Moment mal: Die Sonntagsfrage

Zeit ist ein Thema, das uns schwer beschäftigt im Team der Kolumne Moment mal. Meist hätten wir gerne mehr davon. Noch besser wäre es, würden wir unsere vorhandene Zeit besser nutzen. Und dennoch, manche Fragen schaffen es immer wieder uns unsere wertvolle Zeit zu rauben. Eine davon kehrt dabei immer wieder, ist diese Woche aber von besonderer Bedeutung: Die sogenannte Sonntagsfrage.Wer den Begriff Sonntagsfrage nicht kennt, könnte, gerade auf theologiestudierende.de jetzt davon ausgehen, dass es dabei um den Sonntagsgottesdienst – vielerorts immer noch Kern kirchlichen Lebens – geht, an den man sicherlich auch eine ganze Reihe Fragen richten könnte. Doch die Sonntagsfrage ist anderer, ist politischer Natur: „Was würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?“ fragen Woche für Woche etliche Meinungsforschungsinstitute unbescholtene Bürger am Telefon und erstellen daraus die spannendsten Prognosen – wobei „spannend“ hier mit einem leicht ironischen Unterton gelesen werden will. Für Zeitungen, Agenturen und Nachrichtensendungen ist es allerdings allemal eine Meldung wert, die dem Zuschauer/Hörer/Leser v.a. Zeit kostet. Doch alle vier Jahre wird es tatsächlich mal spannend – und nächsten Sonntag ist es wieder so weit: Dann wird nämlich aus dem Konjunktiv ein Indikativ, die Frage der Meinungsforscher erzeugt dann nicht mehr Prognosen sondern Hochrechnungen und irgendwann in der Nacht auf Montag lässt sich zeigen, ob die gefragten Wähler_innen auch wirklich repräsentativ waren – denn dann lassen sich die Hochrechnungen mit dem echten, amtlichen Wahlergebnis vergleichen.

Wer allerdings belastbare Gründe sucht, um seine Antwort auf die Sonntagsfrage dieses Mal untermauern zu können, der oder die hat ein Problem: Echte Argumente sind in diesem Wahlkampf so gut versteckt, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Es geht weniger darum, was sich ändern soll in Deutschland, sondern nur darum, wer darüber entscheidet: Bei der SPD das „WIR“ – wobei unklar bleibt, wer neben der Troika aus Steinmeyer, Steinbrück und Gabriel und den starken Damen Nahles und Kraft noch zu diesem WIR gehört… wir Wähler vielleicht? Die Union fordert eine „Kanzlerin für Deutschland“ – und will damit alle Macht in den rautenförmigen Fingern der Regierungschefin lassen. Die Grünen wollen lieber wissen, was das Gegenüber eigentlich will: „Und du?“ schallt einem fordernd vom Wahlplakat entgegen. Für die FDP geht es, ganz selbstbewusst „Nur mit uns.“ Einzig die Linke lässt in ihrem Motto den Hauch einer inhaltlichen Ausrichtung erkennen, irgendwas soll da „Sozial. gerecht. machbar.“ sein.

Was auf den Plakaten steht, lässt sich also weitgehend zusammenfassen mit dem, was „die PARTEI“ zu ihrem Wahlspruch ernannt hat: „Inhalte überwinden“. Aber zum Glück gibt es auch noch Parteiprogramme, öffentliche Stellungnahmen, Interviews – manche sogar mit echten Meinungen und Positionen – die zur Entscheidungsfindung beitragen können. Also, wen würdet Ihr wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre? Wenn Ihr diese Frage für Euch beantworten könnt, dann bleibt am Sonntag nur noch eine persönliche Sonntagsfrage übrig: Wann gehe ich wählen? Vor oder nach dem Gottesdienst.

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