Weitere acht Theologen zu Homosexualität und Kirche

Homosexuelle Partnerschaften in evangelischen Pfarrhäusern werden weiterhin diskutiert. Nachdem die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" zunächst den Bannbrief von acht ehemaligen evangelischen Bischöfen abdruckte, erheben in der "Zeit" nun jedoch acht weitere Theologen und Theologinnen Einspruch gegen den Brief.

Die acht Theologinnen und Theologen veteidigen das Recht auf auf freie Wahl des Lebenspartners. Unter ihnen ist auch Stefanie Schardien, Juniorprofessorin für Systematische Theologie in Hildesheim. Laut ihr sind bereits heute Geistliche "getrennt, geschieden, kinderlos oder neu verheiratet". Nicht ein klassischer Familienzusammenhang sei das Leitbild, sondern ein "verantwortliches, verlässliches und liebevolles Miteinander, wie es sich aus dem Gesamtklang des Evangeliums hören lässt". Bernd Oberdorfer, Professor für Systematische Theologie in Augsburg, konkretisiert, dass es zur "Natur des Menschen" gehöre, seinen Vorgaben gemäß in ein gestaltendes Verhältnis zu treten: "Homosexuelle erfinden ihre Neigung nicht, sie finden sie vor." Die Professorin für Systematische Theologie und Ökumene in Paderborn, Helga Kuhlmann, befürwortet, dass evangelische Kirchen vor wenigen Jahren endlich begonnen haben, Gottes Segen für ihr gemeinsames verbindliches Leben auch denen zuzusprechen, die demselben Geschlecht angehören.

Peter Dabrock, Ordinarius für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, fragt: "Wer lebt die Vielehe, weil die Glaubensväter Abraham, Isaak und Jakob eine solche geführt haben? Wer hält sich Sklaven, weil Paulus es Christen durchaus erlaubt?" Nie hätten Christen biblische Worten eins zu eins auf ihr Leben übertragen. Die Bibel habe sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, ist der Theologe überzeugt. Michael Nausner, Professor für Systematische Theologie in Reutlingen, betont, dass die Bibel nicht als Begründung für den "Ausschluss vom Heil" homosexueller Menschen dienen könne. Schließlich sei schon "ein heutiges Konzept gleichgeschlechtlicher, partnerschaftlicher Liebe"  in der Bibel nicht zu finden.

Johann Evangelist Hafner, Professor für Religionswissenschaft in Potsdam, erklärt, dass niemand schwulen oder lesbischen Paaren kategorisch absprechen könne, dass sie zu gegenseitiger Verantwortung und Verlässlichkeit fähig seien, was im neuen Pfarrdienstgesetz als Maßstäbe aufgestellt werde. Auch Ulrike Link-Wieczorek, Professorin für Theologe in Oldenburg, ist der Meinung, dass in den jüngeren Jahrzehnten "die Sexualität als ein spezifisches Gestaltungsmittel von Dauerhaftigkeit neu entdeckt" worden sei. Zudem umfasse Gottes Liebe "jeden einzelnen Menschen". Martin Hailer lehrt in Erlangen Ökumenische Theologie und widerspricht der Aussage der Altbischöfe, dass mit der Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Ehe im Pfarrhaus jeder Fortschritt zu ökumenischer Gemeinschaft mit Katholizismus, Orthodoxie und einigen lutherischen Kirchen blockiert sei. Die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft im Pfarrhaus stelle keinen neuen Sachverhalt dar und könne deshalb in Sachen Ökumene gelassen betrachtet werden.

Auch der Münchener Theologe Friedrich Wilhelm Graf, der zuletzt durch seine Äußerungen über Theologiestudentinnen und ihre Herkunft aufgefallen war, widerspricht dem Bannbrief der Altbischöfe. "Man kann den älteren Herren für diese Entschiedenheit nur dankbar sein. Angesagt ist nun harter theologischer Streit." Die "wenigen Argumente" der Altbischöfe könnten ihn theologisch nicht überzeugen. Sie stützten ihre Argumentation auf vier Stellen aus dem Neuen und eine aus dem Alten Testament. Dabei betrieben sie "naiven Biblizismus" sowie "Widersprüchlichkeit und Willkür", so Graf. "Wer so mit der Schrift umgeht, muss auch die Ordination von Frauen bekämpfen."