Luthers würdiger Nachfolger? – Die Bibel als Roman

Den Leuten „auf das Maul sehen“ – das war schon Martin Luthers Prinzip bei der Bibelübersetzung (Nachzulesen im „Sendbrief vom Dolmetschen“). Eine Bibel sollte in einer für den normalen Menschen verständlichen Sprache geschrieben sein, und in einer ansprechenden Form.

Diese Aufforderung hat sich wohl der Hamburger Pastor Peter Fahr zu Herzen genommen und kurzer Hand die Bibel in eine aktuellere Form übersetzt – einen Roman.

Die Leute zum Lesen bringen

Dabei geht es nicht etwa um eine Adaption, die wie eine Kinderbibel die Geschichten modern nacherzählt. Nein, Pfarrer Fahr übersetzt für seinen Roman fleißig aus den Urtexten. Das soll die literarische Qualität des Romans aber nicht mindern. „Die Bibel ist […] eine literarische Fundgrube“ mit „poetischer Qualität“ meint Fahr.

Sein Ziel ist es, die Leute wieder zum Lesen zu bringen. Herkömmliche Bibeln sind laut Fahr mit ihrer kleinen Schrift und den vielen Zahlen zwischen den Sätzen nicht besonders einladend gestaltet – Sein Roman soll schließlich kein Nachschlagewerk, sondern ein Lesebuch sein!

Dass diese Roman-Übersetzung ein ziemliches Mammut-Projekt ist, erkennt man daran, dass es in insgesamt neun Bänden erscheinen soll – zwei für das Neue Testament und stattliche sieben für das Alte. Der erste Band des Alten Testament ist bereits beim Turmhut Verlag erschienen unter dem Titel „Thora und Heiliges Land“.

Eine Kommentatorin auf evangelisch.de schreibt, sie sei schon „gespannt, ob Luther einen würdigen Nachfolger gefunden hat!“ Über die tatsächliche literarische Qualität dieser Übersetzung von „sensationeller Weltliteratur“ wird noch zu entscheiden sein. Wenn von euch jemand schon einen Blick in das Buch werfen konnte, schreibt uns doch eure Meinung in die Kommentare!

Im Sinne des Reformators ist dieser Übertragungsversuch auf jeden Fall – ging es ihm doch darum, nicht nur „wie die Eselsköpfe“ den Text wortwörtlich wiederzugeben, sondern darum zu kämpfen, dass der Text fließend lesbar ist – oder, wie Luther schreibt:

„[…] nun es verdeutscht und bereit ist, kann’s ein jeder lesen und meistern. Es läuft jetzt einer mit den Augen durch drei, vier Blätter und stößt nicht einmal an, wird aber nicht gewahr, welche Wacken und Klötze da gelegen sind, wo er jetzt drüber hingehet wie über ein gehobelt Brett, wo wir haben müssen schwitzen und uns ängsten, ehe denn wir solche Wacken und Klötze aus dem Wege räumeten, auf daß man könnte so fein dahergehen. Es ist gut pflügen, wenn der Acker gereinigt ist. Aber den Wald und die Stubben ausroden und den Acker zurichten, da will niemand heran.“

Das sich Pfarrer Fahr da heran macht, die Stubben auszuroden, dass finde ich auf jeden Fall mutig und lobenswert.

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Ein Kommentar

  1. Baran

    Ich fänd eine „neue“ Version der Bibel gar nicht schlecht.
    Sprache ändert sich mit der Zeit, genauso wie eine Gesellschaft.
    Vielleicht könnte man so das Christentum wieder etwas moderner machen.
    Grüße

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