Präbolognesische Denkmäler
Semesterstart heißt Fragen. Gerade Studienanfängerinnen und -anfänger haben sie. Und nicht selten sitzt da heute ein Unifrischling vor einem der vielen Herren und wenigen Damen Professores und fragt gar nicht mal zu unrecht Dinge wie: "Soll ich erstmal die drei Grundlagenmodule A, B und D belegen und dann den Optionalbereich absolvieren oder soll ich lieber mit Modul A38 beginnen?" Ein kratzen am Kinn, ein flimmern von Unwissen in den Augen...
Damals war doch alles besser. Die goldenen Zeit der Universität waren es, als Professoren noch stolz durch die Hallen der Bildung schritten und ihre Schützlinge dicke Brillen trugen, ganz wie die hohen Herren selbst, ja wollten sie doch selber so werden sie.
Die 70er-Jahre waren es, als mit den Massen-Universitäten eine andere Zeit anbrach: Das Gold war abgeblättert und mit Silber überstrichen. Doch nach wie vor gelang es den Professoren die wilden Horden mit dem akademischen Guss zu befüllen, auch wenn deutlich weniger von ihnen selbst einmal eine wissenschaftliche Laufbahn einschlugen.
Dann kam der Bologna-Express mit Tösen herein gerollt. Professoren sind nun Ausbilder. Know-how statt Wissenschaft und Module als Qualifikation im Lebenslauf. Viele der präbolognesischen Denkmäler versuchten fortan unter neuem Namen Altes zu tun. Nur wenige wurden Modul-Mogule.
Aber die Frage vom Beginn bleibt. Und meistens lautet die professonielle Antwort: «Fragen Sie Ihre Kommilitonen. Die wissen Bescheid!«
