Wenn Margot Käßmann ein Mann wäre...
Ok, Margot Käßmann hat einen Fehler gemacht und hat die Konsequenzen dafür gezogen. Das hat sie gut gemacht und sich mit diesem Schritt ihre Glaubwürdigkeit und Integrität erhalten. Dass so ein Thema natürlich auch Anlass vieler Diskussionen ist, ist erst einmal in Ordnung.
Was aber nervt ist, dass der Rücktritt von Frau Käßmann dazu benutzt wird um zu diskutieren, ob sie hätte im Amt bleiben können, wenn sie ein Mann gewesen wäre oder anders herum wird gefordert, dass mehr Frauen in höhere Positionen gehören, weil sie mit ihrem Posten verantwortungsvoller umgehen als Männer. Beispiele von Männern, die trotz Eskapaden im Amt geblieben sind, werden in den letzten Tagen zuhauf wieder ausgegraben.
Dabei ist es doch kein geschlechterspezifisches Thema, ob man konsequent ist und von sich dasselbe verlangt wie von anderen oder ob man lieber nur mit dem Finger auf andere zeigt und bei sich selbst eine Ausnahme macht.
Margot Käßmann hätte doch die Wahl gehabt auch im Amt zu bleiben, es war aber ihre Entscheidung es nicht zu tun, weil sie dann ihre Position als jemand, der offen ethische Missstände anspricht, nicht mehr glaubwürdig vertreten könnte. Diese Entscheidung ist zu bewundern und man kann froh sein, dass sie so konsequent war.
Natürlich verlieren wir eine große Frau aber sie hat doch auch mit ihrem Rücktritt Größe bewiesen, denn es ist viel leichter anderen Fehler aufzuzeigen und dann bei sich selbst geflissentlich darüber hinweg zu sehen. Aber so ist Margot Käßmann nun einmal nicht und das macht sie doch auch aus!
Diese Charakterstärke hat nichts mit dem Geschlecht zu tun: ein Mann hätte diesen Schritt ebenso tun können wie eine Frau.
Mit Margot Käßmann haben wie auch eine der wenigen Frauen in kirchlichen Führungspositionen verloren und sie wird schwer zu ersetzen sein. Aber das auf die Männer zu schieben, weil einige trotz Eskapaden im Amt geblieben sind und dann zu behaupten, wäre Frau Käßmann ein Mann hätte sie auch bleiben können, ist einfach nicht angebracht. Es stimmt einfach nicht. Frau Käßmann hätte im Amt bleiben können, wenn sie gewollt hätte. Der Rat stand völlig hinter ihr und hat ihr doch die Entscheidung offen gelassen.
Genauso albern scheint die Forderung, dass mehr Frauen in Führungspositionen gehören, weil sie mit der Verantwortung für ihr Amt besser umgehen. Ja, es göhren mehr Frauen in Führungspositionen, aber zu behaupten sie seien aufgrund ihres Geschlechts besser geeignet, entbehrt jeder Grundlage.
Auch eine Frau hätte sich doch dafür entscheiden können, trotz Fehltritt im Amt zu bleiben. Die Konsequenz zu haben von sich dasselbe zu verlangen wie von anderen und sich als Vorbild ernst zu nehmen und mit gutem Beispiel voran gehen zu wollen ist eine Sache des Charakters und nicht des Geschlechts.
Also bitte, bitte hört auf, den Rücktritt von Frau Käßmann als Möglichkeit die Geschlechterdebatte voranzutreiben zu sehen und würdigt doch einfach Mal die Größe, die sie damit bewiesen hat. Es war ihre Entscheidung und das ganze "Was-wäre-wenn" hilft keinem weiter und geht mir jedenfalls auf die Nerven.
Danke.
| Was ist deine Meinung? | Hat Frau Käßmann mit ihrer Entscheidung Größe bewiesen? |

geschlechterdebatte
danke maike, hatte auch das gefühl, dass mittlerweile zwischen schwarzer und vollmer über alles mögliche geredet wird, ohne mal zu lesen, was käsmann selbst bei ihrem rücktritt eigentlich gesagt hat. auch wenn der vergleich stark hinkt, gibts übrigens auch ein beispiel von einem bischof, der nicht an seinem stuhl geklebt hat: als hier in mitteldeutschland die fusion der kirchen war, hat bischof noack quasi sein eigenes amt abgeschafft, obwohl er noch ein paar jahre übrig hatte und z. b. auf eine doppelspitze als übergang hätte pochen können. vielleicht sollte man sich auch mal gedanken machen, ob es keine geschlechterfrage ist, sondern der unterschied zwischen christlichem zusammenleben und kapitalistisch geprägter gesellschaft (auch wenn der "dritte weg", etc. ja nicht immer ein glorreiches kapitel ist).