Bau’ deine Hausarbeit nicht auf Word …

„Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.“ — Matthäus 7,26

… und auch nicht auf Open Office!

Wir alle kennen das. In meiner Jugend bekam ich beigebracht, dass das erste, was man auf einem neuen Computer installieren muss, Microsoft Office ist. Wie soll man denn sonst vernünftig arbeiten? Später fand ich heraus, dass es für Freunde von offener (und kostenloser) Software auch noch OpenOffice (jetzt LibreOffice) gibt, was den gleichen Zweck erfüllt.

In der Schule wurde uns im Informatikunterricht gelehrt, wie wir in ein Word-Dokument freundliche „Clip-Arts“ und allerhand bunte, gekrümmte 3D-Regenbogen-Überschriften einfügen können. Alles schön und gut. Seitdem haben mich Word-Programme begleitet und ich habe damit zahlreiche Hausaufgaben, wissenschaftliche Arbeiten, Glückwunschkarten und Liebesbriefe geschrieben. Das wird den meisten von uns so gehen.

Aber umso umfangreicher die Projekte werden, umso unpraktischer wird es mit Word zu arbeiten. Inzwischen würde ich jedem davon abraten, eine Hausarbeit oder ähnliches in Word zu schreiben.

Von „WYSIWYG“ und anderen Akronymen

Was ist denn das Problem damit? Ganz einfach: Word et al. sind Programme, um Text zu „setzen“. Auf dem Bildschirm sieht man eine Repräsentation des Dokuments, wie es aussehen würde, wenn man es auf Papier ausdrucken würde. Diese Art der Darstellung nennt man „WYSIWYG“, what you see iwhat you get, also: Was man sieht, bekommt man auch. Bei unserem Beispiel Hausarbeit sehen wir also die einzelnen Seiten, die Fußnoten am Ende jeder Seite und so weiter.

Warum ist das aber ungünstig? Eine Arbeit oder einen anderen langen Text zu schreiben erfordert viel Konzentration; es geht in erster Linie darum, Worte auf das (virtuelle) Papier zu bekommen. Nach meiner Erfahrung (und bestimmt ging es jedem schon mal ähnlich) bereiten Word & co. aber so einiges an Ablenkung:

  1. WYSIWYG-Programme wie Word sind oft recht langsam beim Starten und Speichern. Außerdem ist wohl jedem von uns schon einmal Arbeit durch einen Absturz verloren gegangen.
  2. Sie sind (relativ) kompliziert und bringen jede Menge Optionen mit, die man zum Schreiben erst mal gar nicht braucht.
  3. Man lenkt sich damit ab, alle paar Seiten alle Überschriften in eine andere Schriftgröße/-Dicke/-Farbe zu ändern.
  4. Man ärgert sich damit rum, dass eingefügte Textpassagen manchmal eine völlig falsche Schriftart und -Größe haben.
  5. Regelmäßige (für den Computerbildschirm) sinnlose Seitenumbrüche bringen einen aus dem Schreib- und Lesefluss (als ob man auf dem Computer umblättern müsste)

Dazu kommt noch, dass der Text in der für wissenschaftliche Arbeiten üblichen Schriftgröße auf den meisten Bildschirmen zu klein ist, um ihn optimal zu lesen.

Zugegeben, viele Programme bieten inzwischen Funktionen, um manche dieser Sorgen zu mildern oder zu vereinfachen. So kann man mit Formatvorlagen Überschriften automatisch mit einer bestimmten Schriftgröße etc. versehen und dann wird sogar das Inhaltsverzeichnis automatisch erstellt. Heute würde zum Glück niemand mehr auf die Idee kommen, jede Fußnote manuell unter die Seite zu setzen (Oder?). Trotzdem scheint es mir schwierig, sich während des Schreibens nicht immer wieder von Äußerlichkeiten ablenken zu lassen.

Also gut, was ist die Alternative?

Das kommt darauf an, wie fortgeschritten man es haben möchte.

Für den Anfang empfehle ich einfach ein unkompliziertes Schreibprogramm für den Text – irgendeines, das die Worte nicht in ein Modell von „Seiten“ hineinpresst. Wenn die inhaltliche Arbeit abgeschlossen ist, kann man den ganzen Text kopieren, in Word oder OpenOffice einfügen und dort dann einmal formatieren, das Inhaltsverzeichnis generieren etc. So spart man sich die meisten der oben genannten Probleme.

Als Schreibprogramm kann man einfach den Windows-Editor verwenden. Da gibt es null Schnickschnack, um vom Eigentlichen abzulenken, dem Inhalt. Wer es etwas schicker möchte, dem empfehle ich FocusWriter. Auf dem Mac verwende ich iAWriter.

Wenn man diesen Ablauf dann noch etwas optimieren möchte, kann man sich noch eine einfache Syntax, wie zum Beispiel Markdown, angewöhnen. Damit kann man mit Nur-Text zum Beispiel Überschriften und Blockzitate leicht markieren und dann automatisch in formatierten Text umwandeln lassen (Mit Markdown habe ich auch diesen Artikel geschrieben).

Und wem auch das noch zu einfach ist, oder wer zahlreiche anspruchsvolle Arbeiten vor sich hat mit riesigen Literaturverzeichnissen, und strengen optischen Maßgaben, dem rate ich Word komplett links liegen zu lassen und sich mal an LaTeX auszuprobieren.

Fazit

Was auch immer ihr nun macht, nehmt euch etwas Zeit und macht euch mit den Möglichkeiten eurer digitalen Werkzeuge vertraut. Ich sehe zu viele Leute mit ihrem Laptop in Vorlesungen sitzen, die die tollen Möglichkeiten ihres Gerätes nicht voll ausschöpfen und sich mit ungeeigneten Programmen herumärgern. Deshalb schreibe ich solche Sachen.

(Alle diese Einwände gelten übrigens auch für Mitschriften aus Veranstaltungen. Warum sollte man die mit Word schreiben, wenn man sie doch in der Regel nicht ausdrucken, sondern einfach nur festhalten möchte? Aber das ist ein anderer Artikel…)

Wie schreibt ihr eure Arbeiten? Wenn ihr gute Workflow-Tipps habt, teilt sie doch in den Kommentaren mit!

Schlagwörter: , , , ,

4 Kommentare anzeigen

  1. Also ehrlich gesagt bin ich mit Word ganz zufrieden, die „Probleme“, die du beschreibst, kann ich zum großen Teil nicht nachvollziehen. Wenn ich mich ablenken lasse, dann i.d.R. nicht durch Text-Schnickschnack, sondern durch das Internet ;-) Und die (eventuellen) Formatierungsprobleme habe ich auch, wenn ich erst im Nachhinein alles in ein Programm kopiere, von dem ich dann drucke.

    Und mir erscheint es doch, ehrlich gesagt, recht sinnlos, die komplette inhaltliche Arbeit in einem einfachen Texteditor zu machen. Dann muss ich ja nachher nochmal alles durcharbeiten und Fußnoten einfügen, rumformatieren.

    Ich mache es in der Regel so, dass ich mich ganz zu Beginn einmal hinsetze, das Dokument (mit ein 2,3 Absätzen Blindtext) korrekt formatiere, Eine Gliederung (als Inhaltsverzeichnis) erstelle, Überschriften, Absätze und Fußnoten konfiguriere, und dann losschreibe. Dann erfreue ich mich, dass schon alles hübsch aussieht und ich sehe, wie sich meine Gliederung nach und nach füllt.

    Ich empfehle zur Zitat-Verwaltung „citavi“, das gibt’s bei uns in Tübingen kostenlos als Campus-Lizenz. da hab ich von vorneherien jedes Zitat reingeschrieben, mit wenigen Klicks ist das in Word importiert und am Ende erstellt mir das Programm innerhalb von 5 Minuten (automatisch) meine Bibliographie mit aller Literatur, aus der ich zitiert habe.

    Insoweit würde ich dir zustimmen: Die Zeit, die man sich nimmt, um sich mit seinen digitalen Werkzeugen vertraut zu machen, ist gut investiert ;-)

  2. m3

    Sieh dir mal Markdown an oder LaTeX und dann wirst du erkennen warum es einfach besser ist nicht gleich Schriftgröße in Punkten und Zitate in Form und Stil festzuklopfen.
    Word kann viel, aber es ist und bleibt sehr begrenzt.
    Und von wegen „ausdrucken“ – geh mal weg von der Idee alles auf Papier bannen zu wollen. Das ist nun wirklich von Gestern. Was ist mit eBooks? Nein, PDF ist kein eBook.

  3. flecralf

    Hallo,
    seit Tagen versuche ich nun für eine Exegese ein Zeichen aus dem Nestle Aland, konkreter dem textkritischen Apparat in das Latex-Dokument einzufügen. Soweit habe ich alle Zeichen, bis auf die beiden Zeichen, welche einem aufgebogendem (ca. 45 °) griechischen (Majuskel) Gamma nahekommen. Nestle symbolisiert mit dem Zeichen, dass der eingeschlossene Text verschieden überliefert worden ist.
    Ich bring die Frage einfach mal hiermit ein, vielleicht kann mir jemand einen Hinweise geben. Gruß Ralf

    • Hm. Das ist in der Tat schwierig. Diese textkritische Zeichen haben die Leute vom Nestle Aland quasi erfunden, deshalb gibt es dafür denke ich keine Zeichensätze.

      Ich würde grundsätzlich hinterfragen, ob man diese Zeichen je selbst braucht. Wenn man einen Aland-Text zitiert, lässt man die Textkritischen Zeichen in der Regel weg. Wenn es um die Beschreibung eines textkritischen Sachverhalt geht, sollte man nicht das Zeichen verwenden, sondern die Sache (Auslassung, Einfügung, etc.) in Worten beschreiben.

      Wenn’s unbedingt passieren muss, bleibt wahrscheinlich nur, eine Bilddatei mit dem Symbol an der Stelle einzufügen. Das ist natürlich nicht besonders Elegant, deshalb nur im Notfall.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.