Alte Sprachen auf dem Mac mit Unicode

 

Für theologisches Arbeiten am Mac ist es hilfreich, hebräische und griechische Schriftzeichen in seine Dokumente einbinden zu können. Man sollte aber bedenken, wie man dabei vorgehen will.

Die pragmatische Variante wäre, sich irgendwoher eine Schriftart in der gewünschten Sprache herunterzuladen und zu installieren. Der Vorteil: Man kann selbst aussuchen, wie genau der Text aussehen soll. Der (riesige) Nachteil: In der Regel können nur Computer den resultierenden Text anzeigen, auf denen diese Schriftart ebenfalls installiert ist. Davon sollte man aber nie ausgehen und deshalb gibt es Unicode.

Unicode ist ein Zeichensatz, der auf jedem modernen Computer vorinstalliert ist und der (anders als z.B. ASCII) Schriftzeichen in allen erdenklichen Sprachen enthält. Da Unicode ein internationaler Standard ist, kann man damit getrost arbeiten.

Wie funktioniert’s? Auf dem Mac geht man auf das Apple-Symbol oben links und dann auf Systemeinstellungen. Dort gibt es einen Eintrag „Sprache und Text“. Wenn man darauf klickt, und anschließend den Reiter „Eingabequellen“ auswählt, wird eine lange Liste mit Sprachen angezeigt.

Das Systemeinstellungs-Menü „Eingabequellen“

Dort kann man jetzt Häkchen setzen bei jeder Sprache, die man braucht. Achtet darauf, für die alten Sprachen Griechisch „polytonisch“ und Hebräisch „QWERTY“ auszuwählen — damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Bei „Eingabequellen in der Menüleiste anzeigen“ sollte ein Haken gesetzt sein. Dann sollte eine nette Länderflagge oben am rechten Bildschirmrand erscheinen, die die momentan ausgewählte Tastatursprache angibt. Mit einem Klick darauf lässt sich schnell zwischen den gewählten Sprachen wechseln.

Die Länderflagge in der Menüleiste

Für den Anfang empfiehlt es sich (ebenfalls über das Flaggen-Menü) beim Schreiben die Bildschirmtastatur zu aktivieren, um die jeweilige Tastaturbelegung zu lernen. Später geht es dann auch ohne, wenn man den Dreh heraus hat.

Glückwunsch! Jetzt könnt ihr Griechisch mit allen Akzenten und Hauchlauten und Hebräisch mit allen Vokalzeichen direkt über die Tastatur eures Macs eintippen.

Profi-Tipp: Man kann für das Wechseln der Eingabequellen unter „Systemsteuerung > Tastatur“ auch ein Tastaturkürzel einrichten — bei mir ist es zum Beispiel „Cmd-Y“. Damit kann man während des Tippens schnell zwischen den Sprachen hin und her wechseln.

Hast du einen Windows-PC? Die Anleitung für Unicode unter Windows gibt es hier.

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10 Kommentare anzeigen

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  2. Sebastian

    Sehr schön, was ihr Theologen (nun endlich auch für euch) entdeckt habt. :D Die Verwendung von Unicode (auch abseits von „exotischen“ Sprachen/Schriftsystem) ist in den Naturwissenschaften schon seit Jahren der Standard!

    Ordentlich polytonisches Griechisch und ganz besonders Hebräisch (mit Punktierung und Akzenten) schreiben kann man jedoch nur mit wirklich guten Schriftarten, die auch die „Diakritika“ richtig positionieren. Wenn man die nicht nimmt, kann man es auch gleich komplett bleiben lassen. Die Schriftarten die bei Windows und Mac OS dabei sind, kann man alle total vergessen! Ich kann folgende Schriftarten, die genau das sehr gut umsetzen, empfehlen:

    für Griechisch:
    http://www.sbl-site.org/educational/BiblicalFonts_SBLGreek.aspx

    für Hebräisch:
    http://www.sbl-site.org/educational/BiblicalFonts_SBLHebrew.aspx
    http://scripts.sil.org/cms/scripts/page.php?site_id=nrsi&id=ezrasil_home
    http://culmus.sourceforge.net/

    Allerdings gibt es keinerlei Editoren bzw. Schreibprogramme (auch nicht Microsoft Office oder Libre Office/Open Office), die die Funktionalität von Unicode ordentlich und hundertprozentig umsetzen. Das betrifft u. a. besonders die Sprachen mit Schreibrichtung von rechts nach links (also Hebräisch und Arabisch). Also sucht euch ein Programm, das möglichst wenig Unsinn anstellt. Oder lasst euch doch endlich auf LaTeX bzw. XeTeX ein. Zwar müsst ihr auch da die Editoren benutzen und euch mir deren merkwürdigem Verhalten arrangieren, auch muss man einiges (neu) lernen … aber schließlich lohnt es sich weil LaTeX/XeTeX allen anderen Programmen vielfach überlegen (und dazu auch noch komplett frei) ist.

    http://en.foursenses.net/latex
    http://en.foursenses.net/hebrewinxetex

    • Hi Sebastian, du hast schon recht, Unicode ist keine neue Erfindung.

      Allerdings muss ich dir bei den Schriftarten widersprechen: besonders auf dem Mac funktioniert Unicode mit diakritischen Zeichen sehr gut. Eine extra Schriftart zu installieren würde ja wieder die Kompatibilität kaputt machen!

      Bei den Editoren hast du recht da sieht es etwas mau aus. Und LaTeX ist natürlich genial, wenn man sich einmal reingefuchst hat!

      • Sebastian

        Und hier muss ich widersprechen. Du hast die Idee hinter Unicode offensichtlich nicht ganz verstanden. Da die genannten Schriftarten ja Unicode-Schriftarten sind und die Unicode-Vorgaben umsetzen, gibt es keinerlei Kompatibilitätsprobleme! Und genau DAS ist ja der Sinn der ganzen Sache. Die Standarschriftarten unter Mac OS, obwohl sie auch Unicode-Schriftarten sind, funktionieren mit Hebräisch nicht so gut, da die komplette Glyphpositionierung nicht richtig gemacht, was man spätestens bei dem Akzenten sieht. Im Gegensatz dazu ist all das (sehr umfassende Umsetzung der Unicode-Vorgaben, korrekte Positionierung der Vokal- und Akzentzeichen) bei den genannten Schriftarten ordentlich implementiert! Auch sehen sie (insbesondere im theologischen Kontext) viel besser aus. Esra SIL z. B. ist nach dem Vorbild der Schriften des klassischen hebräischen Buchdrucks in Vilna bzw. der hebräischen Schriftart, die in der BHS verwendet wird, gestaltet.

        Also, probier es mal aus! Es gibt keinerlei Kompatiblitätsprobleme und sieht auch viel besser aus.

        • Du hast schon recht, dass es andere Schriftarten gibt, die (besonders) die hebräischen Schriftzeichen „hübscher“ darstellen als der Standart-Unicode-Schriftsatz der Betriebssysteme. Aber ich finde es eben doch wichtig, dass, wenn ich jemand ein Dokument schicke, es bei demjenigen auch genau so aussieht wie bei mir. Und das ist, wenn ich mir irgendeine eine spezielle Schriftart installiere, nicht mehr gegeben. (Diese Probleme kann man natürlich mit PDFs immer umgeben.)

          Was die Positionierung betrifft muss ich zugeben, dass ich Akzente nie so richtig ausprobiert habe, weil ich die bisher noch nicht gebraucht habe.

          • Sebastian

            OK. Dann sind wir uns ja einig ;-)

            Was aber den von Dir geschilderten Fall betrifft, dass man selbst eine Schriftart verwendet, die jemand anderes nicht installiert hat, so ist auch das wegen Unicode nicht weiter problematisch. Dann wird nämlich einfach eine andere Unicode-Schriftart (der auf dem System installierte Standard) verwendet. Genau dieser Fall trifft übrigens auch bei Acrobat zu! Man umgeht dies nur, wenn man bei der Erstellung der pdf-Datei die selbst verwendete Schriftart explizit miteinbindet!

            Und ich sage es gerne auch nochmal: Die Schriftarten, die ich hier verlinkt habe, sind einfach viel schöner (und besser implementiert) als die Standardschriftarten aller Syteme (ausgenommen die Linux-Distributionen, die standardmäßig die Schriftarten des Culmus-Projektes verwenden).

  3. Hallo, ich besitze sein kurzer Zeit nun auch einen Mac und dank der Anleitung hier kann ich nun auch spielend leicht zwischen lat., gr. und hebr. umschalten. Danke. Ich habe es aber noch nicht rausgefunden, wie man bei „Hebräisch – QWERTY“ Vokale setzen kann. resp. geht das überhaupt? danke für Antwort. Stehe da echt auf’m Schlauch. Grüße von der Förde! Moritz

    • Vokale tippst du mit verschiednen Kombinationen von gedrückter alt-, shift- oder ctrl-Taste. Einfach die virtuelle Tastatur einschalten und dann etwas mit den Modifikatortasten herumspielen, dann siehst du, welcher Vokal auf welcher Taste liegt.

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