Moment mal: Die Quelle der Zeit

Gott existiert außerhalb von Zeit und Raum. Ich nicht. Das merke ich jedes Mal, wenn der Abgabetermin für diverse Hausarbeiten, Essays oder andere Nachweise näher rückt. Genau aus diesem Grund sitze ich wieder in der Bibliothek. Ich recherchiere. Das heißt, eben blättere ich Fachzeitschriften durch und hoffe auf Inspiration. Plötzlich erregt ein Fachartikel der „Theologie und Philosophie“ mein Interesse: „Der Ursprung der Zeit im dreifaltigen Gott“[1].

Die Quelle der Zeit ist also in Gott, ob er mir nicht ein bisschen mehr abgeben könnte…? Nur, bis ich meine Arbeit fertig habe…

Neugierig beginne ich zu lesen. Der Aufsatz beginnt mit biblischen Beispielen. Abraham handelt zum Beispiel mit Gott über den Untergang von Sodom. Abraham steht also im Dialog mit Gott. Ein Dialog aber setzt Zeit voraus. Ein Dialog ist ein gegenseitiges, zeitliches Nacheinander. Gott wirkt also in der Zeit. Ist Gott demnach auch in der Zeit oder handelt er nur in der Zeit aus seiner Zeitlosigkeit heraus?

Wenn ich bete, dann ist mein Gebet schließlich auch immer in der Zeit. Und es ist zeitlich. Es beinhaltet manchmal auch Dinge, die morgen schon nicht mehr aktuell sind. Ich möchte, dass Gott in der Zeit darauf reagiert. Sonst wäre mein Gebet nichts weiter als ein vorherbestimmtes Einstimmen in Gottes Heilsplan.

Ich lese weiter: Jesus Christus hat in der Zeit gelitten.

Na klar. Er hat sogar das Zeitliche gesegnet. Vere homo, vere deus. Jesus war schließlich ein Mensch. Gott war ein Mensch. Damit muss Gott Zeit beinhalten, die Zeit des Menschen Jesus von Nazareth.

Gott hat sich also selbst dazu bestimmt das Zeitliche als Zeitliches wahrzunehmen und sich von ihm berühren zu lassen.

„In dieser Perspektive wäre Zeit nicht etwas, was von Gottes Selbstvollzug vorausliegt. Vielmehr wäre Gottes freier Selbstvollzug als die trinitarisch-dialogische Bezogenheit von Vater, Sohn und Geist als der Ursprung von Zeit zu denken – einer Zeit freilich, die in Bezug auf Gott nichts kreatürliches ist, sondern als Wesensdimension des göttlichen Lebens gelten muss.“

Das ist doch mal ein gepfeffertes Schlusswort. Zeit als Wesensdimension Gottes. Der Blick auf meine Uhr sagt mir, dass meine Zeit außerhalb meines Wesens weiterläuft. Der Abgabetermin ist eben made by vere homo.

[1] Wer Interesse hat den ganzen Artikel zu lesen, der findet ihn in der „Theologie und Philosophie“, 2/2013 auf Seite 211 von Dirk Ansorge.

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