Würdest du schießen?
Vermehrt habe ich den Eindruck, dass es unter (angehenden) Theologen in Mode ist, auf die Bundeswehr herabzusehen nach dem Motto: "Das sind soch die aggressiven Typen, die gerne Krieg haben und immer gleich schießen wollen." Da wird dann gerne der Pazifist herausgekehrt, der Umgang mit Waffen ganz schlimm findet. Solche Tendenzen hatte ich auch, bis ich mich dann in einem Friedensethik-Seminar endlich vernünftig mit der Bundeswehr auseinander gesetzt habe.
Solche Aggro-Bumsköppe, die alle sofort erschießen möchten, nehmen die da nämlich auch nicht auf, da wird schon gesiebt. Und es wird sich sehr wohl darum bemüht, den Soldaten ein Gefühl für Richtig und Falsch zu vermitteln, auch wenn es nicht zu hochtrabend theologisch-ethischen Debatten kommt. Bei einem Besuch der Führungs-Akademie in Hamburg im Rahmen des Seminars lernte ich, das es darum gehe, ein Bauchgefühl anzutrainieren, denn in den Sekundenbruchteilen um die es da geht kann man nicht groß über das Für und Wider eines Schusses nachdenken. Da geht es ganz elementar um "Du oder Ich". Wenn ich dann genauer darüber nachdenke, merke ich, dass auch wenn ich mich im Allgemeinen als Pazifistin bezeichnen würde, glaube ich doch kaum, dass ich mich seelenruhig erschießen lassen würde, nur damit dem anderen Menschen nichts passiert. Sei ehrlich, du nicht auch?
Die Bundeswehr ist dazu da uns gegen Angriffe von Außen zu beschützen. Damit wir, wenn alles gutgeht, nie zur Waffe greifen müssen, die wir im Grunde verabscheuen. Bauchweh bekomme ich, wenn ich dann andere Stories von der Bundeswehr höre, wie etwa das nach Wegfall der Wehrpflicht manche der Freiwilligen nicht mehr von zu Hause einen Wertekanon mitbringen und die Bundeswehr erstmal erzieherische Arbeit a la "Wenn man ins Bett geht, zieht man die Alltagsklamotten aus und den Schlafanzug an. Davor Waschen und Zähneputzen gehört auch dazu." leisten muss. Da ist der Weg zum guten Bauchgefühl immens länger. Wenn das mal gutgeht...
Ich würde den Job der Soldaten nach wie vor nicht machen wollen, aber ich sehe ihre Arbeit heute mit anderen Augen. Danke, Bundeswehr. So Scheiße seid ihr gar nicht, ihr macht eure Arbeit gut.
