dieser Plan scheint aufzugehen, nach ersten Zahlen wurden online nach nur 24 Stunden fast 3000 Stimmen abgegeben).

Der Oberlandeskirchenrat der EKKW, Dr. Rainer Obrock, bemühte sich klarzustellen, dass die Verarbeitung der online abgegebenen Stimmen „modernsten Ansprüchen an Datensicherheit“ genüge. Das glaube ich ihm gerne. Dennoch sehe ich diese Online Wahl kritisch. Denn sie genügt den Anforderungen an eine demokratische Wahl schlicht und einfach nicht.

Gehen wir die Punkte mal durch:
BerechtigungGleichheitPrivatheitFälschungssicherheit und Überprüfbarkeit. Die ersten vier Punkte sind kein Problem – dank moderner Verschlüsselungstechnologien ist ein Online-Verfahren möglicherweise sogar sicherer und privater als der herkömmliche Gang zur Urne.

Hoffnungslos scheitern tut das Verfahren allerdings beim fünften Punkt: Überprüfbarkeit. Nachdem man seine Stimme per Mausklick abgegeben hat, gibt es keine Gewissheit, dass sie tatsächlich verarbeitet und gezählt wurde. Man muss den Betreibern der Server und den Programmierern der Software vertrauen – selbst nachprüfen kann man das nicht.

Ich bin nicht der Einzige, der diese Bedenken äußert.Theologiestudent Wolfgang Loest schrieb schon im Mai auf seinem Blog:

„Wie kann ein solches Verfahren transparent sein, wenn 1. die Software auf Security through Obscurity setzt und 2. kein normaler Wähler die Verfahren versteht, die hinter seiner Wahl stehen?“

Aus diesen Bedenken heraus hat auch das Bundesverfassungsgericht 2005 entschieden, dass sogenannte Wahlcomputer zur Bundestagswahl unzulässig sind.

Klar ist die EKKW damit „online ganz vorne“, und ich bin ja auch grundsätzlich für die stärkere digitale Vernetzung unserer Gesellschaft. Aber durch so etwas demokratische Grundsätze zu kompromittieren finde ich sehr unüberlegt. Und kommt mir nicht mit „es geht ja nur um Kirchenvorstände“!

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2 Kommentare anzeigen

  1. Anna-Maria Palzkill

    Lieber Max Melzer,

    mit großem Interesse haben wir Ihren Bericht über die Online-Wahl der EKKW gelesen. Dabei möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, dass die Stimmabgabe auch online überprüfbar ist. Sie müssen nicht uns allein vertrauen, dass die Online-Stimme auch tatsächlich so weiterverarbeitet und gezählt wird, wie sie abgegeben wurde. Es existieren bereits unabhängige Prüfsysteme, die die Urne erneut auszählen können. Außerdem forschen wir gemeinsam mit der TU Darmstadt an weiteren Verifikationsmöglichkeiten.

    Eine kurze Zusammenfassung zum Stand der Forschung können Sie hier lesen: https://www.polyas.de/blog/de/online-wahlen/forschung/verifizierbarkeit-der-online-stimmabgabe-cast-as-intended

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