Predigt oder Theater? – Der Predigt-Slam mit Bo Wimmer

PredigtSlam Wettbewerb Wortkünstler verunsichern Wittenberg

Hamster. Hamster! Hamster!“, schallt es aus dem Cranach-Haus in die idyllische Wittenberger Mitte hinein. Nein, keine absurde Predigt, nur eine Lockerungs- und Sprechübung, die Poetry-Slammer Bo Wimmer anleitet. Er bereitet seit Sonntag die Teilnehmer auf den großen Tag vor, auf den 28. Mai, den Dienstag, Tag des Horrors, Tag des Gerichts, auf die Stunde der Wahrheit; auf die Siebenminutenzeitspanne, in der es drauf ankommt. Zwischen Gedicht und Verkündigung bewegen sich die Texte über Zuspruch, Gnade, Salbung, Tod, Geben und Schlemmen, die in diesen Tagen entstehen. Männer des Wortes, die mit Liebe und viel Pfiff der Predigt eine neue und kurzweilige Form geben.

Nur Männer? Alina Erdem, Mitorganisatorin des Predigt-Slams, versteht nicht, dass sich keine Frauen angemeldet haben. „Dass der Termin vielleicht schwierig war, kann diese völlige Fehlrepräsentation nicht erklären“, sagt sie und nimmt kurzerhand selbst teil. Denn: „Die Predigt ist Verkündigung, die von der Bibel ausgeht und in die Gegenwart treffen muss. Eine Predigt, die Kirche langweilt, kann sich Kirche nicht gestatten. Da muss man doch die Gelegenheit wahrnehmen; das ist eine Frage des Verantwortungsbewusstseins!“

Am Abend ist es still im Theater. Fünfzehn Euro kosten die Platzkarten. Trotzdem ist der Saal voll. „Vielleicht sollten wir als Kirche damit auch anfangen, Eintritt für die Predigt zu nehmen“, scherzt Sebastian Gerisch, Theologiestudent aus Leipzig und Teilnehmer des Workshops. Dann beginnt der Slam, die Zuhörerschaft tobt und applaudiert, lacht, bekommt Gänsehaut, ist entrüstet, wird nachdenklich. Was man heute im Theater erleben darf, das ist alles andere als aufgesetzt, das ist authentisch.

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Es gibt einen nominellen Gewinner. Aber – soli deo gloria – ist es wichtig, wer die meisten Punkte bekommt? Kathrin Oxen, Leiterin des EKD-Reformzentrums für evangelische Predigtkultur in Wittenberg, findet das schon. „Die Kirche hat hier, wo die Reformation Feuer gefangen hat, fast die größte Säkularisierung in Europa durchgemacht. Dass sich da ein überwiegend kirchenfernes Publikum für die Botschaft der Predigt begeistern lässt, muss gewürdigt werden.“

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Ein Kommentar

  1. Danke, Jonathan, für diesen Bericht zum Predigt-Slam. Ich kann alle, die das hier lesen, nur ermutigen, das auch einmal auszuprobieren – oder vielleicht selbst einen zu organisieren?! ;)
    Er hat sehr viel Spaß gemacht und auf jeden Fall mein kreatives Feuer angefacht.

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