Was ist Religion?
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Der praktische Theologe Prof. Dr. Eberhard Hauschildt und der Systematiker Prof. Dr. Martin Laube, beide Leiter des "Instituts für Hermeneutik", sind die Initiatoren eines Seminars zum Thema und einer neuen Reihe mit dem Titel "Bonner hermeneutische Gespräche". Zu ihrem Auftakt war am Donnerstag Prof. Dr. Wilhelm Gräb, der an der HU in Berlin praktische Theologie lehrt und sich darüber hinaus auch mit dem Bereich der Religionshermeneutik beschäftigt, zu Gast in Bonn.
In seinem "Plädoyer für eine Theologie mit religions- und kulturhermeneutischer Ausrichtung", wie er seinen Impulsvortrag in Bonn betitelte, übte Gräb Kritik an der gegenwärtigen Ausrichtung der theologischen Disziplinen. So sei die Arbeit der Fächer der Theologie stärker auf ihren praktischen Nutzen hin umzustellen, um diese Ergebnisse etwa in der Verkündigung zu nutzen. Die praktische Theologie wäre nach Gräbs Auffassung dann "nicht mehr nur handlungsorientierte Theorie", sondern Religionshermeneutik auch in Bezug auf alltagskulturelle Erscheinungen, wie Kunst, Musik und Film aber auch Sport und Sex.
Den Ausgangspunkt seiner Argumentation nimmt Gräb bei Schleiermacher. So sei der Gegenstand der Theologie nicht Gott, sondern das Christentum. Um das spezifisch christliche in dem frei kombinierbaren spirituellen Material zu identifizieren, brauche es laut Gräb, einen "Allgemeinbegriff der Religion". Aufgrund der unscharfen Grenzen zwischen den verschiedenen geistlichen Angeboten, brauche es die Religionshermeneutik, die als "Deutung von Deutung" bzw. "Beobachtung der Beobachtung des Unbeobachtbaren" zu verstehen sei.
