„Wer fromm ist, muss auch politisch sein“

Es ist Samstag Vormittag auf dem Kirchentag in Hamburg und ich gehe mit der Erwartung, dass es bereits sehr voll, ist zur Halle B5. Landesbischof der Bayrischen Landeskriche Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, ein katholische Sozialethikerin aus Münster, widmen sich gemeinsam dem Thema „Suchet zuerst das Reich Gottes“

Ich ging also zu dieser Halle und war erstaunt, dass noch sehr viele Plätze frei waren. Entweder war der Raum so groß, dass es einfach wenig aussah oder das Thema Sozialethik ist einfach doch nicht so interessant.

Zwei Seiten der selben Medaille

Was auch immer der Grund gewesen war, ich finde es hat sich gelohnt. Denn durch den gemeinsamen Vortrag, haben die beiden Redner den Zuhörern mehr als deutlich gemacht, dass es die Aufgabe der ganzen Kirche – unabhängig von ihrer Konfession – ist, in der Gesellschaft aktiv zu werden (und nicht nur die Aufgabe der Kirche, sondern auch ihrer Mitglieder). Denn „wer fromm ist, muss auch politisch sein“. Dieser These kann man durchaus auch widersprechen wollen und auch die Professorin sagt uns, dass sich der Satz in der Bibel „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit – alles andere wird euch dazugegeben werden“  (Lk 12,31 / Mt 6,33) im ersten Moment durchaus nach einem antipolitschen Programm anhört. Wer davon ausgeht, ist aber einem Missverständnis erlegen. Denn „Mystik und Politik Gottes“ und Nächstenliebe „sind die zwei Seiten der gleichen Medaille“

Kirche wird politisch, aber wie?

Also, wer fromm ist, muss auch politisch sein. Aber wie geht das, ohne, dass die Kirche sich in das parteipolitische Schlachtfeld begibt, wie sich ein Zuschauer und auch ich des Öfteren frage. Und wenn die Kirche politisch wird, soll sie dann konkrete Antworten parat haben oder nur allgemeine Aufforderungen geben? Denn hier gibt es durchaus keine einheitliche Antwort und die Meinungen gehen auseinander.

Die beiden Referenten geben uns darauf die Antwort: Es muss etwas von Beidem sein. Einerseits ist es so, dass die Kirche auch keine fertigen Antworten hat. Es würde ihre theologischen Kompetenzen übersteigen, aber sie kann mithelfen eine Lösung zu finden, indem sie ihre ethische Grundorientierung immer wieder in die Debatte wirft.

Andererseits muss sie manchmal aber auch konkret werden, wenn Dinge passieren, die zum Nachteil der Armen und Schwachen wären.

Wer ist „die Kirche“?

Aber wer ist denn eigentlich „die Kirche“. In der katholischen Kirche ist es – finde ich – relativ klar, aber in der evangelischen? Woher müssten oder sollten die Impulse für die Politik kommen? Die Antwort, die man erhielt, war, dass sie zum Einen aus den öffentlichen Stellungnahmen aus der EKD, den Synoden der Landeskirchen und den Landesbischöfen und Präsen, kommen. Aber auch, dass viel geschieht, was die Öffentlichkeit nicht sieht. Herr Bedford-Strohm erzählte uns in diesem Zusammenhang davon, dass München mit Berlin redete und nun die Bundesrepublik 5000 syrische Flüchtlinge aufnimmt.

Aber nicht nur die hohen Stellen können politische Impulse geben, sondern jeder Christ und jeder Bürger.

So viel mehr …

Es wurde innerhalb dieser zwei Stunden noch viel mehr gesagt, wie zum Beispiel, dass die Kirche, wenn sie etwas fordert, immer auch vor ihrer „eigenen Haustür kehren muss“ oder dass die Gemeinden „als Orte der Begegnung und der Solidarität zwischen den Generationen herausgefordert sind“, oder auch, dass bei uns nur noch das wachsen darf, was zur Verminderung des Ressourcenverbrauchs beiträgt – denn wir haben mehr als wir brauchen.

Ich könnte noch auf so viel mehr eingehen, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Was ich aber sagen kann, ist, dass das Thema öffentliche Theologie als Sozialethik des 21. Jahrhunderts, ein sehr spannendes ist.

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