"Den Bildungsauftrag wahrnehmen"

Bildungsbegriff - Weihnachten ist vorbei. Nach und nach ebbt die Welle von Demonstrationen, Besetzungen und Solidaritätsbekundungen ab. Zurück bleibt die Fragen: Wird sich etwas ändern? Weniger Belastungen? Mehr Freiheiten? Vielerorts sind Studierende und Unileitungen miteinander ins Gespräch gekommen. "Mehr Bildung statt Ausbildung" war einer der Slogans. Aber was bedeutet das? Wie muss universitäre Bildung in Zeiten von Massenuniversitäten aussehen?

Unerwartet klar positionierte sich der Evangelische Hochschulbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland bereits im November 2009. Dessen Vorsitzender Landesbischof Dr. Johannes Friedrich fordert eine Neubesinnung auf den Bildungsauftrag der Hochschulen und plädiert im Blick auf den Bologna-Prozess für eine neue Reformphase der Differenzierung.

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EKD-Text 105 zum nachlesen

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Unter Bezugnahme auf die jüngst mit dem Titel „Den Bildungsauftrag wahrnehmen“ erschienene Stellungnahme des Hochschulbeirats zur Situation der Hochschulen in Deutschland teilte Friedrich, der auch Mitglied des Rates der EKD ist, mit, er teile die Sorge, „dass bei starr modularisierten Studiengängen die starke Reglementierung von Studieninhalten und Studienverläufen die akademische Freiheit des Studiums weitgehend zu ersticken drohe“. Die Studienreform des Bologna-Prozesses verschärfe nämlich die Tendenz, „Studiengänge weniger als Bildungs- denn als Ausbildungsgänge zu konzipieren. Die Bedingungen dafür, im Studium eine grundständige wissenschaftliche Kompetenz, Kritikfähigkeit, selbständiges Methodenbewusstsein und ethisches Reflexionsbewusstsein zu gewinnen, seien dadurch nicht sichergestellt.“

Neben der krassen Unterfinanzierung der Hochschulen sieht Friedrich einen Grund für die aufgebrochenen Probleme „in der selbst auferlegten Vorgabe, für alle Studiengänge eine formale Einheitlichkeit herzustellen.“ Friedrich plädiert deshalb dafür, „eine neue Reformphase der Differenzierung einzuleiten, in der die Studiengänge den fachspezifischen Erfordernissen eines Studiums mit Bildungswert wieder angenähert werden.“ Der notwendige Eintritt in eine solche Reformphase sei durch die Erklärung der Kultusministerkonferenz vom 16. November 2009 zur Weiterentwicklung der Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen jedoch noch nicht gewährleistet.

Der Studierendenrat Evangelische Theologie (SETh) hat die Diskussion um den Bildungsbegriff und seine Bedeutung für die Gestaltung der theologischen (Aus-)Bildung als Leitthema für die kommende Tagung der Vollversammlung des SETh vom 22.-24. Januar in Neuendettelsau bestimmt. Dabei unterstützt der SETh die Auffassung des EKD Hochschulbeirates und sieht in universitärer Bildung mehr als das erlernen von Fertigkeiten zur Berufsqualifizierung, sondern unterstreicht, dass Bildung einen "gesunden Prozess" für jeden Einzelnen erfordere. Vorab lädt der SETh zur Diskussion auf sein Internetportal theologiestudierende.de, um das Abschlussdokument der Tagung Ende Januar vorzubereiten.