Der schwere Mittelweg zwischen "Oh nee, nich schon wieder!" und "Ausschwitz? Was ist denn das?"

In der letzten Zeit tauchten wieder allerhand Berichte in den Medien auf, die auf den großen Anteil von Antisemitismus in Deutschland und das fehlende Wissen über die NS-Zeit bei der jüngeren Generation hinwiesen. Gerade zum Holocaust-Gedenktag in der letzten Woche ist es virulent, darüber nachzudenken, wie man der jüngeren Generation dieses Wissen vermitteln kann. Spannend ist die Suche nach Ursachen, die auch in den Medien betrieben wird. So kann der Antisemitismus zu einem großen Teil den Migranten aus muslimischen Ländern in die Schuhe geschoben werden, die nach Angaben der Medien viel zu unsensibel sind für die deutsche Vergangenheit.

Das fehlende Wissen über die NS-Zeit bei den unter 30-jährigen liegt an deren Desinteresse im Unterricht, weil das nichts mit Xbox und iPhone zu tun hat, sagt zumindest eine zum Thema befragte Hauptschullehrerin. Noch dazu sterben nach und nach die Zeitzeugen weg und die Anschaulichkeit gehe so verloren. Aha, wieder was gelernt. Dabei sieht doch der Lehrplan die NS-Zeit mehrfach vor. In meiner Erinnerung hatten wir das Thema im Geschichtsunterricht zuerst in der 6. Klasse, dann in der 9. wieder und danach zog sich die Beschäftigung damit durch viele Schulfächer. Nicht nur im Geschichtsunterricht wurde es behandelt, sondern auch im Deutschunterricht handelte die Lektüre davon und bei der Analyse rhetorischer Mittel wurden Reden von Hitler und Goebbels zugrunde gelegt. Natürlich kam es auch im Fach Englisch vor und in der Oberstufe dann das dritte Mal in Geschichte.

Mir ist dabei nicht ganz klar, wie man über Jahre so desinteressiert sein kann, dass man sich die Behandlung in mehreren Fächern nicht mitbekommt. Bei mir und meinen Mitschülern stellte sich irgendwann eher die Einstellung "Oh nee, nicht schon wieder NS-Zeit" ein, weil man sich immer wieder damit beschäftigen musste und man es irgendwann satt hatte. Natürlich bin ich für eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und gerade auch dieses Kapitels, bitte nicht falsch verstehen! Mich erschreckt das Unwissen darüber sehr. Allerdings denke ich, dass es auf ein gesundes Maß ankommt, in dem die Beschäftigung damit für die Schüler interessant ist. Das kann ja auch damit erreicht werden, dass das Thema aus verschiedenen Perspektiven bearbeitet wird. Schade ist es, wenn man irgendwann weiß, dass Lehrer nur die einstudierte Formel "Wir sind zwar nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber wir tragen die Verantwortung, dass so etwas niemals wieder vorkommt." hören wollen. Das ist inhaltlich natürlich richtig, aber oft wurde dies eben nicht aus persönlichem Erkenntnisgewinn geäußert, sondern weil man wusste, der Lehrer will das so hören.

Es muss nun nach Wegen gesucht werden, das Thema auch ohne Zeitzeugen für Schüler anschaulich zu machen und Wissen über diese Zeit zu vermitteln. Wenn sich Schüler nur noch fürs iPhone und die Xbox interessieren, vielleicht entwickelt dann mal einer ne App oder schreibt ein Spiel? Auf twitter kann man den zweiten Weltkrieg in Echtzeit nachverfolgen (@RealTimeWWII). Es braucht vielleicht nur ein paar, neue, frische Ideen.

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"Moment mal!" ist der Titel für die neue Kolumne auf theologiestudierende.de Jede Woche schreibt ein/e andere/r Redakteur/in seine/ihre Sicht auf ein Thema rund um Bildung, Kirche und Gesellschaft. Du auch? Mail an das Redaktionsteam



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