Die Solidarität der Priesterkinder

Pfarrers Kinder, Müllers Vieh - gedeihen selten oder nie. Woran man das merkt? Nirgendwo trifft man so viele Pfarrerskinder wie an theologischen Fakultäten. Der Apfel fällt halt manchmal nicht weit vom Stamm und manch ein Pfarrerskind - mich eingeschlossen - kann sich nach 18-20 Jahren fleißigem dementieren mit Worten wie "Das letzte was ich studieren würde ist Theologie!" nicht mehr dagenen wehren und landet schließlich doch im Griechisch- und Hebräischkurs. Aber das schöne am Theologiestudium als Pfarrerskind ist: Man solidarisiert sich sehr schnell mit den anderen, schließlich teilt man eine lange Leidensgeschichte - die sich dann aber am Ende doch oft als ziemlich glückliche Kindheit entpuppt. Auch wenn man sich jahrelang mit Sprüchen wie: "Was würde denn dein Vater dazu sagen", Bezeichnungen wie "Priesterkind" und der ungläubigen Nachfrage von katholischen Bekannten "Darf man das überhaupt?" rumschlagen muss. Nein, den Beruf meiner Eltern habe ich als Kind versucht nicht allzu oft zu erwähnen. Genau wie heute mein Studienfach.

Wenn man allerdings mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht fällt einem irgendwann auf: So schlimm ist das gar nicht. Bzw.: Anderen geht es auch nicht besser! Klar, Theologen haben auf Parties immer einen seltsamen Ruf, aber oft auch (wenn auch nicht immer passend) gute und intensive Gespräche. Juristen z.B. haben es da nicht viel leichter. Langweilig sind die schließlich per definitionem auch... nur über Jura kann man mit gesundem Halbwissen längst nicht so schön streiten. Ein Bekannter von mir sagt darum immer, er studiere "vergleichende Textilwissenschaften" - Exotenfächer ziehen halt immer. Auch wenn sie nur imaginär sind.

Und auch Eltern hätte man sich schlimmere vorstellen können. Wer sich heute in der Schule z.B. als Kind eines Bankers outet - so ist zumindest immer wieder zu hören - wird gemobbt... da ist das Wort Priesterkind noch ein echter Freundschaftsbeweis!

Mittlerweile bin ich mir sicher: Auch Theologen können tolle Eltern sein und ja, auch ich kann in der Öffentlichkeit zu meinem Studienfach stehen. Klar sind wir nicht normal... aber irgendwie freakig sind alle anderen doch auch.

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"Moment mal!" ist der Titel für die neue Kolumne auf theologiestudierende.de Jede Woche schreibt ein/e andere/r Redakteur/in seine/ihre Sicht auf ein Thema rund um Bildung, Kirche und Gesellschaft. Du auch? Mail an das Redaktionsteam



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