Studierendenrat           

Evangelische Theologie                  

 

 

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Stellungnahme des Studierendenrates Evangelische Theologie (SETh)

zu Studiendauer und Studienzeitverkürzung

im Studiengang Evangelische Theologie

 

Verabschiedet durch die SETh- Vollversammlung 10.-12. Juni in Bochum.

 

Nur einem geringen Teil der Studierenden der Evangelischen Theologie (Pfarramtsstudiengang) gelingt es, das Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. Auf der Basis einer Umfrage unter Studierenden – es wurden über 70 Fragebögen von Studierenden unterschiedlicher Fakultäten ausgewertet – sollen in dieser Stellungnahme Gründe für diese Studienzeitverlängerung beschrieben und mögliche Lösungsansätze dargestellt werden.

Viele Studierende äußern den Wunsch nach verstärkter Strukturierung insbesondere des Grundstudiums. Bei genauerer Betrachtung steht hinter diesem Wunsch nicht das Bedürfnis nach Reglementierung und Kontrolle, sondern nach effizienter und kompetenter Beratung in allen Phasen des Studiums, die zuverlässige Orientierung ermöglicht.

Ziel ist nicht ein Studium, das, ohne nach links und rechts zu blicken, schnurgerade auf das Examen zuläuft. Die Freiheit eines individuellen Studiums kann aber nur nutzen, wer über solide Grundlagen verfügt.

 

1. Studieneingangsphase – „mehr Orientierung“

 

Orientierungsphase

„Man braucht lange, um sich darüber klar zu werden, was die ‚Basics’ sind und wie man sie sich aneignet.“ (aus einem studentischen Fragebogen)

Trotz positiver strukturierender Effekte durch die Zwischenprüfung haben Viele Studierende haben in den ersten Semestern noch keine Vorstellung von den exakten Anforderungen, die sie bis zur ZP erbringen müssen. Erschwert wird die Orientierung in dieser Phase durch unzureichende Beratung, in der den Studierenden bisweilen gänzlich davon abgeraten wird, neben den Sprachen andere Veranstaltungen wie Übungen oder Proseminare zu besuchen. So werden nicht selten schon während der Spracherwerbsphase die Weichen für eine verspätete Zwischenprüfung gestellt.

Die verpflichtende Studienberatung zu Beginn und am Ende des ersten Semesters muss den Studierenden deutlich machen, welche Anforderungen sie in welchem Zeitrahmen zu erfüllen haben und sie dazu ermutigen, so bald wie möglich neben den Sprachkursen ausgewählte, zwischenprüfungsrelevante  Veranstaltungen, auch mit Blick auf die Zwischenprüfung, zu besuchen.

 

Einführung in das Theologiestudium

Die Lehrveranstaltung „Einführung in das Theologiestudium“ sollte neben der theoretischen Einbettung der Theologie in Wissenschaft und Kultur und der Einführung in das praktische wissenschaftliche Arbeiten auch eine Einführung in die aktuelle Prüfungsordnung leisten. Dabei ist es wichtig, dass Lehrende und Studienberater miteinander in Kontakt bleiben und die Studierenden gleich zu Beginn des Studiums kompetent informieren.

 

Sprachkurse

Sprachkurse verlängern die Studienzeit vor allem durch fehlende Feriensprachkurse und zu hohe Durchfallquoten. Letztere werden häufig durch schlechte Rahmenbedingungen verursacht und dürfen nicht auf die Studierenden zurückgeführt werden. Häufig sehen sich die Teilnehmer mit einer unrealistischen Leistungsanforderung des Dozenten konfrontiert. Verstärkt wird der Druck in den Sprachkursen oftmals durch Kommunikations- und Motivationsprobleme auf beiden Seiten.

Sprachkurse müssen so strukturiert sein, dass auch durchschnittlich begabte Studenten bei angemessenem Arbeitsaufwand die Sprachprüfung in der Regel beim ersten Versuch bestehen. Außerdem ist es notwendig, flächendeckend Feriensprachkurse einzuführen, die sinnvoll mit den entsprechenden Semesterkursen zu koppeln sind. Um in der relativ kurzen Zeit, die für den Spracherwerb zur Verfügung steht, Übung und Routine zu ermöglichen, sollten Tutorienangebote durch ältere Studenten (auch finanziell) unterstützt und gefördert werden.

 

Proseminare

Im Proseminar soll an einem ausgewählten Inhalt beispielhaft die Methode wissenschaftlichen Arbeitens eingeübt werden. Das angestrebte Globalziel ist dabei primär die Methodenkompetenz und darf nicht zugunsten des Inhaltes verschoben werden. Analog dazu werden in der Proseminararbeit die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens abgeprüft. Dies kann in durchaus begrenztem Umfang und innerhalb einer relativ kurzen, vorgegebenen zeitlichen Frist geschehen, um das „Verschleppen“ von Proseminararbeiten zu verhindern.

Das Proseminar sollte auch als Chance genutzt werden, einen Überblick über das eigene Fach mit dem Ziel des eigenverantwortlichen Studierens zu geben. So kann es die Kompetenz vermitteln, Themen und Veranstaltungen einzuordnen und Irritationen über „Pflicht“ und „Kür“ zu vermeiden.

 

Überblicksveranstaltungen/Vorlesungen

Bei fast allen Studierenden besteht der Wunsch nach Überblicksveranstaltungen die sich nicht im Detail verlieren. Jede Fakultät muss sicherstellen, dass das eingeforderte Grundlagenwissen auch regelmäßig gelehrt wird. Der vier- bis fünfgliedrige Turnus der Kirchengeschichte kann dabei als Vorbild gelten, während gerade in der Systematischen Theologie vielerorts Defizite bestehen.

Zur Sicherstellung eines regelmäßigen Angebotes von Überblicksveranstaltungen dienen verbindliche Curricula. Außerdem müssen von den Dozenten hochschuldidaktische Grundüberlegungen eingefordert werden, denn die Lehre an der Universität soll den Studenten (auch im Grundstudium) dienen. Der Auswahl von Themen für ein Semester sollte also auch die Überlegung vorangehen, was den Studenten für ein sinnvolles Studium nützt. Vorlesungsprüfungen dienen dem Einüben von Prüfungssituationen sowie der Ertragssicherung – auch schon im Hinblick auf das Abschlussexamen - und sollten von den Lehrenden offensiv angeboten werden.

 

Zeitpunkt der Zwischenprüfung

Wer die Zwischenprüfung erst zum letztmöglichen Zeitpunkt ablegt, verpasst häufig den Anschluss an die Regelstudienzeit. Dies muss bei der Studienberatung von Anfang an mehr als deutlich gemacht werden!

[[Zur Frage nach Strukturierung/Modularisierung

Viele Studenten wünschen sich gerade in der Anfangsphase ihres Studiums mehr Strukturierung bis hin zu einer festen Stundenplanvorgabe. Offen bleibt dabei, wer den Stundenplan ausarbeitet und wer für die Kontrolle der tatsächlichen Einhaltung der Vorgaben zuständig sein soll.]]

 

2. Hauptstudium – „mehr Beratung“

 

Beratung

Nach der Zwischenprüfung entsteht bei vielen Studierenden aufgrund mangelnder Beratung der falsche Eindruck, bis zum 1. Examen nur noch wenige verbindliche Vorgaben erfüllen zu müssen. An dieser Stelle müssen die Anforderungen bis zum 1. Examen deutlich benannt werden. Nur so können orientierungslose „Bummelsemester“ vermieden werden, die allerdings nicht mit Zeiten für individuelle Schwerpunktsetzung und persönliche Entwicklungsprozesse verwechselt werden dürfen. Wichtig sind Informationen darüber, was gemacht werden muss und was darüber hinaus sinnvoll ist, auch schon mit Blick auf mögliche Schwerpunktthemen im mündlichen Examen.

 

Seminararbeiten

Es ist zu beobachten, dass die Zahl der erforderlichen Hauptseminararbeiten mit der Angleichung der Prüfungsordnungen an die RPO fast überall stark gestiegen ist. Diese werden in vielen Fällen verschleppt oder zu umfangreich und zeitintensiv angefertigt und so zu einem Hindernis für ein Studium in der Regelstudienzeit.

Deshalb sind verbindliche Abgabetermine nach individueller Absprache notwendig, um den Studenten die zügige und seminarbezogene Anfertigung zu ermöglichen. Die Erstellung der Seminararbeiten sollte begleitet und betreut werden, z.B. indem nach kurzer Zeit die Gliederung eingesehen und besprochen wird. Professoren müssen eine eingegrenzte Themenstellung und ein realistisches Anforderungsprofil vorgeben. Eine Seminararbeit ist keine Dissertation und muss innerhalb von drei bis vier Wochen konzentrierter Arbeit zu bewältigen sein. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist die Vorgabe eines verbindlichen Seitenmaximums, bei dessen Überschreitung konsequent Abzug gegeben wird. Nur so ist Chancengleichheit für alle gewährleistet.

 

Aufgaben in der vorlesungsfreien Zeit

Nach der geltenden RPO ist in den Semesterferien nach der ZP folgendes zu leisten:

            • 1-2 Gemeinde-, Diakonie- oder andere Praktika

            • 3 Hauptseminararbeiten

            • 1-2 Arbeiten in Praktischer Theologie (Homiletik und ggf. Religionspädagogik)

            z.T. Philosophicum

            • Zulassungsarbeit.

Damit sind nach der ZP bis zu acht Semesterferien quasi blockiert, da es den meisten Studenten nicht möglich ist, mehrere Anforderungen innerhalb einer vorlesungsfreien Zeit zu erfüllen.

Beispiel: Eine Studentin, die ihr Studium in der Regelstudienzeit abschließen will (bei drei nachzulernenden Sprachen 12 Semester), legt nach dem 5. Semester, und damit relativ früh, die Zwischenprüfung ab und bereitet im 11. Semester, und damit relativ kurz, das Examen vor, an dem sie im 12. Semester teilnimmt. Das bedeutet, dass sie alle oben genannten Anforderungen zwischen dem 6. und 10. Semester bewältigen muss.

Dies ist zu schaffen, wenn Studenten nicht für ihren Lebensunterhalt nebenher arbeiten müssen. Zusätzliche Probleme treten allerdings auf, wenn

            • die ZP bereits verhältnismäßig spät abgelegt wurde,

            • ein Studienortwechsel Verzögerung bereitet,

            • Studenten Schwerpunktgebiete vertiefen, die nicht examensrelevant sind,

            • Studenten mit Kind studieren,

            • Studenten ehrenamtlich oder hochschulpolitisch engagiert sind,

            • Studenten in persönliche Krisen geraten.

Eine Modularisierung des Studiums an sich bringt für diese Probleme keine Lösung, gefragt ist vor allem eine Reduzierung der Anforderungen.

 

Übungen

Übungen dienen nicht dazu, dass Assistenten üben, Seminare zu halten. In einer Atmosphäre, die sich häufig durch kleine Gruppen und geringen Leistungsdruck auszeichnet, sollten Textverständnis, mündliche Prüfungen und Klausuren geübt werden. Das Wiederholen von Methodenarbeit kann der Wissenssicherung des Stoffes aus dem Proseminar dienen und vielen Studenten auch im Hauptstudium helfen, wissenschaftlich zu arbeiten. Außerdem sollten Übungen die Möglichkeit bieten, frühzeitig vor dem Examen Überblicksdefizite ausfindig zu machen und auszugleichen.

 

3. Examensphase – „mehr Mut“

 

Nach einem gründlichen Studium und einem Semester wissensstrukturierender Examensvorbereitung sollte ein Student gute Voraussetzungen haben, die Abschlussprüfung zu bestehen. Eine offenbar zunehmende Zahl von Theologiestudenten sieht dies jedoch anders: Vorbereitungszeiten von zwei Semestern, in einigen Fällen sogar noch mehr, sind an vielen Fakultäten zur Regel geworden.

 

Wann beginnt Examensvorbereitung?

Immer mehr Studenten beginnen mit der so genannten „Examensvorbereitung“ schon mehrere Semester vor dem Studienabschluss. Sie fangen an, Repetitorien zu besuchen und suchen ihre Veranstaltungen gezielt mit Blick auf das Examen aus, haben aber häufig noch längst nicht alle Seminararbeiten geschrieben. Grundsätzlich ist diese Entwicklung nicht zu kritisieren, allerdings kann ein solches Verhalten andere Studenten verunsichern und davon abhalten, nach einer kurzen, konzentrierten Lernphase das Examen abzulegen. Auf jeden Fall ist diese Begriffsverschiebung mitzubedenken, wenn von der Länge der Examensvorbereitung gesprochen wird.

 

Examensängste

Das Gefühl, durch das bisherige Studium nicht ausreichend für die Prüfungen gerüstet zu sein, führt zu einer starken Nachfrage nach Repetitorien, die nach Möglichkeit in jedem Fach besucht werden und die für viele Studenten der Inbegriff von Examensvorbereitung sind.

Den zentralen Inhalt der Examensvorbereitung bildet jedoch der Rückgriff auf bereits erarbeitetes Wissen aus Veranstaltungen, die im Lauf des Studiums besucht wurden. Repetitorien sollten deshalb in einer individuell gestalteten Phase vor dem Examen nicht in allen, sondern nur in den Fächern besucht werden, in denen es nicht ausreicht, belegte Veranstaltungen nutzbar zu machen und kleinere Lücken in Eigenarbeit zu ergänzen. Eine derartige Gestaltung der Examensphase, zu der von den Studienberatern eindeutig geraten werden sollte, führt zum einen dazu, dass den Studenten bewusst wird, was sie bereits alles gelernt haben und relativ leicht wieder lernen können, zum anderen zur Verkürzung der Examensvorbereitung auf ein Semester, da nicht mehr das ganze „Programm“ an Repetitorien abgedeckt werden muss. Nachzudenken wäre neben den fachbezogenen Repetitorien über die Einführung einer Übung, in der fächerübergreifend Lernstrategien und Zeitmanagement sowie mündliche und schriftliche Prüfungssituationen eingeübt werden.

 

Wissenslücken

Neben Prüfungsangst, für die es keinen Anhaltspunkt beim Wissensstand gibt, führen auch echte Defizite zur Verschiebung des Examens nach hinten. Studenten versuchen, einen nicht vorhandenen Gesamtüberblick in den Repetitorien, die ja ihrem ursprünglichen Wortsinn nach bereits Gelerntes wiederholen und systematisieren sollen, zu erhalten. Repetitorien können jedoch Wissenszusammenhänge, die im Grund- und Hauptstudium nicht erworben wurden, nicht oder nur dahingehend herstellen, dass sie die Studenten in kurzer Zeit auf ein „Standardwissen“ bringen, das nur ein elementares Stoffgerüst darstellen kann.

 

Das Examen als Abschluss des Studiums

Die Studienberatung sollte schon im Hauptstudium das Examen deutlich im Blick haben. Wie bei der Verzögerung der Zwischenprüfung gilt auch hier: wem es im Hauptstudium nicht gelingt, die nötigen Zusammenhänge herzustellen, der muss mit einer überlangen und äußerst arbeitsintensiven Examensvorbereitung rechnen, die vielleicht sogar ihr eigentliches Ziel, die Vernetzung und Systematisierung bereits vorhandenen Wissens, nicht erreichen kann. Eine zielgerichtete und komprimierte Examensvorbereitung, und damit der letzte Schritt zu Studienabschluss nach der Regelstudienzeit, setzt deshalb ein weitsichtiges und strukturiertes Studium voraus. Dieser Verantwortung müssen sich Lehrende und Lernende in jeder Studienphase bewusst sein. Gerade eine gute Beratung und Begleitung im Studium nimmt den Studierenden den Druck der Orientierungslosigkeit, bringt das Verhältnis von angebotener Lehre und Bedürfnissen der Studierenden ins Gleichgewicht und gibt die Freiheit zu einer individuellen Schwerpunktsetzung und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.