Gelesen – Kosmos und Geschichte von Mircea Eliade

„Wenn mich jemand fragt, in welcher Reihenfolge er meine Bücher lesen sollte, dann empfehle ich ihm stets, mit Kosmos und Geschichte zu beginnen.“ – Mircea Eliade

Wie sieht sich der Mensch im Verhältnis zur Geschichte? Wie erträgt er Leid und wie deutet er Erfreuliches? Welchen Sinn erblickt der Mensch in seiner eigenen Existenz? Auf diese und weitere Fragen will Religionswissenschaftler und Philosoph Mircea Eliade (†1986 in Chicago) eine Antwort in seinem Buch „Kosmos und Geschichte – Der Mythos der ewigen Wiederkehr“ geben. Auf recht anschauliche Art und Weise vergleicht er dabei, anhand zahlreicher Beispiele, den archaischen Menschen mit dem Menschen der Moderne und zeigt deren grundlegend andere Sicht auf das Weltgeschehen auf.

Während sich der Mensch heute als Gestalter der Geschichte versteht, sah er sich in früheren Zeiten dazu verpflichtet die Zeit durch Rituale kontinuierlich zu erneuern und so die erste, von einem Gott oder einem Heroen begangene, Schöpfungshandlung zu wiederholen. Interessant ist auch sein Vergleich zwischen dem heutigen, nach Individualismus strebendem, Menschen und dem archaischen Menschen, welcher seine Erfüllung darin sah, dem Bild eines Archetypen nachzueifern. Des Weiteren zeigt er auf, wie der Mensch es verstand, jedes Ereignis – sei es nun von großer Bedeutung oder nicht – in ein Schema einzuordnen und sich so der Vorstellung, die Zeit sei ein Fluss und kein Zyklus, entgegen zu stellen. Interessant ist dies vor allem dann, wenn er sich der Analyse widmet inwieweit sich einige dieser archaischen Vorstellungen auch noch bis in die heutige Zeit hinein erhalten haben. So zeigt er z.B. wie sich im Christentum, mal mehr mal weniger, die archaische Vorstellung der Erneuerung der Zeit in vielen Ritualen erhalten hat oder wie im Judentum das Leid, als Gott gewollt, half die geschichtlichen Ereignisse, wie das babylonische Exil, erträglich zu machen.

Wer gewillt ist Religion als Ausdruck der Sehnsucht des Menschen und unabhängig vom Glauben zu verstehen, dem hilft dieses Buch gewiss über den eigenen Horizont hinaus zu blicken und vielleicht sogar seine eigenen Vorstellungen von Religion neu zu überdenken und so die Grundlagen des Glaubens mit der Glaubenspraxis, der Religion, zu vergleichen. So wird es mitunter verständlicher, warum Gläubige der katholischen Kirche früher und heute auf die Hilfe Heiliger hoffen oder warum z.B. der japanische Buddhismus in seinen Vorstellungen soweit von seinen Ursprüngen entfernt zu sein scheint.

Uneingeschränkt zu empfehlen ist diese Buch für jeden, der bereit ist sich auf das Thema einzulassen und darüber zu reflektieren. Gerade im Blick auf die Arbeit innerhalb der Ökumene und im interreligiösen Dialog, sowie auch im Bereich der praktischen Theologie, sind die hier gesammelten Beobachtungen absolut zuträglich und können einem tiefer gehenden, gegenseitigen Verständnis nur zugutekommen.

Erhältlich bei: Verlag der Weltreligionen; Titel: „Kosmos und Geschichte – Der Mythos der ewigen Wiederkehr“ von Mircea Eliade; Preis: 9€. ISBN 978-3-458-72004-1.

Mehr über den Autor erfährst du im Blog von Patrick Freitag http://patrickfreitag.wordpress.com/.

Schlagwörter: ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.