„Talitha kumi!“ – Eindrücke vom ELCB Biblecamp in Botswana

Talitha kumi“ – „kleines Mädchen, steh auf!“: Das war das Motto des diesjährigen Bibelcamps der VEM (Vereinte Evangelische Mission), das vom 14. – 18. März in Gaborone, Botswana, ausgerichtet von der ELCB (Evangelical Lutheran Church in Botswana), stattfand und an dem ich gesponsert durch die VEM und die Lippische Landeskirche teilnehmen durfte.

„Talitha kumi“, das sind die aramäische Worte Jesu, die er an ein gerade verstorbenes Mädchen richtet, um sie aufzuerwecken (Mk 5, 21–43). Diese Worte sollten das Ziel des Camps beschreiben: Das kleine Mädchen in uns selbst erwecken, den heiligen Geist in uns spüren und die frohe Botschaft in die Welt tragen.

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Foto: privat

Bei der Begrüßung erhielten wir einheimische Namen

Bevor das eigentliche Camp startete, reisten wir Deutschen und die „Vorhut“ aus Namibia schon am 7. März an, um fünf Tage bei einer Gastfamilie zu verbringen und das Leben in Botswana kennenzulernen. Edmund aus Namibia und Eva und ich aus Deutschland waren in Otse, ein ca. 2000 Seelen Dorf in der Nähe Gaborones.

Nach einer aufregenden Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups wurden wir begrüßt und erhielten einheimische Namen. Ich wurde „Naledi“ getauft, was „Stern“ bedeutet. Nach einem zweistündigen Marsch durch die sengende Mittagssonne bei 40°C erreichten wir das Haus, in dem ich für die nächsten Tage wohnen sollte. Da die Gastfamilie leider auf einer Hochzeit verweilte, wanderten wir den Weg wieder zurück und ich hatte mit einem argen Sonnenbrand zu kämpfen.

Gottesdienst in Botswana

Interessant war das Prozedere vorm und beim Kirchgang: Noch vorm Gottesdienst (um 7 Uhr morgens obwohl der Gottesdienst um 10 startete) wurden Vetkoeks (eine Art Brötchen) gebacken, das Haus geputzt, gebadet und die Sonntagskleider gebügelt. Baden war übrigens gar nicht so einfach: In Botswana wäre normalerweise Regenzeit, jedoch bleibt der Regen aus und alle behelfen sich aus ihren privat angelegten Wassertanks. Mir wurden die Haare geflochten, sodass ich  sie mir nicht waschen brauchte.

In der Kirche müssen Frauen einen Rock tragen und alle waren schwarz/weiß angezogen, wie es in Botswana zur Fastenzeit üblich ist. Der Gottesdienst war ähnlich wie ein deutscher, lutherischer Gottesdienst aufgebaut, nur dass er drei Stunden gedauert hat und es ein ständiges Kommen und Gehen gab, zwischendurch Lieder eingeschoben wurden und die Jugendgruppe (inklusive uns Internationalen) spontan als Chor ein Lied singen sollte. Dass ich nicht gerne und auch nicht gut singe, war dort für alle unverständlich. Die Kollekte ist ein ganz besonderes Ereignis: Jeder geht oder eher tanzt singend nach vorne, um seine Spende abzugeben.

Kultur zwischen „Sour Porridge“ und „Mau Mau“

Die restliche Zeit in dem Dorf verbrachten wir meist mit der Jugendgruppe, die mit uns auf einen Berg wanderte, uns auf traditionelle Weise zeigte, wie Bohnen von ihrer Schale getrennt wurden und mit uns eine ältere Frau besuchte, die zu gebrechlich war, um in die Kirche zu kommen. Wir haben mit ihr gebetet, gesungen und Edmund hat eine kleine Andacht gehalten. Wir haben vor allem von den Kindern in der Familie ein bisschen Tsetswana gelernt und einen Einblick in das Leben und die Kultur der Motswana bekommen.

Auch durften wir von traditionellem Essen kosten: „Sour Porridge“ – ein Weizengemisch mit Wasser aufgekocht und in der Sonne gelagert, damit es sauer wird, serviert mit einer Art Blattspinat. Da wir an unserem letzten Tag in Otse leider acht Stunden auf unseren Rücktransport warten mussten, hatten wir die Gelegenheit, unserer Gastfamilie „Mau Mau“ und andere deutsche Kartenspiele beizubringen.

In der kurzen Zeit, in der ich in der Familie gelebt habe, hatte ich den Eindruck, dass der Respekt vor älteren Menschen sehr wichtig ist und dass die Frau in der Hierarchie noch klar unter dem Mann steht. Da wir in der Familie eines angehenden Pastors untergebracht waren, habe ich mitbekommen, dass die Ausbildung von Theologen in Botswana im Moment sehr schwierig ist. Sie findet nicht an einer Universität statt, sondern in kurzen Seminaren an verschiedenen Orten, manchmal auch im Ausland.

Das Camp

Zum eigentlichen Camp reisten noch einmal ca. 200 junge Erwachsene aus Botswana, Namibia, Kamerun, Tansania und Südafrika zum Woodpecker (der Tagungsstätte) an und als wir alle, nach vielen Diskussionen (Nationalitäten gemischt) untergebracht waren, konnte das Camp starten. Jeden Abend und jeden Morgen gab es eine Andacht, in der vor allem Musik (Gesang und Schlaginstrumente) eine große Rolle spielte.

Die Tage waren gefüllt mit Workshops, Diskussionsgruppen und Spielen. Mein Workshop (kreatives Schreiben) besuchte leider nur ein Mädchen, aber dafür haben wir drei Stunden an einem Gedicht über Hoffnung gefeilt, hatten tiefsinnige Gespräche und haben versucht ein Gedicht zu verfassen, dass jede Sprache des Camps beinhaltet. Ein besonderes Highlight war für mich, dass meine Teilnehmerin sich traute das Gedicht vor allen Campteilnehmern am Abend der „Talent Show“ vorzutragen.

Außerdem fanden Workshops über Inklusion, deutschen Worship, Jugendevangelisation, Ökumene, namibische Klicklaute und stilles Beten statt. Beeindruckend fand ich den Tiefgang in einer Diskussionsgruppe über den Klimawandel. Für jeden war dieses Thema ein wichtiges Anliegen, doch bezeichnend war, wer aus welchem Land kam und wie unterschiedlich groß das Vorwissen angelegt war.

Zum Abschluss fand am Sonntag ein großer internationaler Gottesdienst mit Abendmahl unter freiem Himmel statt. Wir wanderten mit unseren Stühlen immer dem Schatten hinterher, sodass sich in den vier Stunden das Bild ständig änderte. Auch hier galt es zu improvisieren: So wusste die deutsche Pastorin aus dem VEM-Team gar nicht, dass sie das Abendmahl feiern sollte und es wurde schnell ein Talar von einer einheimischen Pastorin organisiert. In der Predigt, wie im gesamten Camp fehlten mir der theologische Tiefgang und eine „Botschaft“, die ich für mich mit nach Hause nehmen kann.

Was nehme ich also mit nach Hause?

Was nehme ich also stattdessen mit nach Hause? Auf jeden Fall habe ich Geduld gelernt, sowohl darauf zu warten Informationen oder auch etwas zu Essen zu bekommen, mitarbeiten zu dürfen oder abgeholt zu werden. Aber ich habe Freundschaften geschlossen mit allen Teilen Afrikas und innerhalb der deutschen Teilnehmer. Außerdem hatte ich die Chance, mein Englisch, Französisch und Afrikaans aufzubessern, sowie meinen Ekel vor Ameisen und Spinnen zu überwinden (oft gesehen Gäste in unseren Schlafzimmern). Mich anzupassen fiel mir nicht wirklich schwer, jedoch habe ich manche Dinge in der Kultur der Motswana, wie auch in der Organisation des Camps nicht verstanden.

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Foto: privat

Haben wir „Talitha kumi“ ernst gemacht? Haben wir das kleine Mädchen in uns erweckt? Vielleicht waren es die vielen kleinen Momente, in der wir Gemeinschaft gespürt haben, in denen wir ungeachtet von Sprachbarrieren gemeinsam Gottesdienst gefeiert haben, vielleicht das berührende Taizé-Gebet am letzten Abend, die vielen spontanen Tänze, die Musik, die lachenden Menschen, meine Gastfamilie, die Menschen in Otse und das wunderschöne Land. Auf jeden Fall gab es das gesamte Camp über eine besondere Stimmung, die hoffentlich jeder Teilnehmer in seinem Herzen mit nach Hause getragen hat.  Ich nehme ein größeres Verständnis mit nach Hause, eine größere Toleranz, aber auch die Gewissheit, dass ich viele Dinge anders machen würde und dass ich froh und dankbar bin, in Deutschland eine so gute, tiefgehende und fundierte theologische Ausbildung bekommen zu dürfen.

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3 Kommentare anzeigen

  1. Danke für den schönen Bericht! Ich wäre auch total gerne dabei gewesen beim BibleCamp, leider ist das mit dem Examen nicht vereinbar. Umso schöner auch hier, und nicht nur in den VEM-Medien, zu lesen, dass es eine gute Sache war!

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