Beschluss der Vollversammlung Nr. B.2009-03.02
Beschluss Nr. B-2009-03.02
der Vollversammlung des Studierendenrates Evangelische Theologie
auf ihrer Tagung vom 23.-25. Oktober 2009 in Greifswald
zu
An den Rat der EKD
Offener Brief: Anlässlich Ihrer Wahl
Sehr geehrte Frau Ratsvorsitzende Dr. Käßmann,
im Namen der Studierenden der Ev. Theologie gratulieren wir Ihnen vom Studierendenrat Evangelische Theologie (SETh) herzlich zu Ihrer Wahl zur Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Der SETh als der offiziellen Interessenvertretung aller in Deutschland immatrikulierten Studierenden der Ev. Theologie möchte dieses Schreiben zum Anlass nehmen, Sie auf einige wichtige Punkte hinzuweisen, die uns besonders am Herzen liegen.
Das Studium der evangelischen Theologie sieht sich mit weitreichenden Veränderungen konfrontiert. Durch den Bologna-Prozess hat sich die klassische Gestalt des Studiums strukturell und inhaltlich erheblich verändert: Ab diesem Wintersemester studieren an den meisten Ev.-Theol. Fakultäten, Fachbereichen und Kirchlichen Hochschulen alle Neuimmatrikulierten in einem durch Module strukturierten Studium. Das bedeutet vielerorts neue Prüfungsbelastungen, ständige Bewertung mit Leistungspunkten und langfristig wohl Einschränkungen der Vielfalt im Lehrangebot. Das strikte Curriculum, neuer Leistungsdruck durch die verengte Studienstruktur, Studiengebühren und durch Unterfinanzierung geprägte mangelhafte Ausstattung und Lehre an den Hochschulen erschweren das Studium erheblich und steigern die AbbrecherInnenquote unnötig. Zudem sind viele Lehrstühle und mancherorts sogar ganze Fachbereiche von der Streichung bedroht (die Fakultät in Erlangen und die Kirchliche Hochschule in Bethel sind die jüngsten Opfer der bundesweiten Sparpolitik). Aber auch viel allgemeiner verändert sich das Studium, das sich durch den politischen Druck der Effizienz und Markttauglichkeit beugen muss. Freie universitäre Bildung verkommt mehr und mehr zur bloßen Ausbildung! Schwerpunktsetzungen, theologische Profilierung, selbstorganisiertes Lernen und Persönlichkeitsentwicklung während des Studiums sind durch die neuen Rahmenbedingungen gefährdeter denn je.
Uns als Studierenden der Ev. Theologie geht es deshalb darum, dass auch in Zukunft das Theologiestudium seinen festen Platz an der Universität hat, es durch eine große Bandbreite in der Lehre attraktiv bleibt und die theologische Bildung stets Vorrang vor einer „marktorientierten“ Ausbildung hat. Nicht nur für künftige PfarrerInnen ist es unerlässlich, unabhängig von der eigenen finanziellen Situation und den allgemeinen Rahmenbedingungen Schwerpunkte im Studium setzen und selbstorganisiert und vor allem selbstverantwortet ein theologisches Profil entwickeln zu können.
Wir hoffen, mit Ihnen eine starke Mitstreiterin für ein freies, universitäres und breitgefächertes Theologiestudium zu gewinnen. Über ein Gespräch mit Ihnen würden wir uns sehr freuen und sind auch an einem sich daraus entwickelnden Dialog interessiert. Gerne begrüßen wir Sie außerdem an unserem Stand auf dem Ökumenischen Kirchentag in München, den wir zusammen mit unserer katholischen Schwesterorganisation AGT vorbereiten, oder auf einer unserer Tagungen. Als Ansprechpartner steht ihnen unser Leitendes Gremium jederzeit zur Verfügung.
Für Ihr neues Amt wünschen wir Ihnen eine glückliche Hand und Gottes Segen!
Hochachtungsvoll
Studierendenrat Evangelische Theologie | Die Vollversammlung | i.A. Jan Ehlert
Im Namen der Vollversammlung
Mareike Gintzel & Jan Ehlert
Das Leitende Gremium | Studierendenrat Evangelische Theologie
Die Veröffenttlichung erfolgt unter dem Vorbehalt der Korrektur von Fehlern durch das Leitende Gremium.
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