Säkulares Protestantentum aller,...
... na, aller was denn? Militant-pastoral von guten Mächten umsäuselt, gleitet es sich befangen in ein neues Jahr. "Silvester, der letzte Tag im Jahr" - na, welchen Jahres denn?
Das Kirchenjahr hat gerade erst begonnen, die Toten betrauert, das Alte hinter sich gelassen, bedächtig an Lichterketten hinübergeschwungen ins Neue. Die Advents- und Weihnachtszeit liegt schwer auf den Hüften und mahnt vorsätzlich - doch nicht grundsätzlich - an, den Gürtel enger zu schnallen: Gleich morgen oder besser noch: Übermorgen, denn vor der Tür steht Silvester.
Neben dem ausgesprochen unprotestantischen Fest - übrigens das Fest Silvesters I., Bischof von Rom im vierten Jahrhundert - begleitet von Bräuchen wie Bleigießen, Feuerwerk und Wünschen wie "Guten Rutsch" und "Prosit Neujahr" - was je nach Feierlaune ineinander übergehen kann - steht die Unart des listenweise gute Vorsätze für das Neue Jahr Machens. Vorsätze für ein Neues Jahr, das schon gar nicht mehr so neu ist.
By the way: Der Heilige Silvester starb 335 in der Silvesternacht, Pardon, am 31. Dezember, der in jenem Jahr noch eine Nacht wie jede andere war. Silvester, chronisch reisefaul oder abgefallen vom Glauben, wie ihm Kritiker immer wieder vorwarfen, erschien weder zu den fröhlichen, gemeinsamen Streitigkeiten um die Donatisten noch um den Arianismus, der auf dem 1. Konzil in Nicäa verhandelt wurde: Die Wesensart Jesu Christi? Nichts für Silvester! - Wobei beim Bleigießen doch hübsche Wesensveränderungen auftreten können. Wenn auch mehr Schoßhund der Apostelgebeine ist Silvester doch bekannt als Patron der Haustiere, Inspiration für zweifelhafte Bauernregeln, wie: "Silvesternacht düster oder klar, / deutet auf ein neues Jahr." und in Affären verwickelt, wie die "Konstantinische Schenkung". Dies sei aber wirklich nur am Rande erwähnt.
Also zurück zu den Vorsätze: Geduldiger sein, mit mir und meinen Mitmenschen. Auch einfach mal hinhören und nicht ständig überhören! - Ein guter Vorsatz für die am Beginn des Jahres stehende Zeit des Erwartens: Advent.
Keine Fressorgien mehr, Süchten - v.a. der Fettsucht - entgegenwirken: Mehr Biogemüse und weniger Schokolade! - Ein guter Vorsatz für die am Beginn des Jahres stehende Fastenzeit: Advent.
Die in der Silvesternacht in Regress genommenen guten Mächte weisen also über sich hinaus, nach hinten: In den Advent, in eine Zeit, an deren Ende eine wirkliche Veränderung, ein Aufbruch, ein Neuanfang steht bzw. liegt und zwar in einem kleinen Stall in Betlehem. Das Licht darüber weist bereits auf Ostern. Dazwischen aber fällt mitunter Feuer vom Himmel.
Seltsam, nicht wahr?
