Theologiestudium in Deutschland und Tschechien

Theologie studieren in einem Land, das vor 22 Jahren noch kommunistisch war, in einem Nachbarland, das doch in vielerlei Hinsicht ganz anders ist als Deutschland. Dazu gab es am Donnerstag Vormittag eine Gesprächsrunde am Stand des Studierendenrat Evangelische Theologie (SETh) auf dem Markt der Möglichkeiten (Halle F7, C05) beim Kirchentag in Dresden.

Mit Sandra Silná und Kateřina Dékanovská waren zwei tschechische Theologinnen Anwesend, die einiges über die Studien- und Arbeitssituation tschechischer Theologen berichten konnten. Unterstützt wurden sie von Benjamin Mlỳnek, der zwar Politikwissenschaften studiert, als Sohn einers Priesterehepaares und aktives Kirchenmitglied aber dennoch einiges zur Diskussion beitragen konnte.

Sandra,Kateřina und Benjamin gehören der Tschecheslowakischen Hussitischen Kirche (CCSH) an, die sich nach dem Ersten Weltkrieg von der Römisch Katholischen Kirche abgespalten hat und sich auf Jan Hus beruft. Die Kirche unterhält in Tschechien vier Fakultäten, an der größten davon, in Prag, studieren ca. 900 Menschen im Präsenz- oder Fernstudium, dabei gibt es daneben auch noch eine katholische und eine evangelische Fakultät in der Stadt. Gar nicht so wenig für eine kleine Kirche, könnte man meinen, allerdings will nur ein kleiner Teil der Studenten tatsächlich einmal Priester werden. Viele studieren auch gar nicht Theologie, es werden auch jüdische Studien, Soziale Arbeit, Psychologie und eher religionswissenschaftliche Studiengänge, auch z.B. in Kooperation mit der katholischen Schwesterfakultät angeboten.

Obwohl die CCSH also eine recht kleine Kirche und in der Hochschule aktiv ist, herrscht - wie in naher Zukunft auch in Deutschland - Pfarrermangel. Kein Wunder, meint Sandra. Sie selbst ist Pfarrerin in einer kleinen Prager Gemeinde, arbeitet aber auch für Ökumenischen Rat der Kirchen. Das Gehalt eines Pfarrers reiche nicht aus um eine Familie zu ernähren. Außerdem würde ihre Kirche immer Älter, die jungen Leute fehlten. Nach der Wende 1989 habe man es schlichtweg verpasst die Menschen, die im Kommunismus eingeschärft bekamen, Kirche sei ein fundamentalistischer Haufen von Systemgegnern, wieder zu erreichen. Vor der Wende habe sich die Kirche vor allem auch mit dem Protest gegen das kommunistische Regime identifiziert und damit 1989 abrupt ihre Identität verloren. Zu lange habe es gedauert sich selbst wieder deutlicher als Gemeinschaft der Gläubigen zu sehen.

Wer in Tschechien Theologie studiert oder sich offen zum Christentum bekennt, hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Diese Erfahrung machen zwar auch deutsche Nachwuchstheologen regelmäßig, aber zumindest in Westdeutschland sind die Kirchen doch deutlich etablierter in der Gesellschaft und das Christentum weiter verbreitet, als in den vormals kommunistischen Gebieten Osteuropas. Wer in der Schule ein sehr negatives Bild von Kirche vermittelt bekam und Kirche vor allem mit einem verstaubt konservativen Weltbild, dem Zölibat und patriarchalischen Machtstrukturen verbindet, dem wird man nur schwer die Gute Nachricht Jesu Christi vermitteln können. Dennoch sind die Tschechen nicht ungläubig, auch, wenn sie keiner Konfession angehören.