Moment mal: Maschinell korrigierte Klausuren

Ich erscheine zu meiner mündlichen Prüfung. C-3PO steht schon bereit. Er übersetzt die Fragen, die R2D2 mir von der vorher eingelegten CD vorliest. Ein weiterer Protokolldroide schreibt mit, brennt die Ergebnisse auf eine CD, legt sie R2D2 ein und dieser berechnet daraus dann in Sekundenschnelle meine Modulnote. So laufen mündliche Prüfungen immer ab. Echte, menschliche DozentInnen sieht man nur noch selten in der Uni.

Vorlesungen werden jetzt immer häufiger über Hologramme gemacht. Ein weiterer R2D2-ähnlicher Droide projiziert das entsprechende Hologramm in den vorher zugewiesenen Hörsaal. Inzwischen kann man sich die Vorlesungen auch per CD mit nach Hause nehmen.

Kann ein Computer eine Hausarbeit bewerten?

Okay, das war natürlich nur Spaß. Noch hat uns die „Star Wars“-Wirklichkeit nicht eingeholt. Vielleicht sind meine Gedanken auch nur völlig überspitzt und absurd. Es war aber tatsächlich das erste, was mir in den Sinn kam, als ich von einem Programm las, das künftig unsere Klausuren und Hausarbeiten korrigieren könnte.

Die edX in Amerika hat ein solches Programm entwickelt. Die edX ist ein Gemeinschaftsprojekt der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT). „Die Zeit“ erläutert die Funktionsweise wie folgt: man füttere das Programm mit mindestens 100 Hausarbeiten, Klausuren o.ä. und mit deren Benotung, damit das Programm lernt, wie es benoten soll. Ist das erst einmal erledigt, spuckt das Programm die nächsten Klausuren binnen weniger Minuten korrigiert aus. Klausurergebnisse könnten so schon am nächsten Tag aushängen… schöne Aussicht oder pure Science Fiction?

Ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Programm den Inhalt (und die Genialität) meiner Aufsätze bewerten soll. Sollte das Programm wirklich bewerten können, ob ich bei meiner historisch-kritischen Exegese die Frage nach dem historischen Jesus ausreichend bedacht habe? Ist so ein Programm nicht auch sehr anfällig für Angriffe von außen?

Wir sind auf der Suche nach Zeit, die nie bei uns ankommt

Die Meldung über das kuriose Programm wurde auf zeit.de veröffentlicht. Ein User „Gibbon“ schreibt als Kommentar darunter:

„Ich schlage vor, dass auch die Prüflinge in Zukunft von Computern ersetzt werden /Ironie aus. Es ist schön, wenn uns Computer Arbeiten abnehmen, die sehr anstrengend sind (Waschmaschine), aber letztendlich wollen wir doch dieses Leben leben. Jemandem Bildung zu vermitteln, zu überprüfen, ob meine Wissensvermittlung angekommen ist und vielleicht auch Amüsement zu empfinden ob mancher eher kurioser Antworten, ist doch ein wesentlicher Bestandteil des Lehrerdaseins. Wenn es zu viele Prüflinge für einen Prüfer sind, bleibt immer noch die Möglichkeit mehr Prüfer einzusetzen. Langsam habe ich den Eindruck, dass wir unser ganzes Leben in die Hände von Automaten geben, um Zeit zu gewinnen, die aber nie bei uns ankommt. Unsere Großeltern, ja sogar unsere Eltern haben weniger gearbeitet als wir, obwohl sie weniger technische Unterstützung hatten. Irgendetwas läuft da doch falsch…“

Ich stimme „Gibbon“ voll und ganz zu, aber wären Noten so nicht weniger stimmungsabhängig? Ich meine, wer kann es einem Lehrenden verdenken, dass sich nach der hundertsten Klausur gewisse Ermüdungserscheinungen äußern? Und überhaupt, wäre eine maschinelle Benotung nicht viel gerechter? Ist nicht immer alles korrekter und gerechter, wenn Maschinen es machen? Sind nicht Maschinen weniger fehlbar als Menschen? Wesentlich zuverlässiger?

Ich stelle mir gerade vor, wie ein Rechner alle Richtlinien und Klausuren von einer Hochschule eingespeist bekommt. Historisch-kritsche Exegesen über Jesu Kindheit mischen sich mit Hausarbeiten über Martin Luther und verzweigen sich mit Klausuren über die Christologie der Alten Kirche… der PC löst sich mit einem Knall in einer Rauchwolke auf.

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Ein Kommentar

  1. Ha! Das erinnert mich an meine alte Lateinlehrerin am Gymnasium. Die sagte einmal, unsere letzte Klausur habe sie so erschüttert, dass sie glatt zwei Gläser Wein statt nur einem gebraucht habe. Lehrende haben schon immer nach Möglichkeiten gesucht, den Korrekturprozess zu „automatisieren“. ;)

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