Zum hundertsten Mal
Als Isaak geboren wurde, war Abraham 100 Jahre alt (Gen 21,5). Der Vorhof des Tempels in Jerusalem war 100 Ellen lang. Für den Vorhang des dortigen Heiligtums wurden aus 100 Zentnern Silber 100 Füße gefertigt (Ex 38,27). 123 Bereitschaftspolizisten werden doch nur als Hundertschaft bezeichnet. Und "das habe ich dir doch schon 100 Mal gesagt" ist wohl einer der beliebtesten Sätze für ungeduldige Eltern und streitende Paare. Warum eigentlich immer 100? Warum nicht 83 oder 257? Irgendwie wirkt die Hundert vollkommen, groß, symbolisch. Die Grenze zur Dreistelligkeit wird durchbrochen, eine ganz neue Dimension bricht an, zumindest seit wir im Dezimalsystem rechnen. Nur was 100%ig vollständig ist ist wirklich ganz, niemand würde auf die Idee kommen statt Prozent - also "von 100" - Prononagint, was in etwa "von 90" heißen würde, zu sagen. Nur beim Grad der Bewölkung rechnen Meteorologen in Achteln, aber das ist zu vernachlässigen: Im Allgemeinen kommen wir um die 100 nicht herum.
Auch unsere Kolumne auf theologiestudierende.de nicht. Auch wir müssen uns irgendwann der Macht der großen Zahl stellen. Genauer gesagt: Heute. Seit 100 Wochen gibt es jede Woche unsere kleine Kolumne. Dieser Text hat in unserem Kolumnenplan die laufende Nummer... na, erraten? Genau 100. 100 kurze Texte von verschiedenen Autoren, mal witzig, mal nachdenklich, mal kurzweilig, mal erheiternd und manchmal auch ein bisschen befremdlich. Wir haben also mal wieder einen Grund uns selbst zu beweihräuchern und die Sektkorken knallen zu lassen. Oder vielleicht nicht? Schreibt uns eure Meinung zur wöchentlichen Moment mal! Aber bis ihr uns damit auf den Boden der Tatsachen zurückholt lassen wir es erstmal krachen. In vier Wochen dann wieder, dann feiert die Kolumne nämlich ihren 2. Geburtstag.
