Ja, ich will – Trauungen Homosexueller in der evangelischen Kirche
Foto: Gemeinfrei

Hurra, es ist passiert!

Am 10. 8. 2013 wurde das erste gleichgeschlechtliche Paar in Deutschland getraut. Nach zwhn Jahren Beziehung haben sich Christoph und Rüdiger Zimmermann das kirchliche Jawort gegeben.

An sich nichts so Neues, Ähnliches ist schon häufig in verschiedenen deutschen Landeskirchen passiert. Der Unterschied zu der bisher üblichen „Segnung“ ist, dass diese Partnerschaft nun auch kirchenrechtlich beurkundet wird. Damit ist es wirklich eine Trauung, die sich im Grunde durch nichts von der herkömmlichen Trauung zwischen Mann und Frau unterscheidet.

In der Kirche von Hessen-Nassau, wo die beiden sich trauen ließen, ist das möglich geworden durch einen Beschluss der Synode vom Juni diesen Jahres.

Segnungen gibt es in Hessen-Nassau schon seit 2003, ebenso wie inzwischen auch in elf weiteren Landeskirchen. In manchen Landeskirchen ist es noch in der Diskussion; andere, wie Sachsen und Baden, haben die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abgelehnt.

Dennoch sind auch in diesen Landeskirchen Theorie und Praxis nicht immer dasselbe, so stellen sich beispielsweise viele Leipziger Pfarrer bewusst gegen die Richtlinie ihrer Landeskirche und segnen homosexuelle Partnerschaften.

Vom Unterschied, der keiner ist

Insgesamt verwischt auch die Unterscheidung zwischen Segnung und Trauung mehr und mehr, im Ablauf ist kaum ein Unterschied zu erkennen. Der Name ist eben ein anderer. Und es gibt eine kirchliche Urkunde. Diese beiden Männer zu trauen war also ein ein konsequenter Schritt zur Gleichberechtigung homosexueller Partnerschaften in der Kirche.

Doch auch wer sich für Segnungen homosexueller Partnerschaften ausspricht, ist nicht immer auch dafür, dass es Trauungen gibt. Der besondere Stellenwert der Ehe zwischen Mann und Frau müsse gewahrt bleiben. Warum das? Wer gibt uns dieses Recht, zwischen zwei Beziehungen, die gleichermaßen von Liebe, Vertrauen und Verantwortung füreinander geprägt sind, zu unterscheiden und die eine gegenüber der anderen abzuwerten? Soll sie einen besonderen Stellenwert haben, weil sie Leben hervorbringt? Ist das faktisch so? Wer würde einem heterosexuellem Paar die Trauung verweigern, weil es keine Kinder bekommen kann oder möchte?

„Ein weltlich Ding“

Der überwiegende Teil der Gegner von homosexuellen Trauungen ist natürlich gleichermaßen gegen Segnungen. Für diese Menschen ist die „Trauung“ dann nur ein weiterer Schritt hin zur Verwerfung von biblischen Grundsätzen und Werten, hin zu einer säkularisierten Kirche.

„Die Ehe ist ein weltlich Ding“ sagte Luther. Daher ist „Säkularisierung“ in diesem Falle auch der falsche Vorwurf. Das Eheverständnis der Kirche kann nicht unabhängig sein vom Eheverständnis der Welt. Dies hat sich stetig verändert, schon zu biblischen Zeiten. Zu alttestamentlichen Zeiten war es häufig nicht viel mehr als ein Besitzvertrag, geschlossen zwischen Bräutigam und Brautvater. Ein Verständnis, das wohl heute niemand mehr unterschreiben würde.

Eine Trauung gibt einem Paar die Möglichkeit, ihre Beziehung ein Stück weit in die Hände Gottes zu legen. Für viele gläubige Christen ist das wichtig, ganz unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.

Liebe nicht verneinen!

Ein Grund, warum ich gerne in der Kirche bin, ist der, dass ich mich angenommen weiß, so wie ich bin, mit all meinen Ecken und Kanten. Würde mir die Kirche aufgrund irgendwelcher Eigenschaften, die zu mir gehören, Gottes Segen verwehren, wäre das furchtbar.

Ich denke, die Kirche steht in der seelsorgerlichen Pflicht, jeden Gläubigen so anzunehmen, wie er ist und Segen zuzusprechen, wo immer er es braucht – einfach aus der tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch mit seinen Eigenheiten Gottes Geschöpf und die Kirche für alle da ist.

Einen Menschen desselben Geschlechts zu lieben ist genauso wenig eine Entscheidung wie die Liebe zwischen Mann und Frau. Es ist eine Tatsache, mit der man leben darf und muss wie mit seiner Augen- oder Hautfarbe. Gerade für gläubige Christen aus traditionellem Umfeld ist es nicht immer leicht, die eigene Homosexualität anzunehmen. Gerade für diese Menschen ist es wichtig, von außen Bestätigung zu erfahren, nicht zuletzt auch von der Institution Kirche. Diese darf sich in meinen Augen nicht das Recht herausnehmen, zu behaupten, dieses oder jenes Phänomen gehöre nicht zu Gottes guter Schöpfung. Gerade menschliche Liebe darf niemals verneint werden, niemals darf ihr der göttliche Segen verweigert werden.

Der Schritt von der Segnung zur Trauung ist dann tatsächlich nur noch ein rein formaler, der aber wichtig ist, da er die Angst vor völliger Gleichberechtigung überwindet. Danke, Hessen-Nassau, für diesen Anfang.

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Quellen/ mehr Infos:

 

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3 Kommentare anzeigen

  1. Quintus N. Sachs

    Da ist der große Unterschied. Protestanten holen den alten Martin mal wieder aus’m Schrank, wenn’s so paßt. Jetzt paßt es, damit er mal eben sagen darf, daß die Ehe ein weltlich Ding sei. In der Katholischen Kirche, wie bei den Orthodoxen, ist die Ehe ein Sakrament. Sie geht also auf Gott zurück. Was man im AT daraus machte, dafür kann Got nichts. Hatte Jesus nicht gesagt, viele Gesetze wären so gegeben worden wegen der Hartheit der Herzen, jedoch am Anfang wäre es nicht so gewesen? Und gerade am Anfang erschuf Gott Mann und Frau, nicht Mann und Mann oder Frau und Frau. Man soll Gott mehr gehorchen als Luther. Ich hoffe, auch du wirst den Weg in die eine wahre, apostolische und katholische Kirche finden.
    Gottes Segen, Quintus

    • Lies noch mal genau nach: Gott erschuf den Menschen als sein Ebenbild, und zwar sowohl männlich wie weiblich: Menschen beider Geschlechter sind sein Ebenbild. (Darum ist es auch merkwürdig, dass nur Männer Christus repräsentieren können, wo doch sowohl Männer wie Frauen Gott, den Schöpfer repräsentieren können – genau so hat er sie doch geschaffen!) Sicher wird niemand bestreiten, dass Gott auch jene erschaffen hat, bei denen das mit dem Geschlecht aufgrund unterschiedlicher Chromosomen oder aufgrund unterschiedlich umgelegter genetischer Schalter in der Entwicklung nicht so eindeutig bestimmt werden kann. Auch wenn von Chromosomen und Hormonen und genetischen Schaltern nichts in der Bibel steht…

      Ich finde im Übrigen die Herabwürdigung des ATs an dieser Stelle interessant. Ist die Bibel nur an den Stellen inspiriert, die einem ins eigene Konzept passen? Was ist wichtiger: Die Bibel – oder das Konzept, in das sie passen muss? Vielleicht ist die Bibel ja doch so vielfältig inspiriert, dass für eigene theologische, ethische und moralische Entscheidungen Platz (und Verpflichtung) ist.

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