Von Sand- und Wundertüten – Ein Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags in Hamburg

Strahlender Sonnenschein. Hafenluft. Fischgeruch. Etwa 8000 Menschen tummeln sich am Fischmarkt. Blaue Schalmode hat sich schon durchgesetzt. Die Stimmung ist bestens. Ausgestattet mit einer mit Sand gefüllten Wundertüte beginnt der Gottesdienst. Thema: Die Manna-Geschichte mit Mose, dem Volk Israel und der Wüstenwanderung.

Recht plakativ, niederschwellig und einfach (böse Zungen würden sagen: flach) waren die Worte des Predigers Bischof Peter-Hendrik Skov-Jakobsen aus Kopenhagen und der Eröffnungsrede zum Kirchentag durch Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel, Essen – Bayreuth (Die vielen „Dr.“s sind kein Tippfehler). Der Sand in den Tüten sollte die Teilnehmer ermutigen nach ihrer eigenen Wüste Ausschau zu halten. Dazu gehören wohl die heutzutage recht starke Oberflächlichkeit innerhalb unserer Gesellschaft, Einsamkeit, unüberschaubare Handlungen der Mächtigen, das hektische, lärmende Leben, sodass man sich fragen kann, ob Gott sich auf der anderen Seite verborgen hält oder doch noch offensichtlich finden lässt. Skov-Jakobsen versichert den Hörern, dass Gott nach wie vor durch Jesus Christus uns entgegenkommt, – erste leicht ekstatische „JESUS“-Rufe aus der Menge – uns Liebe entgegenbringt und die Einsamkeit verdrängt. Jesus Christus ist einerseits fremd, aber auch gleichzeitig befreiend anders. Er sieht die Menschen so, wie sie sind, und lässt sich nicht durch unsere Selbstverherrlichung aus dem Konzept bringen. Diese Aufmerksamkeit, die uns zuteil wird, ermutigt uns ein wandelndes, handelndes Volk mit Vertrauen und Hoffnung zu werden.

„Wundertüte“

„Wundertüte“, aufgenommen von Ebba-Christina Kompa

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Nagel geht auf das Symbol Fisch passend zum Fischmarkt ein, das seit jeher eine Anspielung auf das Abendmahlssakrament und auf die Speisung der 5000 sei. Er ermutigt alle Teilnehmer, das Motiv aufzunehmen und sich bewusste zu sein, dass wir an einem Tisch sitzen, alles miteinander Teilen, schwere und gute Zeiten. Besonders auf dem Kirchentag wollen wir Hoffnungen, Gesänge, Freude und Begeisterung versprühen und aufnehmen. Auf dass unsere Sandtüten zu wirklichen Wundertüten werden!

Wirklich stimmungsvoll war die skandinavische Musik, die mich als Rheinländerin zusammen mit der Umgebung des Hafens in null komma nichts in den Norden katapultiert hat. Um es pathetisch auszudrücken: Man sah förmlich Seen, Wälder, Nebel, Ruhe, Stille, Einsamkeit vor seinem geistigen Auge aufflackern.

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