Religiös verzogen

Priester: "Gehst Du oft in die Kirche?"

Lucie: "Kirche?"

Priester: "Na, ob Du oft mit der Mama in den Gottesdienst gehst?"

Lucie: "Ja klar, in die Synagoge gehen wir oft!"

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Priester: "Weist Du denn vielleicht was eine Hostie ist?"

Lucie: "Hostie?"

Priester: "Der Leib Christi: Fest, rund, weiß."

Lucie: "Sie meinen Oblaten!, die hat die Mama gestern zum Plätzchenbacken genommen - die sind koscher, das ist wichtig."

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So - oder zumindest ganz ähnlich, ich war nicht dabei - wird es sich zugetragen haben, als eine Freundin vergangene Woche ihre Tochter zum Erstkommunionsunterricht anmelden wollte; jetzt müssen beide Nachsitzen. Der Priester mit seinem Assessmentcenter für Minis hat nicht schlecht gestaunt. Nicht über den Vergleich Hostie - Backoblaten, das ließe der Gottesmann einer Siebenjährigen noch durchgehen, auch wenn man definitorisch noch feinjustieren könnte. Gestaunt oder empört haben wird er sich über die Sympatie mit den Heiden. Die Kleine und ihre Mama brauchen nun beide in Sachen Katholizismus Nachhilfe und ich habe einen Anlass über die religiöse Verzogenheit von Theologen, gleich welcher Konfession, zu schreiben.

Hätte der gute Hirte beim Plätzchenbacken eingehakt, hätte Lucie ihm erzählt, dass sie mit ihrer Mama Nussmakronen gebacken hat, dass sie Plätzchen ausgestochen haben - in Sternform und in Engelform - und dass sie ganz genau weiß, dass es jetzt in der Adventszeit um etwas Besonderes geht, auch wenn sie es nicht erklären kann.

Das immer heller werdende Adventslicht hat Lucie bereits in den den letzten Jahren wahr genommen und sie sieht, dass die vier dicken, roten Kerzen auf dem heimischen Adventskranz ganz ähnlich hell und warm leuchten, wie die acht Kerzen in der Chanukkia bei ihrem Freund Levi zu Hause. Sie weiß, ihr Freund entzündet in der selben Zeit, in der sie und ihre Mama Plätzchen backen, singen und Geschichten von der Ankunft eines besonderen Kindes lesen, an acht Abenden je eine Kerze mehr im Fenster, backt mit seiner Mama Plätzchen, singt und liest Geschichten über die Heldentaten von einem Mann, den sie den Hammer nannten. Das ist doch gar nicht so verschieden weiß Lucie, sie und Levi freuen sich auf diese Zeit und auf fröhlich tanzenden Kerzenflammen. Das sie Plätzchen tauschen, das ist selbstverständlich, dafür ist es ja wichtig, das dieses "Hostiending" koscher ist, sonst darf Levi es nicht essen.

Ich wünsche Euch allen eine gesegnete erste Adventswoche und wüsnche uns allen, etwas genauer hinzuhören und ab und an die Perspektive zu wechseln!

 

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"Moment mal!" ist der Titel für die neue Kolumne auf theologiestudierende.de Jede Woche schreibt ein/e andere/r Redakteur/in seine/ihre Sicht auf ein Thema rund um Bildung, Kirche und Gesellschaft. Du auch? Mail an das Redaktionsteam



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