Für Kreuze ohne Haken
Eine Stellungnahme der evangelischen und katholischen Theologiestudierenden wider politischen Extremismus.
rechte Gewalt - Alle 26 Minuten findet in Deutschland eine rechtsradikal motivierte Straftat statt. Alle 8 Stunden ein Angriff von Neonazis. Diese erschreckende Wahrheit offenbarte der Verfassungsschutzbericht vom Mai 2009. Diese Zahlen und der Rechtsruck in Europa bei den zurückliegenden Wahlen sind Anlass für uns Theologiestudierende in Deutschland, klar Stellung zu beziehen.
Wie erklärt sich eine solche Entwicklung? Der „typische Neonazi“ ist längst nicht mehr nur der kahlgeschorene Springerstiefelträger wie es in früheren Zeiten das übliche Klischee-Bild gewesen ist: (Rechts-)Radikales Gedankengut verbreitet sich in letzter Zeit immer mehr in allen Schichten der Gesellschaft. Jugendlichen bietet die „Szene“ scheinbar Halt und Perspektive. Politisch Frustrierten eröffnet sie scheinbar Anerkennung und die Möglichkeit einer Alternative. Die radikale Botschaft der Extremisten wird dabei geschickt in scheinbar gut bürgerlichen Werten wie Heimat und Familie versteckt. Doch ist dies nur eine Verharmlosung, denn dahinter verstecken sich Rassismus, Menschenverachtung und die bedingungslose Bereitschaft zur Gewalt.
Aus dem Versagen weiter Teile der Kirchen während des Dritten Reiches, aber auch aus dem mutigen Widerstand Einzelner erwächst uns heutigen Christen eine besondere Verantwortung: Wir müssen diesen Tendenzen entschieden entgegentreten, unter Verurteilung jeglicher Gewalt, wie sie auch in der linksextremen Szene immer mehr zum Mittel wird. Nicht nur politische Institutionen tragen die Gesellschaft, sondern jeder Einzelne ist aufgerufen, aktiv zu werden. Es reicht nicht mehr aus, sich nur im Privaten von verfassungsfeindlichem Gedankengut abzusetzen. Vielmehr muss es immer wieder thematisiert werden – im kleinen Kreis wie auch in der Gemeinde. Eine selbstverständliche Abgrenzung ist hier nicht genügend. Die Kirche muss aufklären über Strategien, über die Verharmlosung, über Menschenbild und Gesinnung. Sie muss der rechten Szene, wo nötig, entschieden entgegentreten. Und sie sollte, soweit sie dazu die Möglichkeiten hat, den Jugendlichen in den Regionen, in denen rechte Gruppierungen besonders starken Zulauf haben, attraktive Freizeit-und Bildungsmöglichkeiten anbieten, um sie zu schützen.
Aber nicht nur die Kirche ist gefragt, die ganze Gesellschaft steht in der Pflicht! Denn eine rechte Gesinnung greift ihr Fundament, die auf den Menschenrechten fußende Demokratie, an sowohl durch ihr Denken als auch durch ihre Taten. Unser Ziel ist daher keine parteipolitische Positionierung, sondern wir rufen jeden Einzelnen auf, aufmerksam und sensibel zu sein! „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ (Mt 7,15)
Studierendenrat Evangelische Theologie | Die Vollversammlung, Juni 2009 in Göttingen
AGT Bundesfachschaft kath. Theologie
