Streit um Homosexualität in Westfalen

Brandbrief - Es gibt sie also immer noch: Die Angst vor der Homosexualität. Wer dachte, Vernunft und Toleranz seien mittlerweile in alle Gesellschaftsteile eingekehrt, sieht sich eines Besseren belehrt. Umso trauriger ist es, dass es in diesem Fall Pfarrer und Pfarrerinnen sind, examinierte Theologen, die eine neuerliche Diffamierung von gleichgeschlechtlich Liebenden vorantreiben.

In einem offenen Brief an Alfred Buß, den Präses von Westfalen, wird dieser für seine liberale Haltung zu Fragen der Homosexualität kritisiert. Er hatte bei einem Forum von EKD und UCC (United Church of Christ), sowie beim Kirchentag in Bremen, für die Anerkennung von Homosexualität plädiert, da diese weder eine Fehlentwicklung, noch eine Krankheit sei. 


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Homosexualität ist offenbar
nach wie vor ein schwieriges
Thema in der Kirche
.

37 Pfarrer haben die Kritik an Buß unterschrieben, sie befürchten Buß werde dafür sorgen, dass praktizierte Homosexualität als gleichberechtigt gegenüber heterosexuellen Lebensformen akzeptiert und Segnung oder Trauung homosexueller Paare ermöglicht wird. In ihrer Argumentation verweisen sie besonders auf den Beschluss der westfälischen Landessynode von 1996 zur „Vielfalt der Lebensformen“, der ausdrücklich keine Segnung für homosexuelle Paar vorsehe.

Doch wer sich die Mühe macht das Dokument einmal gründlich zu lesen liest dort folgendes:„Im geltenden westfälischen Kirchenrecht sind öffentliche Segenshandlungen homosexuell liebender Menschen nicht im Blick. Es gibt allerdings Gemeinden, in denen der Wunsch nach einer gottesdienstlichen Handlung aufgenommen wurde.“ Überdies sei die Diskussion über Homosexualität nicht abschließbar, sondern bilde einen Prozess, der ständig neu geprüft werden müsse.

Ablehnung praktizierter Homosexualität, das Verbot einer Segnung, sowie das Bekenntnis zur Umorientierung Homosexueller durch Therapie, wie es die konservativen Geistlichen fordern, sucht man glücklicherweise vergebens.

Und so weist Buß in seiner Antwort auf einen entscheidenden Punkt im Beschluss der Landessynode hin.

Alles christliche Handeln müsse sich an der Liebe zu Gott und der Liebe zum Mitmenschen messen lassen. „Angesichts dieses biblischen Befunds kann geschlossen werden, dass homosexuelle ebenso wie heterosexuelle Partnerschaften an den Kriterien einer vom Liebesgebot her gestalteten Beziehung zu messen sind:an Freiwilligkeit, Ganzheitlichkeit, Verbindlichkeit, Dauer, Partnerschaftlichkeit und gegenseitiger Fürsorge.“

Wenn eine homosexuelle Beziehung sich an dieser Verantwortung orientiert, sollte sie auch die Möglichkeit haben, die Partnerschaft von Gott segnen zu lassen, auch gegen den Widerstand einer kleinen pöbelnden Minderheit, die mit ihren reaktionären Ansichten, in der Öffentlichkeit zu spalten versucht.

„Der Einheit der Kirche gilt unsere gemeinsame Sorge, als solche, 'die sich in ihrer Verschiedenheit annehmen'", schließt Buß. Recht hat er.

 

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