Wenn die Theologen tagen


Fakultätentag - Alljährlich kommen VertreterInnen von evangelisch-theologischen Fakultäten, Fachbereichen und kirchlichen Hochschulen zusammen, tauschen Informationen aus, beraten und beschließen über die Entwicklung des Theologiestudiums in Deutschland. In diesem Jahr fand das Treffen vom 8.-10. Oktober in Leipzig, und damit im Schatten des Jahrestages der friedlichen Revolution vom 9. Oktober 1989, statt.

Wie ist das, wenn die Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Gegenwartstheologie versammelt sind? Sicherlich hat das nicht die revolutionären Stimmung eines Jahres 1989, ist aber nicht weniger bunt. Schließlich standen doch einige wesentliche Punkte auf der Agenda der Tagung, an der auch Studierende als VertreterInnen ihrer Studienorte teilnahmen.Leipziger Neues Rathaus

Das Mobilitätskonzept, das die Bonner Fakultät eingebracht hatte, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Kern des Konzeptes ist die Möglichkeit Studienleistungen, die an einer bestimmten Fakultät erbracht wurden, an jeder anderen theologischen Fakultät angerechnet zu bekommen, sodass keine Leistungspunkte, die einmal erarbeitet wurden, wegfallen können.

Hinsichtlich der Promotionsordnung zum Dr. theol. und der Prüfungsordnung für das erste theologische Examen gab es bisher noch keine Einigung. Besonders die Frage nach den Sprachanforderungen für ausländische Promovierende führte bisher zu keinem Konsens und wurde auf den nächsten Fakultätentag vertagt.

Der Entwurf „Gütekriterien der Evaluation Evangelischer Theologie“ wurde hingegen positiv aufgenommen und dementsprechend verabschiedet. Wichtigster Punkt ist die Abgrenzung der Theologie als Geisteswissenschaft von den Kriterien zur Güteklassifizierung von Naturwissenschaften, die man wohl zurecht nicht über einen Kamm scheren sollte.

Entscheidenster und am meisten kontrovers diskutierter Punkt war in diesem Jahr jedoch die Rahmenordnung für die Zwischenprüfung im modularisierten Pfarramtsstudiengang. Im September bereits, war ein erster Entwurf der neuen Rahmenordnung an die Konferenzteilnehmer verschickt worden. Wenngleich dieser Entwurf sich nur in wenigen Punkten von der derzeit gültigen Ordnung unterschied, gab es sowohl von Studierenden als auch von Dozierenden diverse Änderungsforderungen, die in der schlussendlich verabschiedeten Form nahezu alle aufgenommen wurden.

Diese lassen den Fakultäten insgesamt mehr Freiräume und kommen den Studierenden ausschließlich zu Gute, wie beispielsweise die Möglichkeit Modulabschlussprüfungen als Teil der Zwischenprüfung zu werten, einem Studierenden in einem Semester jenseits der Regelstudienzeit den Prüfungsanspruch nicht zu entziehen, wie es die alte Ordnung noch vorsah, und die Erstellung von Proseminararbeiten in max. sechs Wochen, anstatt in den bisher vorgeschriebenen vier. Bleibt zu Hoffen, dass die Umsetzung vor Ort die Freiräume beibehält, die die neue Rahmenprüfungsordnung ermöglicht und nicht zugunsten von lokalen Vorlieben und Positionen wieder eingeschränkt wir.

Insgesamt kann man demnach aus studentischer Sicht mit den Ergebnissen des diesjährigen E-TFT sehr zufrieden sein, wenngleich alle diese Beschlüsse erst einmal nur vorläufig sind und von weiteren Gremien noch bestätigt werden müssen.

So lässt sich in jedem Fall positiv mitnehmen, dass die Professoren die StudierendenvertreterInne mit einer großen Offenheit und Freundlichkeit entgegen gekommen sind und Meinungen und Ideen gehört und aufgenommen wurden.

Und vielleicht ist es ja bald wirklich so weit, dass auch der Studierendenrat Evangelisch Theologie mit Stimmrecht beim Fakultätentag vertreten ist. Erste Gespräche mit dem Vorsitzenden des E-TFT laufen bereits.

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