Schuldenschnitt, eine sehr alte Tradition Bibelarbeit DEKT, 3. Mai

Das Ehepaar Crüsemann, Dr. Marlene Crüsemann (NT) und Prof. em. Dr. Frank Crüsemann (AT), beschäftigt sich in einer Dialogansprache mit der Frage, wie Schuld und Vergebung in unser Leben gehören und miteinander verknüpft sind.

Jeder ist in seinem Leben einmal wie der hilflose Zauberlehrling Goethes, der den Besen einfach nicht mehr unter Kontrolle bringen kann. Es kann sich hierbei um persönliche, zwischenmenschliche Probleme handeln, aber auch um finanzielle Nöte.

In 5. Mose 15,1–11 wird das alle sieben Jahre stattfindenden Schuldenerlassjahr befohlen. Die Menschen des Volks sollen sich trotz ihrer sozialen Unterschiede, trotz arm und reich, als Schwestern und Brüder begegnen. Mit dem Schuldenerlass möchte das Volk einen Verarmungsprozess innerhalb der Gesellschaft verhindern und unterbinden.

Soll sich Theologie und Kirche nicht lieber aus der Politik heraushalten? Eben nicht! Denn gerade in Bezug auf diesen Text würde das bedeuten, sich dem Wort der Bibel zu verschließen. Laut F. Crüsemann liegt der Wert des Textes in der regelmäßigen und berechenbaren Entschuldung des Volkes. Schließlich ist es eine Eigenheit von Wirtschaftssystemen, dass seit 5000 Jahren immer wieder Schulden sich so hoch aufstapeln, das es zu einem Schuldenschnitt kommen muss. Aktuelle EU Politik lässt grüßen.

London 1953

Was heute kaum noch jemand weiß: Auch für die Bundesrepublik Deutschland war der Schuldenschnitt 1953 mit dem Londoner Abkommen von wirtschaftlich tragender und prägender Bedeutung, ohne die unser Wirtschaftswunder nicht möglich gewesen wäre.

Für alle Zahlenmystiker: Wir befinden uns im Übrigen sieben Jahre nach dem 2. Weltkrieg.

Soll dieser Schuldenerlass und die damit verbundene Selbstlosigkeit eine reine Utopie sein? Gott scheint es doch um das Loslassen zu gehen. Mit dieser Einstellung ändert sich auch mein Verhältnis zu meinem Besitz. Ich muss ihn nicht mehr verkrampft festhalten, sondern kann auch entspannt locker lassen. Denn Arbeit zu haben und davon leben zu können, ist nicht nur etwas Erarbeitetes, etwas Erworbenes, sondern auch etwas Geschenktes, was Gott uns durch seinen Segen bereit stellt. Hier Dankbarkeit zu zeigen benötigt eben auch Besinnung.

Crüsemanns laden ein, über den Wert eines Sabbatjahres und über die möglichen Gründe römischen Nichttradierens nachzudenken: So urteilt Tacitus, die Juden widmeten jedes siebte Jahr der Faulheit (Historien 5,4,2). Wirtschaftliche Zwänge wider die Heiligkeit?

Zumindest den Sonntag als Tag der Ruhe nicht aufzugeben und weiterhin zu heiligen, dazu rufen die Crüsemanns auf. Wir stimmen dem zu und denken einmal mehr an eine „AT-Renaissance“ und halten eine Analyse des Alten Testaments in Bezug auf wirtschaftsethische Fragen für lohnenswert.

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