Gelesen – Der Islam für Kinder und Erwachsene
Bildquelle: C.H.Beck

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Was ist der Islam? Was bedeutet es, Muslim zu sein? Wie ist das Selbstverständnis der in Deutschland lebenden Muslime? Man kann unzählige Bücher zu diesen Themen lesen, analysieren und mutmaßen, doch wie so oft vermag es die Wissenschaft nicht den Menschen hinter dem Untersuchten, den Gläubigen hinter dem Glauben zu erblicken. Muslime und Nicht­-Muslime, Theologen und Nicht-­Theologen streiten miteinander über die Verbindung von Staat und Religion im Islam, über die Unterdrückung der Frau (sei es nun aus religiösen oder kulturellen Gründen) oder die vermeintliche Gewaltbereitschaft der muslimischen Gemeinschaft. Dabei bleibt oft die Mehrheit der Muslime außen vor und erlebt sich zumeist in einer Position, in der ohne ihre Beteiligung über sie geschrieben und spekuliert wird, was ich auch schon im Gespräch mit einigen gerade jungen Muslimen feststellen konnte, die sich zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt sehen.

Mit dem Buch „Der Islam für Kinder und Erwachsene“ von Lamya Kaddor und Rabeya Müller ist vor einiger Zeit, ein auch von der Presse sehr positiv hervorgehobenes Buch erschienen, das sich die Aufklärung über den Islam zur Aufgabe gemacht hat. Im Gewand eines Kinderbuchs, von Alexandra Klobouk wunderbar illustriert, wird hier der Islam auf eine  erfrischend neue, unorthodoxe und merkbar westlich geprägte Art erklärt und das von den Glaubensgrundsätzen bis hin zu kritischen Fragen nach Homosexualität im Islam, Zwangsheirat oder Dschihad. Wer einen Einblick in die Religion des Islams und das Denken der Muslime gerade in Deutschland gewinnen will, sollte sich die Zeit nehmen dieses Buch zu lesen, denn erklärt wird unter anderem der Ablauf des fünfmal am Tag  praktizierten Gebets, welches den Tagesablauf eines Muslims nachhaltig bestimmt, oder welche Vorbereitungen ein Muslim treffen muss und welche Regeln einzuhalten sind, wenn er mach Mekka pilgern will. Auch eine große Übersicht über die verschiedenen islamischen Gruppierungen und deren Ursprünge läss sich finden und vor allem erhält man einen sehr guten Einblick in das Verhältnis der jungen Muslime zum Koran und dessen Exegese. All dies wird mit zahlreichen Bildern und Erklärungen unterlegt und ohne jede Kritik an anderen Religionen ganz auf den Islam gerichtet. Hervorzuheben sind auch die beiden Autorinnen selbst, welche gerade in ihrer Rolle als Frau im Islam neue Wege gehen und aus einer inneren Sicht heraus viel näher am so oft diskutierten Problem der geschlechtlichen Gleichstellung dran sind. So wird in etwa auch das für und wider des Tragens eines Kopftuchs besprochen oder darüber nachgedacht, warum es keinen weiblichen Imam gibt. Dies immer aus dem Blick einer Muslima heraus, ehrlich reflektiert.

Was mich besonders angesprochen hat war, wie auf einfache und wenig aufrührerische Weise hier ein anderes, offeneres und zum Nachdenken einladendes Bild des Islams gezeichnet wird, fern von Zwang und offen für den Dialog. Wer den Islam verstehen lernen will und vielleicht auch selbst zum Nachdenken über den eigenen Glauben angeregt werden will, findet mit diesem Buch den besten Einstieg.

Erhältlich bei: C.H.Beck; Titel: „Der Islam für Kinder und Erwachsene“ von Lamya Kaddor und Rabeya Müller; Preis: 20€. ISBN 978-­3-­406­-64016­-2.

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