Schiller ist tot, Humboldt ist tot und an den Unis geht´s auch allen schlecht…
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Streik, wieso eigentlich? Was bringt den durchschnittlichen Studenten dazu an einem bundesweiten Bildungsstreik teilzunehmen? Der durchschnittliche Student (Nennen wir ihn Peter –im vollen bewusstsein, dass er auch eine Petra sein könnte!), bezahlt in NRW 500 Euro Studiengebühren, für ein Semester, also gute drei Monate Vorlesungszeit. Weitere ca. 150 Euro für ein Studententicket und ca. 50 Euro Solidaritätsbeitrag, macht also insgesamt 700 Euro. Er oder sie hat auch noch ein Zimmer bezahlt also noch ca. 250 bis 350 Euro Miete und Nebenkosten, weiterhin versorgt sich unser Peter regelmäßig mit Lebensmitteln. Dazu ist er natürlich ein fleißiger Student und geht als solcher zur Uni, und weil er einen Bachelorstudiengang studiert hat er mit Anwesenheitspflicht und Vorbereitungszeit laut Stundenplan eine 40 Stundenwoche, einen Teil dieser Zeit verbringt er auf dem Boden des Hörsaals, weil es in manchen Vorlesungen so voll ist, dass bei weitem nicht alle einen Platz bekommen. Wenn er dann abends nachhause kommt, kann er sich noch schnell umziehen, denn er muss in die Kneipe, in der er jeden Abend kellnert, denn studieren, wohnen und ernähren kostet eben Geld. Schließlich hat er nach 3 Jahren mit mehreren hundert Prüfungen und viel auswendig erlerntem Bücherwissen einen Bachelor-Abschluss errungen, leider kann in der Wirtschaft kaum einer etwas mit diesem Abschluss anfangen; ist ja auch kein Wunder, denn für andere qualifizierte Berufsziele wie Jurist oder Mediziner wurden Bachelor und Master gar nicht eingeführt, und auch die Kirchen lassen ihre Pfarrer nicht nach der neuen Ordnung studieren, warum sollte sich die Wirtschaft also ausgebildete Angestellte ins Boot holen deren Abschlüsse kaum mit den alten vergleichbar sind? Theoretisch, könnte der durchschnittliche Student in NRW nach seinem Bachelor noch den weitergehenden Master machen, aber die Zahl der Master-Studienplätze ist sehr begrenzt und deshalb schafft es Peter nicht einen Platz zu ergattern … tja, Schade.
Streik, wie eigentlich…? 70 Universitäten in ganz Deutschland erleben wie so ein Streik aussehen kann. Sehr beliebt und öffentlichkeitswirksam sind Hörsaalbesetzungen. Diese sind auch recht einfach durchzuführen, man benötigt nur einen wütenden Mob von Studenten der in einen Hörsaal einfällt und dort einfach bleibt, im Idealfall auch über Nacht. Nach einiger Zeit richten sich diese dann mit Schlafsäcken, Kaffe und Lebensmitteln ein und erarbeiten in der Zeit der Besetzung Verbesserungs- und Diskussionsvorschläge für die Uni-Leitung. Die Uni-Leitungen reagieren in der Regel auf zwei Arten darauf. Die erste, man erstattet Anzeige gegen die besetzenden Studenten, bestellt eine oder mehrere Hundertschaften der Polizei, und lässt den Hörsaal räumen. Dabei geht man allerdings das Risiko schlechter PR ein und es ist besonders durchhaltewilligen Studenten unbenommen am nächsten Tag der Hörsaal wieder zu besetzten. Daher entscheiden sich manche Uni-Leitungen für die zweite Möglichkeit, sie bieten den Studierenden mehr oder weniger aussichtsreiche Gespräche an um so dem Wiederstand den Druck zu nehmen.
Und was bewegt sich? Wenn aber in ganz Deutschland an den Unis Protestiert und die Studierenden genug Durchhaltevermögen zeigen, wie in den letzten Zeit geschehen, dann kann es auch dazu kommen, dass die Rektorenkonferenz der Unis Gespräche mit Ministern, Unis und Studierenden fordert um die Probleme gemeinsam anzugehen. Kein Sieg, aber ein erster Schritt weg von der Uni-Hektik, hin zur Humboldt-Bildung.

